Sonntag, 17. Mai 2009

Asakusa Sanja!

Achje, im letzten Post hat's mir ja mächtig die großen und kleinen und sowieso alle Buchstaben verdreht...^^° Sorry. Hab' jetzt ein Rechtsschreibprüfungs-Add-on für Firefoxi runtergeladen..hilft vielleicht etwas.


Am Mittwoch, dem 13. Mai 2009, hab' ich mir mal eine japanische Mittelschule von innen angesehen. Yuichi, ein Freund aus dem Kunstkurs im letzten Semester, hat mich gefragt, ob ich nicht Zeit und Lust hätte, seine Freunde bei einem Englisch-Projekt zu unterstützen. Es ging darum, mit Mittelschülern spielerisch Englisch zu üben, weil die Kinderchen natürlich kaum die Möglichkeit haben, Englisch auch mal anzuwenden.

Also bin ich 14.00 in Oshiage gewesen, wo ich mich mit den anderen getroffen habe. Mit dabei waren neben den Englisch-Seminar-Leuten auf Yoyo aus China und Mario aus Spanien, der übrigens auch Austauschstudent an der Keio ist und ziemlich weit rumzukommen scheint. Ich hab' ihn auf einen der Nomikai-Bilder in Stefans Blog entdeckt...Stichpunkt: Tokyo ist ein Dorf.

Japanische Mittelschulen sehen so aus wie alle anderen Schulen, die man so kennt. Es sieht wirklich so aus wie im Drama: schmaler Gang, Klassenzimmer eins nach dem anderen. Achja, ein Unterschied ist, dass Japaner generell Einzelsitzplätze haben, keine Doppelbänke, wie wir. Und der Raum, in dem wir waren, war technisch voll ausgerüstet. Japaner lernen ab der Mittelschule Englisch, was der 7. Klasse entspricht und arg spät ist. Dementsprechend wenig konnten unsere Schülerchen.

Achja, Japaner sind wirklich Japaner. In einer Schule wird einem das besonders klar. Ich hab' noch nie so schüchterne (dabei natürlich untereinander beständig kichernde), die Jungs vorschiebende Mädchen und so schüchterne Jungs gesehen. Das Verhalten war wirklich sehr typisch.

Die Aufgabe war, dass die Ausländer einen Tierlaut vorstellen sollten, und die Kinder mussten Fragen stellen a la "Wer bin ich?". Wenn sie glaubten, zu wissen, um welches Tier es sich handelt, sollten sie es mit Lego bauen. Da sind echte Kunstwerke draus geworden, besonders der Elefant war klasse.^^ schade, dass mein Bild leider so verdammt unscharf geworden ist.. ;_; Naja, jedenfalls waren die Sprech- und Verstehkünste der Kinder wirklich minimal.

Auf dem Nachhauseweg hab' ich leider Kopfschmerzen bekommen, die gar nicht wieder weg sollten und so hab' ich mich zur Fier des Tages gegen 22.00 Uhr ins Bett verkrümelt.

Dementsprechend wunderbar ging es mir dann am Donnerstag - ich habe lange nicht mehr so viel geschlafen. Und nachdem ich mich nach dem Unterricht an mein Buch machen konnte - die Keio-Bibliothek hat auch Fantasy-Bücher^^ - gab's wirklich nix zu meckern.

Am Freitag, dem 15. Mai, bin ich dann zu meiner Vorlesung zur Lit. des MA.s gestiefelt. Ödipus stand auf dem Plan, soweit ich das verstanden habe, um nachzuvollziehen, warum der Sohn im Hildebrant-Lied sterben musste und nicht der Vater. Hat was mit einem Tabu des Vatermordes zu tun, das wohl halt ganz ganz weit zurückgeht. So irgendwie hab' ich das verstanden. Jedenfalls haben wir einen Ausschnitt aus einer Theateraufführung gesehen. Das war schon irgendwie lustig: Die Schauspieler natürlich Japaner, in Gewänder gekleidet, die mich doch eher an Kimono denn Toga erinnern, die auf Japanisch Ödipus aufführen..^^

Danach hab' ich kurzerhand die Nibelungen und Kanji aussfallen lassen, um mit Yael, Sandra+Freund, Jolie und Sally nach Asakusa zu gehen, denn dort fand dieses Wochenende das Asakusa Sanja Matsuri statt.

