Sonntag, 28. September 2008

Uni!!! Asakusa, japanische Stummfilme

Am Montag, dem 22. September war - wie hätte es auch anders sein können - eine Orientation nach der anderen. Anschließend gab es eine kleine Campustour von COSMIC, einer studentischen Organisation, die für Ausländer zuständig ist. Die Leutchen muss ich irgendwann mal noch nach AGs hier fragen...
Den Workshop intercultural communication hab ich ausgelassen, was auch eine gute Idee gewesen ist, nach allem, was die anderen darüber erzählt haben.^^

Am Dienstag, dem 23. September, waren Nancy, Katrin und ich Futsal spielen. Sayaka, die wir im Februar beim Gasshuku auf Izu kennen gelernt haben, hat uns dazu eingeladen. ;) Futsal ist quasi Hallenfußball...man, hab ich mich angestellt. -_- Warum lässt sich der doofe Ball auch nie treffen?! Im Gegensatz zur jap. Nur-mit-meiner-Gruppe-Tradition waren wir ca. 20 Mann, die sich nur mehr oder weniger kannten und generell gesagt waren die Mädchen natürlich Nieten (außer Sayaka und Nancy, die immer noch behauptet, sie habe nie gespielt obwohl sie gleich 3 Tore gemacht hat), während die Jungs quasi mit Fußball geboren wurden oder so. Es war leicht frustrierend. In meiner Gruppe war nur ein Junge, aber wenn der loslegte, dann war er schon in der Mitte des Feldes, bevor ich überhaupt geschnallt hab', dass er den Ball hat. Er war aber ein guter Teamplayer und hat stets an uns abgegeben, was unsere Siegeschancen sogleich nullifizierte.^^ Lustig war es, wenn die gegnerischen Mädchen versuchten, ihm den Ball abzunehmen. Es sah aus, als würde er tanzen; er machte immer nur ganz kleine Schritte und schob den Ball 'rüber und 'nüber, während der Gegner verzweifelt versuchte, an ihn 'ranzukommen. (Ich hätte mich ja so verarscht gefühlt...) Jedenfalls sind wir mächtig gerannt und es war wirklich lustig. Leider mussten wir früher gehen, weil Herr Oberländer alle Hallenser zum Essen eingeladen hatte.

Im Cafe angekommen, gab es ein lustiges japanisches vegetarisches Menü, dessen Bestandteile ich nicht wirklich erfasst hab. Das Wichtigste daran: Es gab ein (echtes) Brötchen dazu. *mjam* auf dem Rückweg konnten wir mal wieder lustige jap. Eigenarten sehen: Man stelle sich eine Baustelle auf dem Gehweg vor, wahrscheinlich so 10x5 m breit. Es arbeiten zwei Leute und einer ist dazu zuständig, aufzupassen, dass kein Fußgänger (in die vollabgesperrte) Grube fällt. Den 3 .Mann hat man im Übrigen immer, z.B. auch dann, wenn ein Mann auf 'ner Leiter die Glühbirnen im Bahnhof wechselt. Ein weiterer ist dazu da, auf den ersten aufzupassen und der dritte...ihr habt das Bild, ja? Also, wir sind also vor der Grube angekommen und der erste hört auf zu arbeiten, verbeugt sich und weißt uns den Weg. Damit wir auf den 10 m gerader Strecke auch nicht verloren gehen, macht der zweite es ihm nach und der dritte...jaja, so sind sie, die Japaner.

Am Mittwoch bin ich mit Carsten und Elliott (Australien) zum Ward Office gefahren, um die Alien Registration abzuholen. Mit jetzt also registriertes Marsmännchen und muss die Karte stets am Mann haben. Sollen schon Studenten verhaftet worden sein, weil sie die Karte nicht bei sich hatten. O_o.

