Dienstag, 20. September 2011

Burg Nr.3: Hiroshima + das Torii aller Torii

Der Taifun hat sich aus-Taifun-isiert. Hier ist alles in Ordnung. :D

Weiter geht's mit Hiroshimaaaa!

Am Abend des 1.09. bin ich in Miyajimaguchi angekommen, wo auch mein Hostel lag. Die Schlafgelegenheit war diesmal ein Doppelstockbett mit äußerst dünner Matratze und ohne Decke, was schon etwas komisch war. Das Hostel war mehrfach zum "Hostel mit der besten Atmosphäre" in Japan gewählt worden, daher hatte ich irgendwie etwas mehr erwartet. Mir wurde allerdings gesagt, dass das Haus im Gegensatz zu den zwei, drei Belegten Betten pro Raum in allen Sommern zuvor brechend voll und bis auf die letzte Liegefläche ausgebucht gewesen ist. Das Erdbeben hat doch ganz schön nachgebebt.

Mit einem äußerst rundgebogenen, stark-begreteten, großen und robusten Schirm vom Hostel bewaffnet, hab' ich mich am 2. September 2011 nach Hiroshima aufgemacht, das wohl Zeit seines Bestehens nur mit "Atombombe" assoziiert werden wird. Der Himmel hat entprechend düstere Seiten aufgezogen und anteilnehmend geheult - den ganzen Tag. In dieser trauernden Atmosphäre habe ich den Atombombendom gesehen, die einstige Industrie- und Handelskammer, die nur deswegen teilweise noch steht, weil die Bombe direkt darüber detoniert war.


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Daneben liegt der Friedenspark, mit Denkmälern in Erinnerung an die Opfer von so ziemlich jeder ethnisch-, altersmäßig-, arbeitstechnisch und sonstwie differenzierbaren Gruppe, die es zu dem Zeitpunkt in Hiroshima gegeben hat.

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Das Kinderdenkmal mit bunten Kranichen. Begonnen wurde es von der an Leukämie gestorbenen Sadako Sasaki, die gemäß einer alten japanischen Legende geglaubt hat, dass sie geheilt werden könnte, wenn sie 1000 Papierkraniche faltet. Ein Kasten ist immer offen, so dass immer weiter Papierkraniche hinzugefügt werden können.


Eine Regenpause "gönnte" mir dann das Peace Memorial Museum, dem wohl stillsten Museum auf dieser Erde. Hätten nicht alle unweigerlich mit ihren Regenschirm-Tüten geraschelt, hätte man in dem Haus überhaupt nichts gehört. Ausgestellt war die Geschichte von Hiroshima, das ursprünglich als Militärbasis bekannt war, sowie die Gründe für den Atombombenabwurf und natürlich die Auswirkungen auf die Stadt. Ein zentraler Punkt ist die Forderung nach der Einstellung der Atomwaffenproduktion und genereller Abrüstung.
links: Unter der nachgebildeten Kuppel sind alle Briefe der Bürgermeister von Hiroshima ausgestellt, die Amerika und das Einstellen von Atom-Waffentest bitten.
rechts: Hiroshima im Regen und das Eingangsschild zur Okonomiyaki-Mura. Das ist ein Bezirk, in dem es sehr viele Okonomiyaki-Läden gibt. Das ist eine Art Omlett mit Allerlei Zeugs drin, bei Hiroshima-Style wird aber nicht durchgemischt, sondern schichtweise aufgetragen und gebraten.


Um den Regen für längere Zeit zu entkommen, beschloss ich, am Nachmittag noch ins 40km entfernte Iwakuni zu fahren, wo es die Kintaikyo zu bestaunen gibt. Das ist eine 200 m lange Brücke, die ohne einen einzigen Nagel erbaut worden sein soll. Leider fegte mich der Wind da fast wieder runter, so dass ich den Spaziergang hoch zu den Tempeln von Iwakuni nicht mehr geschafft habe, was schade ist, weil ich gerade die Geschichte der Zen-Sekte erforsche und Iwakuni in der Meiji-Zeit wichtig war. :(