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l.: Die große Laterne musste hochgeklappt werden, damit die Schreine durchs Tor getragen werden konnten.
r.: Asakusas Geschäfte


Das Kind sollt eindeutig einen Schwan darstellen. Der Hut endet in einem Schwanenkopf und auf dem Rücken hat sie eine Art Feder angebracht - Warum, weiß ich nicht.

Warum das alles veranstaltet wird, weiß ich gar nicht so richtig, im Mittelpunkt des Festes stehen jedenfalls die O-mikoshi, die Schreine für die Kami (Götter). Asakusa ist ein Stadtteil von Tokyo, welcher wie alle anderen auch wiederum in Unterstadtteile und Straßenzüge und schlussendlich Nachbarschaften gegliedert ist. Und jede dieser Nachbarschaften, die es sich leisten kann, hat irgendwo einen Schrein und einen tragbaren Schrein für irgendeinen Kami. Und zum Asakusa-Sanja wird dieser tragbare Schrein, in dem sich natürlich die Gottheit befindet, durch die Straßen des Viertels und zum Hauptschrein Asakusas, dem Sensouji (eigentlich Asakusa-Tempel, es handelt sich bloß um eine alternative Lesung der Kanji) getragen. Mit dem Ergebnis, dass am Freitag, Sa und Sonntag (laut Website) hunderte von Schreinen durch die Straßen getragen wurden, und das mussten wir uns natürlich anschauen!

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Touristen-Klimbim und Fächer-shop

Zur Feier des Tages gibt es natürlich wieder die üblichen Matsuri (Fest)-Fressbuden, die der Reihe nach durchprobiert werden mussten, sowie Umzüge von Geishas und Trommlern und was-weiß-ich nicht noch alles.

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Ein weißer Keks in Fischform, in dem Mochi und Kastado ('ne Art Creme) drin waren & wir haben zugeschaut, wie Baiser-ähnliche Teile gemacht wurden.

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Wir beim Essen: Yael, Sally, Jolie, ? & eine Taiko-Trommel

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Asakusas Straßen, rechts: Die Garagen, in denen die portablen Schreine normalerweise stehen, wurden festlich mit Lampions geschmückt und dienten den Trägern und Helfern an Erholungsstätten.

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Ein kleines Theater und ein Geschäft mit Fuurin (Windspiel)

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Die traditionelle Kleidung der Männer und der Frauen zu Festen.^^ Naja, es gab auch viele Männer, die lange oder kurze Hosen bzw. Leggings drunter hatten...oder halt nur die Unterwäsche..

Am Samstag war ich noch einmal da. Wir, Katrin, Nancy und ich, hatten echt Glück, weil wir gerade in der ersten Reihe landeten, als der Umzug am Tempel ankam. Außerdem standen wir ein Stück von einer Kurve, was uns interessante Einblicke in die Nöte eines O-Mikoshi-Trägers bescherte. Da der portable Schrein viele Glocken hat und diese klingen müssen, um von den Göttern gehört zu werden, tragen die Träger den Schrein nicht bloß, sondern sie müssen sich hüpfend auf und ab bewegen, um die Glocken eben zum klingen zu bringen. Nun ist so ein Schrein auf einem Stangengerüst angebracht: 3 längs und 3 quer. Es sind bestimmt bis zu 30 Mann unter so einem großen Schrein.

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Jede Nachbarschaft hat ein bisschen eine andere Farbe und andere Muster