Ansonsten hab ich mich mal wieder daran versucht, ein Handy zu ersteigern. Inzwischen war ich nach ein bisschen Rechnerei vom Prepaid-Gedanken abgekommen, wenn das Handy in der entsprechenden Preisklasse zu kaufen wäre. Dazu bin ich extra nach Yokohama (also Bahnhof Yokohama), welches der schlimmste Bahnhof ist, den ich bis jetzt hatte. Man kann dort stundenlang durch wunderbar ausgeschilderte Flure laufen, ohne was zu finden. Ist halt blöd, wenn es den Süd-, Südost1- und Südost2-, Südwest1- und Südwest2- Exit gibt, wenn man nur gesagt bekommen hat, dass man irgendwie nach Süden muss. Yokohama hab ich deshalb gewählt, weil dort tatsächlich Englisch sprechendes Personal zu finden war. Naja, aber ich hab' nicht das Angebot bekommen, das ich wollte, und bin unverrichteter Dinge aus dem Softbankshop wieder raus. (Jun war nämlich ebenfalls von Prepaid zu Vertrag gewechselt und ich wusste, dass er für's Handy nur 9800 Yen bezahlt hatte, auch wenn ich nicht wusste, was er da für ein Angebot hatte. Aber da der Mensch Koreaner ist, die ohne Handy bekannterweise nicht überlebensfähig sind, dachte ich mir, dass er bestimmt die beste Variante gefunden hatte.) Im Bahnhof hab ich dann noch Grace und Hanna sowie deren Bruder Dan getroffen, mit denen ich dann noch Abendbrot gegessen habe, nachdem noch ein Freud von Dan dazugestoßen war. Wir haben in einem chinesischen Restaurant in Chinatown gegessen, was sehr lecker war. Auf dem Rückweg sind wir dann leider gerannt wie die Hasen, weil Dan dabei war seinen Zug nach Nagoya zu verpassen. O_o...hab keine Kondition.

Am Donnerstag, dem 25. September 2008, war es dann soweit: Ein Handy! Ich hab' mich mit Hiroyuki in Akihabara getroffen. Hiroyuki kenne ich aus Leipzig, er hat dort den Sprachkurs gemacht, den ich in der 12. besucht hatte. Wir sind in so ein japanisches Superkaufhaus mit 9 Etagen und vollgepackt mit der neusten Technik und haben dort dann auch das Angebot gefunden, das Jun hatte. Es war wirklich das Billigste und Beste. (Was trotzdem verdammt teuer ist, aber *seufz*) Jetzt hab ich 'n cooles Handy mit Vertrag. ;) Ansonsten haben wir noch anderen technischen Kram gesucht und sind dann weiter nach Ochanomizu (ein Tokyoter Stadtteil, der übersetzt Teewasser heißt. :) In Ochanomizu reiht sich ein Musikgeschäft ans nächste, außerdem ist der Stadtteil für Antiquariate berühmt. Hiroyuki hat nämlich ein paar Bücher gesucht, für die er dann aber doch in ein Kaufhaus musste. Das gute an jap. Buchläden: Man geht dort an einen PC, sucht sein Buch und lässt sich ausdrucken, wie es heißt und wo es steht. Das Schlechte: Die Bücher sind nach Verlagen sortiert und dann nach irgendeinem System, das nicht mal Hiroyuki herausbekommen hat. Fest der Überzeugung, dass es auch keins gibt, haben wir einen Verkäufer gefragt (mit wunderbar hochgesteckten Haaren, ich hab gedacht' es wär 'ne Frau), der zielsicher innerhalb von Sekunden alle 4 Bücher in der Hand hatte. O_o...Wir haben beschlossen, dass er ein Genie mit phänomenalen Gedächtnis sein muss, denn wir haben dann anhand der Position, die die Bücher hatten, noch einmal versucht, das System zu entschlüsseln, mussten jedoch abermals resigniert aufgeben.

Bilder und alles Weitere folgen bald...Ich muss jetzt wieder nach Akiba, damit Nancy auch ein Handy bekommt. :)


Lustiges Gebäude, was? Kaum breiter als das Treppenhaus. Aber so sehen hier viele Gebäude aus, ich hab' auch schon noch schmalere gesehen.

Ok, bin wieder da. Es ist der 28. September, der zwar noch nicht dran ist, aber was soll's. ;) Wir halten fest: Handys werden dringend benötigt. Ich habe mit also mit Nancy sowie deren neuer Freundin Yurie und deren Freund Chu getroffen. Die gute Nancy hatte nur leider ihr Certificate of Registered Matters vergessen, ohne das es nicht geht. Also ist sie zurückgedackelt um es zu holen und die Japaner und ich sind durch Akiba spaziert. Heute war also mein Japanisch-Sprechtag, heute war das irgendwie kein Problem. Die Sprachfähigkeit scheint sich irgendwie phasenweise aus und abzuschalten. Naja, dann haben wir eine insgesamt eine halbe Stunde auf Nancy am Bahnhof gewartet. Das Dumme daran: Nancy hat ebenfalls eine halbe Stunde gewartet, circa 10 m von uns entfernt. Keinem ist eingefallen, sich mal ein bisschen umzuschauen (weil wir dachten, wir würden Nancy sehen, wenn sie durch die Gates kommt, oder sie uns..). Ja, um solchen Missständen in Zukunft vorzubeugen sind wir auch gleich ins Yodobashi Kaufhaus und hatten innerhalb von 20 Min. ein Handy. Wir haben einfach meinen Vertrag vorgezeigt und gesagt, dass wir dasselbe haben möchten. Danach haben wir uns in den Tiefen des Handyuniversums versenkt im Versuch, verschiedene Einstellungen zu finden und dann musste Yurie auch schon gehen. Nancy und ich sind noch ein bisschen umhergewandert und dann haben wir uns verabschiedet. Das klingt irgendwie nicht nach viel, aber ich bin trotzdem erst 16.30 Uhr "zu Hause" gewesen..-_-..Tokyo ist halt die Stadt der längeren Wege und der kürzeren Zeit.