Allerdings hatte ich damit eher Glück denn Pech, weil: Ab 20:00 Uhr hat die JR (Japan Railways) den Zugbetrieb kurzerhand wegen herannahendem Taifun Nr.12 eingestellt. ö_ö Ahja, deswegen hat es so geweht - klang logisch, als ich 20:00 Uhr in der Lobby des Hostels stand und davon erfuhr. Der Taifun hat uns die Nacht dann auch nicht vergessen lassen, dass es ihn gibt. Mein Hostel stand direkt am Hafen und es zog und pfiff um das Haus, es war der Wahnsinn. Wir haben uns den Abend aber trotzdem nicht verderben lassen. Wir, dass waren die wenigen Gäste des Hostels und v.a. Shinji, der leider nur am ersten Tag Dienst hatte. Die verliehen dem Haus Leben. Da waren Matt und Maik, Engländer, die für 3 Wochen in Japan waren und alle zum Jenga-spielen animiert haben.


Da war meine Zimmernachbarin, die ich an allen drei Tagen, die ich dort war, immer nur im Bett liegend mit ihrem IPad angetroffen hatte. Und dass, obwohl sie bereits 40+ ist und schon lange im Dormitory-Raum des Hostels wohnt, weil sie wegen ihrer alten Mutter kein Auslandsstudium machen kann und Ausländer kennen lernen bzw. ihr Englisch verbessern will. Unten im gemeinsam genutzten Raum war sie aber kein einzige Mal. Und da waren Chie und Saki, die ganz untypisch forsch waren und Alkohol für alle gekauft haben, um sich in die Runde setzen zu können. Mit denen habe ich einen schönen Abend verbracht. :D

Weniger schön für die anderen war die Nachricht, dass sie momentan gestrandet waren. JR würde den Betrieb am 3. September nicht aufnehmen und die Shinkansen fuhren auch nicht. Ich hatte mehr Glück - ich fuhr einfach mit der Privatbahn nach Hiroshima, um mir die Burg anzuschauen. Ich hatte befürchtet, ich müsste wieder der Sintflut trotzden, aber der Sturm hatte sich komplett aus dem Gebiet verzogen - ich hab' den ganzen Tag umsonst meinen Schirm mitgeschleppt.

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Das moderne Hiroshima: Mit Straßenbahn!

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Eingang zur Burganlage

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Die Burg von Hiroshima. Man sagt immer, Burgen in Japan sähen alle gleich aus, aber ich finde, sie ähneln sich auch nich' mehr als die Burgen in Europa, die halt auch alle aus Stein sind und'n Türmchen haben.



Zum Abschluss gab's noch einen gemütlichen Spaziergang bei Sonnenschein im Shukkei-en, einem wunderschön angelegten japanischen Garten.



Am letzten Tag in der Gegend, dem 3. September 2011, stand Miyajima an! Das Warten hatte sich gelohnt - es war ein wunderbarer Tag zum Wandern und Baden! :D Miyajima bedeutet vor allem eins: Tsukushima-Schrein, d.h. großes rotes Torii im Wasser. Das von den Japan-Plakaten und Japan-Werbungen im Reisecenter. Hat garantiert ein jeder schon'mal gesehen. Aber da der Schrein im Wasser stehen soll und ihn bei Ebbe zu fotografieren daher einfach mal uncool ist, bin ich zunächst den Misen-san hochgekraxelt. Ok, so hoch ist der nich', aber bei 80% Luftfeuchte bei 30°C überlegt sich der besonnene Tourist beim nächsten Mal dann doch zweimal, ob die 1000 Yen für die Seilbahn nicht doch gut angelegt sind. X_X Oben angehechelt, ist der sich bietende Blick ist alle mal schön genug, um die gefühlte Stunde, die man braucht, um wieder zu Kräften zu kommen, voll auszufüllen. ;)

Sicht auf das Setonaikai Binnenmeer und das ZIEL!


Seht ihr den kleinen Menschen unten am Bildrand? So, jetzt wisst ihr, wie riesig diese Feldformationen sind!


Schreinchen ganz oben und noch mehr Felsen. *-*

Ursprünglich gab' es auf Miyajima 6 Heilige Orte, allerdings waren 3 davon Bäume, die heute nicht mehr stehen. Ein weitere ist das Feuer, das angeblich noch nie verloschen ist, seit Kobo Daishi es angezündet hat, aber irgendwie hab' ich das nicht gefunden. Und ein anderes ist ein Fels, in dessen Seite sich eine kleine Mulde geformt hat, wirklich mitten im Feld und ganz klein. In der Mulde ist immer Wasser und angeblich hebt oder senkt sich der Wasserspiegel mit den Gezeiten. Leider hatte ich nun nicht die Zeit, dem näher auf den Grund zu gehen.^^°

Wegegottheit, der mit Steinen gehuldigt wird. Da haben schon viele vor mir drum gebeten, dass der Weg bald geschafft ist, denn es gab keine Steine mehr, die man noch hätte darbieten können.

