Mittwoch, 6. Juli 2011

Juni

Inzwischen hat es ein ganzer Monat geschafft ins Land zu schleichen, ohne, dass ich Zeit gehabt hätte, zu schreiben. ts, ts, ts..

Ich habe den vorherigen Post um ein paar Bilder bereichert. Wer also z.B. ein Bild von meinen Mitstudierenden sehen will, der klicke --> HIER. <--

Der Juni war ziemlich stressig und ich hatte viel zu tun, deswegen gibt's auch gar nich sooo viel zu berichten.

Am 15. Juni 2011, einem Mittwoch (da hab' ich keinen Unterricht) hat das Gemeindezentrum Mita no Ie beschlossen, einen Kochabend zu veranstalten. Da es im Zentrum selbst aber zu wenig Platz gibt, wurde kurzerhand ein kleines Lokal in Akasaka mit benutzbarer Küche gemietet und eine ganze Horde Shakaijin (arbeitende Wesen) eingeladen, sowie ausländische Studenten. Das versprach interessant zu werden, also sind Nancy und ich da hin. Es wurde eine Art egyptisches Curry gemacht und wir konnten uns mit den Leuten über Land und Leute und natürlich Arbeit in Japan unterhalten. Ich muss sagen, je häufiger ich im Mita no Ie bin, desto mehr wird klar, dass sich Japaner durchaus auch ihre Freiheiten nehmen. Auch wenn eine der Eingeladenen meinte, es sei gute 10 Jahre her, dass sie bei einem Treffen war, wo sie nicht die Mehrzahl der Leute vorher schon kannte. Es war jedenfalls eine bunte Mischung aus Normalverdienern und Bessersituierten, was das Ganze ziemlich interessant machte.

Ansonsten hab' ich es im Juni geschafft, ein paar alte Freunde und Bekannte zu treffen, so wie Linda und Tatsuya vom Gasshuku von vor 3 und 2 Jahren. :) Außerdem sind wir Hallenser auch öfter mit den neuen Doppelmaster-Studis Mittagessen gewesen.

Am 18. Juni "durfte" unser Kurs seine Forschungsergebnisse vorstellen, da unser Professor aus Halle angereist war. Wir haben uns gut geschlagen, dass kann ich mal äußrst selbstkritisch an dieser Stelle behaupten ;P, und wurden mit einer Runde Izakaya von unseren Professoren belohnt. :D

Danach kam auch schon das Highlight des Monats (22. Juni 2011): CATS! Aw, das war so toll! *schnurr* In Yokohama steht die Musical-Halle, in der nur Cats gespielt wird. Die Halle ist nicht so groß, so dass wir auch von den hintersten Plätzen gut sehen konnten. Das Musical ist ja an sich schon sher verspielt, aber die rotierbare Bühne und die Bühnenausstattung erlaubten es den Schauspielern, bei den Songs von allen Seiten angerannt zu kommen, zum Publikum zu gehen etc., das war schon cool. Am Ende kamen alle und haben den Zuschauern die Hände geschüttelt.


Kurze Werbung für das Musical

Wir sind mit Yurie hingegangen und danach noch beim Chinesen Essen gewesen. Da wollte man echt kaum nach Hause, zumal es der erste richtig richtig schöne warme Tag war, an dem es nicht so unerträglich schwül war.

Die nächten zwei Wochen habe ich verzweifelt versucht, einen 8000 Zeichen langen Aufsatz auf japanisch zu fabrizieren (10 PC-Seiten), was wohl auch der Grund war, aus dem der Juni eigentlich nur gefühlte 5 Tage lang gewesen sein konnte. Kaum war ich mit dem Elend fertig, stand auch schon der JLPT (Japanisch-Prüfug für Ausländer) an...

..weswegen ich mir am Tag zuvor erstmal einen freien Tag gegönnt habe. Ich war am Freitag zuvor (24. Juni 2011) mit Kommilitonin Jacqueline (die auf ihr 'J' und das 'c' vor dem 'q' viel Wert legt. =D) spazieren gehen, weil ich kurzerhand meinen absolut sinnlosen Kanji-Unterricht geschmissen hab. An dem Tag sind wir zum Tokyo Tower spaziert und haben uns den Zojoji-Schrein angeschaut, als uns ein Ausstellungsplakat entgegenlachte. In besagte Ausstellung sind wir dann also am 2. Juli (Samstag) auch gegangen. Es waren Schätze des Zojoji ausgestellt, nämlich "The Five Hundred Arhats" von Kano Kazunobu aus dem 19. Jh. Wir haben zwar nicht 500, sondern 100 Bildrollen gesehen, aber das war mehr als genug. Mehrere Zyklen stellten das alltägliche Leben & die Lehre der Arhats, buddhistische Himmel & Hölle, geographische Vorstellungen, Land und Leute in einem unglaublichen Detailreichtum dar. Der ab und an sichtbare Versuch, westliche Kunstformen, wie z.B. Schattengebung, einzubeziehen, war wirklich sehenswert.