So...weiter im Plan ist der 26. September 2008, mein erster "Schultag". Pünktlich 9 Uhr bin ich angetanzt und dann ging es auch schon los...mit einer uuuunglaublich langweiligen Stunde. Japaner vertrauen wirklich auf das Prinzip Auswendiglernen, um dann aus einem Repertoire innig lieb gewonnener Sätze die Grammatik zu beziehen. Das Prinzip geht so: Wir lesen zu Hause eine Seite Text. Dann hören wir das ein paar Mal auf CD (hab ich zwar versucht, bin aber wie immer gescheitert....10 Min. Hörbuch wirken nämlich besser als jede Schlaftablette.) Im Unterricht wird uns der erste Satz vorgelesen. Dann müssen wir ihn der Lehrerin im Chor oder einzln ansagen. Dann müssen wir ihn wiederholen. Dann wischt sie den Satz bis auf die Partikel weg und wir müssen den Satz wieder ansagen. Dann müssen wir ihn wieder widerholen. Dann erklärt sie die wichtige Grammatik. Dann müssen wir in genau derselben Satzstruktur Beispielsätze geben. Dann - man glaubt es kaum - wiederholen wir den ursprünglichen Satz. Wenn man dann irgendwann bei Satz Nr. 3 angekommen ist, wird das ganze natürlich *spannender*, weil man da mehr wiederholen kann. O_o...nach der ersten Stunde war ich fast komatös, was nur durch eine Lästereinlage mit einem deutschen Mitstudenten einigermaßen verbessert werden konnte. Die zweite ging dann irgendwie, weil ein Grammatikteil drankam, der deutschem Unterricht ähnelte, nur dass eben nichts übersetzt sondern nur erklärt wurde. :( Ich fürchte, die Core Subjects werden verdammt hart werden, wenn das so weiter geht. Danach hab ich noch eine Stunde Gesprächskurs gemacht, was dafür echt gut war. Es geht darum, von Höflichkeitssprache in Normale wechseln zu können und die typisch jap. Wie-auch-immer-die-grammatische-Bezeichnung-dafür-heißt-Wörter zu lernen. So was wie "Ach!" und "äha" und so. Wir saßen also da, die (lustige) Lehrerin hat Situationsbeispiele gegeben und wir mussten mit entweder "heeeeeeeee? (Intonation steil nach oben)" = überrascht, lobend oder "fuuuuuun (Intonation nach unten)"= so so antworten. ;)

Abends waren alle irgendwie in Partystimmung und irgendwie sind wir dann zu 16-t los um was trinken zu gehen. War schon recht lustig, jap. Kneipen sind einfach nicht dafür ausgerichtet. Letztendlich haben wir ein Zimmer für 10 Mann bekommen und uns irgendwie reingequetscht. (Bei den traditionellen Kneipen geht man rein, muss die Schuhe ausziehen und wir dann in ein mit Papierschirmen abgetrenntes Zimmer gebracht.) Es war wirklich sehr lustig, ich hab mich viel mit Tami ho (siehe Bild; Hongkong - großer Michael Ballack Fan^^) und Haruna (Japan) unterhalten. Und am Ende wieder 15 € geblecht. Ich schätze, das wird für 'ne Weile das letzte Ereignis dieser Art gewesen sein. Yael, Tami und ich sind dann allerdings 1 Uhr nach Hause, weil wir am nächsten Tag früh raus mussten.