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Meine Knie sprachen sich eindeutig gegen den Rückweg füsslicherseits aus.

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Unten angekommen, ging es dann zum Ikutsushima-Schrein (sprich das mal einer aus @_@), der jetzt malerisch geflutet im Meer stand.


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Es gab auch gerade eine Zeremonie zu bewundern. Einmal mehr habe ich mich darüber gewundert, dass auch junge Leute sich heutzutage noch dazu überreden lassen. Immerhin soll das Ganze ja nicht so billig sein.

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Ältere Teile der Anlage

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Zur Mittagsessenzeit saßen alle an diesem kleinen Kanal und haben die Füße ins Wasser gehalten. Hab' ich mir gespart, denn ich hatte was viel bessres vor: Strand, ich kooooommeeee! :D

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Der Weg dahin führte mich durch japanische Hinterhöfe und am Reisenöffel vorbei. Miyajima ist für Holzkunst- und Handwerk bekannt. Der Riesenreislöffel geht außerdem auf ein Wortspiel zurück: Das Austeilen von Reis aus dem Kochtopf heißt „meshitoru“, was mit anderen Zeichen geschrieben auch „einen Feind besiegen“ heißen kann. Und schwupps - haben wir ein neues Glückssymbol, das Souvenirtehnisch auch super vermarktet werden kann. ;)


Am Strand angekommen, hatte ich ihn auch fast für mich, denn er ist zugegebenermaßen einen 40 minütigen Fußmarsch von der Hauptattraktion der Insel - dem Torii +Schrein - entfernt. Jedenfalls war das mein erstes Sonnen- & Meerbaden in diesem verdammt heißen Sommer und es hat sich 100% gelohnt! :D

Auf dem Rückweg habe ich dann als allerman erheiternde Touristenattraktion gedieht. T_T Ich wurde von einem Reh vrfolgt. O_ö Genauso wie in Nara, schwarwenzeln die Viecher frech hinter allem und jeden her, der/die/das lecker und fressbar aussieht. Ich hatte zugegebenermaßen den Fehler gemacht, mir ein Eis zu gönnen, und schon war so' Reh spitz drauf. Das hab ich allerdings erst gemekrt, als dessen Nase quasi schon in meinem Eis hing. Wildes Fuchteln hat nichts genutzt, Flucht war angesagt! Ich wollte ja sowieso noch einmal zum Schrein. Kein Problem für den Vierbeiner, das dumme Vieh hat nicht abgelassen, bis es endlich den Rest der Eistüte bekam. Ob das als adequates Rehfutter gilt? Naja, aber damit nicht genug. Das dumme Rehauge hat nämlich gesehen, dass ich noch das Papier vom Eis in der Hand hatte und meinte, das auch noch haben zu müssen. Bitte sehr... ö_ö Zum Glück wurde das Viecht dann endlich von zwei Kindern umlagert, die es lange genug ablenkten, so dass ich mich verdrücken konnte. Die Zuschauer hatten jedenfalls ihren Spaß.

Aber nun zum Höhepunkt des Tages: Tadaaa!


Ihr wisst gar nicht, wie viel Schweiß es gekostet hat, so ein Foto mit meiner Kamera hinzubekommen!


Ich hatte dann noch ein bisschen gewartet, weil das Wasser wohl bei Ebbe so weit weggeht, dass man zum Torii spazieren kann, aber das scheint wohl nicht immer so zu klappen.

Kommentare:

Ypsiloon hat gesagt…

Dein Schweiß hat sich gelohnt, das ist ein absolut unglaiblich tolles Bild geworden. Das würd ich mir glatt als Poster aufhängen.

http://p0ngp0ng.wordpress.com/reon-instruments hat gesagt…

Tolle Bilder und auch ein schöner Reisebericht !
Ich werde auch nächste Woche in Miyajima sein und hab ein paar gute Anregungen bekommen, Danke !