Zunächst hatte ich von meiner Lehrerin davon erfahren ("Ah, du fährst nach Shimane! Dann gehst du bestimmt ins Adachi-Kunstmuseum." – Öh, jein?), aber Google behauptete, vom Bahnhof müsse man acht Stunden laufen. Daher abgewählt. Aber dann schaute ich mir die Sache näher an und siehe da, der Bahnhof lag eh auf meiner Trasse und das Museum stellt einen kostenlosen Shuttlebus-Service bereit. Na bitte. Ist die Gugl doch nicht allwissend.
Die Sitzplatzreservierung für die Expresse hat man früher am Schalter gemacht, aber wie überall gibt es immer weniger davon. Es war auch nicht so einfach zu verstehen, dass mein Ticket (Pass genannt, 7 Tage gültig) hier plötzlich ein "Coupon" war und das ist das Papierticket in den Automaten schieben muss, damit das zusätzliche Sitzplatzticket ausgestellt werden konnte, aber ich hab's geschafft. Hätte ich das nicht, hätte ich auch über den Automaten mit der Zentrale telefonieren können.
Hat der Typ vor mir gemacht. Da gibt man seine Wünsche durch wie am Schalter und dann drückt der Mensch am anderen Ende der Leitung wohl die richtigen Köpfe und es erscheint auf dem Bildschirm das entsprechende Ticket mit der Reservierung usw. Dann bezahlt man und fertig.
Jedenfalls habe ich mich brav an den richtigen Aufkleber am Bahnsteig gestellt und schon rauschte ich mit dem Yakumo-Zug Richtung Yasugi.
Dort angekommen war alles wie auf dem Silbertablett präsentiert. Die Touristeninfo nimmt die Koffer, hält sogar netterweise den Bus noch an und 20 Minuten Reisfelder später findet man sich in der Mitte vom Nirgendwo wieder.
Das Museum ist umzingelt von einer Oase Souvenirläden und das war's an dem Ort dann auch. Aber da es nun mal die Heimat des reichen Herrn Adachi war, steht das Museum hier.
Das Konzept integriert Haus und Garten (zum 22.x zum Schönsten Garten gekürt von Japans Gartenjournal), wobei man den Garten v.a. durch das Fenster genießen kann.
So ein blank geputzter Garten aus der Ferne wirkt doch irgendwie steril. Ich war mehr von den blitzblank geputzt Fenstern beeindruckt, die eine ungetrübte Sicht ermöglichten.
Das hier ist die "Lebende Bildrolle". Anstatt einer echten Bildrolle, wie sie traditionellerweise neben dem Altar hängt, gibt es ein Fenster, das den Garten (und das Besuchergewusel) zeigt.
Im Museum selbst gibt es verschiedene Roäume mit kleinen Ausstellungen, momentan zu Lackwaren (immer wieder toll), Kinderbuchillustratoren (sehr schön) und im wesentlichen Nihonga-Maler um Yokoyama Taikan.
Yokoyama war ein japanischer Maler der Jahrhundertwende und einer ersten, der sich mit der Entwicklung eines modernen "japanischen Stils" – Nihonga – befasste. Wie Wikipedia weiß, entwickelte Taikan (mit anderen), beeinflusst von z.B. europäischer Ölmalerei, einen Stil der weniger von den üblichen klaren Konturen und mehr von verschwommene Umrissen geprägt war.
Eine Zusatzausstellung zeigte neue Künstler*innen. Im Gegensatz zu dem, was ich in Deutschland als moderne Kunst ausgestellt sehe, waren es viele figürliche Bilder.
Da ich am Ende noch Zeit bis zum Bus hatte, wanderte ich noch bisschen ins Land.
Dann fand ich auch noch das Café Samurai, ganz modern, wo die Besitzerin sich bemühte, was für's Dorf zu tun. Kalligraphie- und Bastelkurse, Lesungen, Mittagessen und Kaffee. Die namensgebende Rüstung hatte sie selbst für ein Festival gebastelt. Man kann nur Gutes gelingen wünschen.
Komische Gaccha-Figuren des Tages: Winner-Wiener.
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