Aber das ist nicht alles: Als erstes kommt ein Mann im Kimono, der eine Fahne aus gefalteten weißen Papierstreifen trägt. Seine Aufgabe ist es, das Tempo zu geben und anzuzeigen, wenn abgebogen werden muss. Dann kommt der Schrein. Aber vor den Trägern stehen an jeder Stande zwei Mann, die sich zum Schrein gerichtet (also rückwärts) bewegen und quasi als Bremsen funktionieren - sie müssen sich gegen die Stangen stemmen, wenn die Prozession langsamer werden soll. An den Seiten wird der Schrein von einer Menschenmenge begleitet, die zum einen Austauschträger sind, klatschend und rufend anfeuern und zum anderen den Schrein in die richtige Richtung dirigieren müssen. Die Träger selbst, eingequetscht wie manche da sind, laufen einfach nur blind. Und weil sie die ganze Zeit so hüpfen müssen, schwankten die großen Schreine schon mal gute 2 Meter nach links oder rechts, wenn die in der Kurve, an der wir standen, langsamer werden mussten oder gar anhalten sollten. Dann musste sich die ganze Begleitmannschaft gegen die Träger stemmen, um diese an ihrem Platz zu halten, bis der Weg wieder frei war.

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l.: die Kinderschreine durften abgestellt werden, wenn sie in der Kurve warten mussten.
r.: Die großen jedoch nicht deswegen müssen die Stopper den Schrein auf seinem Platz halten, während die Träger am Platz hüpfen, um die Glocken klingen zu lassen.

Man darf nicht vergessen, dass natürlich alles voller Stände und Menschen war, und jeder so nah am Schrein sein wollte wie möglich, so dass trotz der Absperrbänder der Polizisten immer wieder der Weg zugestopft war. So ein Schrein hat jedenfalls ganz schön Dynamik, denn einmal wollten die Träger gerade die Kurve nehmen, da stellten sie vorne wohl fest, dass noch kein Platz ist und plötzlich kam der Schrein in einem Schwung wieder zurück, dass alles Aufschrie, weil man Angst hatte musste, die Träger würden stürzen. (Abgesehen davon, dass die Leute an der Seite die Träger nur wenige Zentimeter vor meiner und Katrins Nase zurückdrängen konnten.) Der Schrein brauchte drei Anläufe, umk endlich die Kurve zu kriegen. ;) Richtig kuschlig wurde es auch immer dann, wenn erst kleine, von Kindern getragene Kinderschreine kamen, so dass alle Zuschauer wieder nach vorn drängten, dann aber ein großer Schrein mit viel Mannschaft, bei dem alle Zuschauer wieder zurückgedrängt wurden.

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Es wird oft gesagt, dass bei solchen Festen kaum noch junge Leute mitmachen würden, aber in letzter Zeit soll sich das geändert haben. Naja, Asakusa Sanja ist jedenfalls eines der größten Feste in Asakusa, so dass hier alte und junge Männer und Freuen beteiligt waren.

Jedenfalls konnte man den Schreinen gar nicht entkommen, als wir zu Katrin nach Hause wollten, mussten wir in allen Straßen irgendwelchen Schreinen hinterher schleichen, weil alles voll war.

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Trommler begleiten den Zug

Also abschließend kann ich nur sagen, dass es toll war, und das man auf den Fotos nicht wirklich sieht, wie sich die Männer und Frauen da an diesem Schrein 'nen Ast gehoben haben und die viel Energie in dem ganzen drin steckte.

Katrin's Zimmer. Das ist auch so eine hübsche Geschichte. Wenn ihr mal an früüüüüüüüher zurückdenkt - damals, als ihr noch Indianer gespielt habt - wolltet ihr da nicht schon immer Mal so eine kleine gemütliche Höhle oder so ein schnuckeliges kleines Baumhaus ganz für euch allein, indem alle euren zusammengesammelten Schätze gehortet werden konnten? Katrin hat jedenfalls genau das, für den superbilligen Preis von 300 € nochwas. Ja, das ist in Tokyo billige Miete.


Stellt euch ein Haus vor, in dem man erstmal eine 75 cam schmale hochgeht um in einem 75 cm schmalen Gang zu landen, an desen Seiten sich winzige Tprchen befinden, die in Pappwände eingelasen sind. Jetzt macht ihr so ein Tprchenauf und schaut in ein ca. 4 m2 kleines Zimmer - naja, richtig reinschauen könnt ihr nicht, denn a. ist es aufgrund Fenstermangels stockfinster, und b. befindet sich in Höhe eures Gesichts ein eingezogener Boden, zu dem einer Leiter zu eurer Rechten hochführt. Sprich: oben schläft man (diagonal schafft man's evtl. mit 1,70 oder so..), unten kann man zwar nicht gerade stehen, aber immerhin ohne Rückenkrümmung auf einem Stühlchen vor einem Tischchen (passt ein Laptop und ein A5 Heft daneben) sitzen.