(ADrhat = rel. Titel für einen vollendeten buddh. Heiligen, der vollständig Gier, Hass und Verblendung abgelegt hat und der die 10 Fesseln abgelegt hat. Er wird durch das Erreichen des Nirvana nicht mehr wiedergeboren. Sanskrit für „Der/Die Würdige“)

Tja, war auch besser, dass ich den Tag voll genutzt habe, sonst hätte ich mich im Nachhinein geärgert. Der JLPT war eigentlich immer ein ziemlich einfacher Test, im Sinne von: lerne das ganze Übungsbuch auswenig und du wirst bestehen. Aber inzwischen sind selbst die Japaner auf den Trichter gekommen, dass man damit die echten Japanisch-Kenntnisse eher weniger gut prüfen kann. Seit letztem Jahr haben sie den Test einfach gemeiner gemacht. Aber von vorn: Erstmal wurden wir, vorbildlich durch Schilder haltende Männchen geleitet, durch halb Yokohama die Hügel hinauf geschickt. Bei ca. 33°C ohne Wolken ein Garant für anschließende Leistungsfähigkeit, keine Frage. Angekommen wurden wir minütlich mit Hinweisen vollgelabert, die alle vorbildlich vom Zettel abgelesen werden mussten. Stimmt unsere Püfungsnummer? Sitzen wir am richtigen Platz? Sind nur Bleistift und Radiergrummi draußen? Ist der Radiergummi ohne Hülle? Bleistiftminen-Packungen dürfen nicht auf dem Tisch liegen! Taschentücher auch nicht! Sitzen wir am richtigen Platz? Sitzen wir WIRKLICH am richtigen Platz? Man solle vorher auf Toilette gehen. Wer nicht auf dem richtigen Platz sitzt, möge die Hand heben = Psychoterror!!

Und dann kam der Test. -.- Vokabeln = Was ist das? Grammatik = Was IST das? Leseverständnis = Was wollt ihr von mir?? Ehh... Naja, Vokabeln sind von jeher mein Schwachpunkt, aber Grammatik war wirklich oberfies. Es waren weniger richtig/falsch Fragen, sonder viel mehr: Wenn du Japaner wärst, wie würdest du es ausdrücken müssen? (Vorbedingung 1: Denk nicht daran, dass das je nach Situation anders lösbar wäre / Vorbedingung 2: Denk überhaupt nicht daran, dass es im Leben "Sitationen" gibt / Vorbedingung 3: Den Fall, dass Japaner sich dabei nicht einig sein könnten, denken wir uns jetzt mal weg / Vorbedingung 4. Lass das Denken einfach sein...)... himmlisch. Leider fehlten mir für die Fragen dann doch die Schlitzaugen. Und Leseverständnis wartete mit einer Reihe hochphilosophischer Texte nach dem Sinn des Seins und des Lebens allgemein auf und sollte dann zusammengefasst werden a la: Der Autor des Textes drückt aus, dass a) .............. oder b)....... . Ja Moment mal, sprechen tut er jetzt eignetlich von beidem...aber war die Hauptaussage nicht was ganz Anderes? Ö_ö. Naja, auf das Ergebnis bin ich jedenfalls gespannt.

Auf das eher ernüchternde Erlebnis folgte ein weiterer Ausstellungsbesuch, weil Lena kostenlos Karten bekommen hatte. Sagen wir: Modern + französisch. Jajaja...hm..(vor dem Neger-Michellinmänchen aus Plaste) Jaja.. Äh..ja. (vor der Kloschüssel)...öh..? (vor dem Videofilm mit..öh Wolken oder so). Aber da es so schrekclich modern und gar nicht ehrbietig war, fühlten wir uns leicht ungebremmst und haben die Austellung durch Interpretationen diverser Werke bereichert. Könnte dem einem oder anderem Mitbesucher einen Zacken zu lebhaft hergegangen sein, aber... :D So wars dann wenigstens noch lustig.

Und was mache ich jetzt: Zerfließen! Seit 2-3 Wochen ist es in einem fort unerträglich heiß und es gibt nichts, dass man dagegen tun könnte! Weder Wind noch gelegentliche Regenschauer kühlen auch nur ein bisschen und in meinem Zimmer staut sich die Wärme unerträglich. Das war beim letzten Mal besser, als ich im Erdgeschoss gewohnt habe, da ging das irgendwie, aber zwei Stockwärke höher ist es einfach nur zum flüchten. Und genau das werd' ich jetzt auch tun: Raus nach Tamagawa mit den Büchern unterm Arm und dann macht Wissenschaft doch auch wieder Spaß! :D

1 Kommentar:

KissMeGoodBye hat gesagt…

Ich fühle total mit euch, was den JLPT angeht. Mir erging es genauso. Ich hab mir dann gedacht: eigentlich hättest du auch nicht lernen müssen. Naja, vielleicht besteht ihr ja trotz allem. Ich drück euch mal die Daumen ^__^//

Liebe Grüße
Tina