Tokyoter Ambiente ;) So sehen Tokyos Häuser von hinten aus

Fehlt noch gestern, der 27. September 2008. Gesten war einfach herrlich, da mehrere Menschen bzw. Events den Tag zu einem echten Ereignis machten. Ich habe erfahren, dass es wohl eine Veranstaltung an der Uni gibt, die jap. Kunst heißt und hab' spontan beschlossen, das zu machen. Die Stunde findet normalerweise am Donnerstag statt, aber am Samstag war eine Exkursion geplant, also stand ich am Stamstag mit Yael, Yuki und Samson (beide aus Hogkong) in der Lounge um auf Jun und Sorane (Thailand, wenn ich mich nicht irre) zu warten. Die beide irgendwie nicht kamen. Als Yuki Sorane anrief, musste der 3 x nachfragen, wer sie eigentlich sei, bis er einigermaßen im Bilde war. Sturzbetrunken sagt man wohl dazu; Sorane war an diesem Tag jedenfalls nicht fähig, irgendwo hinzugehen. Wir ahnten schon, wer am letzten Abend sein Trinkkumpan gewesen war. Also bin ich hin um an Juns Tür zu klopfen., da er nicht an sein Handy ging. Seinen Wecker hab ich jdenfalls schon 10 Meter vor seiner Tür gehört, im Gegensatz zu ihm selbst, wie es scheint. Nach mehrmaligen Klopfen hat er doch noch aufgemacht, frisch aus dem Bett gefallen - kurz - ein Bild für die Götter. Ich hätte 'ne Kamera mitnehmen sollen. Immerhin hat er es geschafft, innerhalb von 5 Min. fertig zu sein (also, *fertig* war er vorher schon..;). Den Rest des Tages verbrachte er mehr oder weniger schlafwandelnd und ich hab mich köstlich auf seine Kosten amüsiert. Ich frag' mich derwegen, wie man es hinkriegt, fast jeden (!) Anbend so viel zu trinken. Jun jedenfalls konnte darauf nicht antworten, weil er sich an nichts erinnern konnte...

ein hübsches Häuschen! Wir durften in eine kleine Holzwerkstatt

Unser Treffpunkt war irgendwo auf der anderen Seite von Tokyo. Wir sind in eine urische japanische Nachbarschaft mit lauter kleinen Häuserchen und engen Gässchen gegangen und ein Führer erklärte uns die Eigenartigen einer solchen Nachbarschaft, was sehr interessant war. (Also das, was ich davon verstanden hatte.

Müllverordnung, sagt, an welchen Tagen welcher Müll dran ist.

Yael und ich hatten ja eigentlich auf Jun als Übersetzer gehofft, aber der hatte genug damit zu tun, geradeaus zu laufen.) Da wir bekannterweise mit so vielen Leuten sowieso nirgendwo essen konnten, haben sich alle in kleine Gruppen aufgeteilt und nach etwas Essbarem gesucht. Zum ersten Mal in Japan haben wir nichts gefunden (es gab Essen zum mitnehmen, aber dafür nirgendwo 'ne Bank, wo man sich hätte hinsetzten können) und wir sind nach Asakusa gefahren. Dort haben wir Okonomiyaki und Monjayaki gegessen, leider hab' ich vergessen, wie genau man das machen musste. (Hätte meinen eigenen Blog vorher noch mal lesen sollen, im Februar war ich schon mal in so 'nem Laden.) Bei beidem bekommt man 'ne Schüssel mit rohem Krams, das man selbst irgendwie braten muss. Wir fanden es jedenfalls sehr lustig.

Yael + Jun beim Okonomiyaki-Futtern + am Tempel

Anschließend sind wir noch zum Sensouji-Tempel, weil Yael für das jüdische Neujahr eine Glückwunschtafel in einem Schrein aufhängen wollte. Danach ist Jun zurückgefahren, weil er komischerweise das drigende Bedürfnis hatte, zu schlafen, während Yael und ich versucht haben in Akihabara einen Compurerreparaturservice zu finden, weil ihr Laptop kaputt gegangen ist.

Danach war es auch schon Zeit nach Akasaka zu fahren, wo Yael und ich eine japanische Stummfilmvorführung sehen wollten. Das Besondere daran (außer, dass es sich eben um jap. Stummfilme aus den 20ern handelte) war, dass ein echter Benshi dabei war. Was ist ein Benshi? Das ist quasi ein Erzähler, der den Film kommentiert beziehungsweise synchronisiert. Besnhi stammen ursprünglich aus dm japanischen Theater, wo es ebenfalls Erzähler zum Stück gibt. Früher wollten die Leute nicht einfach nur einen Film sehen, sondern es brauchte eine Verbindung zwischen Film und Publikum. Der Benshi spricht also verschiedene Rollen, erklärt, kommentiert und interpretiert das geschehen. Man sagt, dass die Leute früher nicht wegen des Films, sondern wegen des Benshi in die Kinos gingen. Es gibt heute weniger als 10 Benshi und einer von denen war gestern da und hat die Filme gesprochen. Das war wirklich großartig!

Und jetzt muss ich Hausaufgaben machen. Ich schreib' schon wieder viel zu lang. Bilder kommen trotzdem noch, aber irgendwann später. ;)



1 Kommentar:

KissMeGoodBye hat gesagt…

Wow, was für ein langer Eintrag =)
Interessant was man auch so über
Japan erfährt durch das Blog lesen.
Die Unterrichtsstunde die du da beschreibst, klingt echt .... ou *anstrengend*. *nick*
Na man sieht sich Freitag~
Ganbarimashita ne~