Im Bild oben seht ihr: links das holzfarbene Etwas ist die Leiter, rechts der Türrahmen, dahinter sieht ein Stück vom Tisch. Das weiße oben ist der Futon, der ein bisschen überhängt und die Kleider sind an der Wand aufgehängt, da ist schon Schluss. Immerhin, der mensch kann 2 Schritte machen.



Dahinter ist noch "Platz", um irgendetwas mit seinen Klamotten zu veranstalten, die ja auch noch dahin müssen. Und voila, wenn ihr euch das alles vorstellt, seht ihr das größte Zimmer dieses Wohnheims vor euch, denn der ganze Rest hat wohl nur den Raum ohne den eingezogenen Boden - sprich: Wo die Klamotten hinkommen, weiß ich nicht, denn der Platz muss dann für den Futon draufgehen, bzw. noch besser nur den Boden, ohne das "Zimmer drunter", denn da ist bloß eine Wand. Sprich: Wenn man reinkommt hat man eine Wand mit einer Leiter vor sich, die auf den 1 m hohen Boden führen, wo man Platz für seinen Futon hat und noch ein kleines Absätzchen, wo irgendwie Sachen hinpassen sollen. Im Übrigen soll es in diesem Wohnheim Leute geben, die schon über ein halbes Jahr dort leben bzw. einen, der wohl nie aus seinem Zimmer kommt und ganztägig dort vor sich hinvegetiert.

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Nancy fotograhfiert Katrin beim Riesen-Hamburger-essen

Ich liebe Hiyoshi und Shimoda, kann ich da nur sagen. Achja, die Schätze sind deswegen aufgrund Platzmangels in der Küche verstaut. Diese sieht aus wie..hm..es als eine Sitzbank und die Tische und Stühle grenzen quasi den Raum ab, und dahinter beginnt die Garage oder so, jedenfalls ist alles bit Brettern, Kartons, alten Bildschirmen und vielem mehr zugekramst. Also wie gesagt, das sieht alles schrecklich gemütlich aus - wäre da nur nicht das Problem, dass es nicht das WE-Haus, sondern die permanente Bleibe sein soll und dass auch in der Küche bloß so eine Art Milchglas-Fenster gibt, die trotz strahlendem Sonnenschein kein Licht in die Bude lassen.


Nach einem kleinen Mittagessen/Kaffeetrinken haben wir uns noch eine kurze Ninja-Vorstellung angeschaut und dann bin ich müde nach Hause geschlichen.

Kommentare:

kokke hat gesagt…

Mal abgesehen, davon dass Rechtschreibprogramme nur falsch geschriebene und nicht verkehrte Wörter korrigieren (z.B. wenn du statt "auf" "aus" schreibst), solltest du dir echt noch ein Rechtschreibprogramm zulegen, auch wenn in diesem Eintrag deutlich weniger Fehler eingebaut sind.
Übrigens: Ich bin voll stolz auf dich, dass du jetzt doch öfters schreibst. :) Es war wie immer sehr interessant. Ich hätte so gerne auch die Prozession gesehen. T.T

Lg

Anonym hat gesagt…

Wauh~ Hut ab an Katrin. In solch einen Zimmer zuwohnen, denn Leben kann man das sicher nicht nennen.
Ohnen die Zwischendecke, könnte ich gerade im Stehen schlafen, denn selbst diagonal würde des nix werden. Wenn ich da so an Erik denke, ....der müsste wahrscheinlich noch im Stehen den Kopf einziehen.
Is schon krass. Kommt da überhaupt Lernfeeling auf?

lg Josi~

xfranczeskax hat gesagt…

@Elisabeth: Naja, die Rs ist mir inzwischen schnurz, weil ich keine zeit habe.^^ Aber man soll den guten Willen sehen. *lol*
@Josi: Katrin meint, sie könne dort leben... Lernen tut sie auf dem Tag. Wie das im Winter ging weiß ich nicht...