Samstag, 19. September 2026

"Klein-Kyoto" Hida-Takayama

Nach Kyoto ging es dann in großem Bogen zurück nach Tokyo, aber nicht ohne vorher Station in der Nähe von Kanazawa zu machen, wo ich bei Freunden bleiben konnte. 
Die haben für mich lieberweise auch einen Ausflug organisiert, und zwar ins überraschend überlaufene Hida-Takayama. Die Stadt wurde Ende des 16. Jahrhunderts im Zuge der Bemühungen, Japan zu einen, auf Befehl Toyotomi Hideyoshis von der Fürstenfamilie Kanamori nach dem Vorbild Kyotos als Festungsanlage im Schachbrettmuster ausgebaut.
Karte von Japan mit Takyama von Wikipedia. 

Die Stadt wurde für sein Handwerk bekannt und hundert Jahre später dem Tokugawa-Shogunat unterstellt, was ihr zur Entwicklung zur bedeutenden Handelsstadt verhalf.
Besonders charakteristisch sind die Straßenzüge mit aneinandergereihten Holz-Gitterfenstern (Degoshi) sowie der klare Wasserlauf, der unter den Dachvorsprüngen fließt. Da die Altstadt ganz gut erhalten worden ist, wird die Stadt auchKlein-Kyoto genannt. 
Dafür gibt es im übrigen sogar einen Verband (dem Takayama nicht mehr angehört), dem zeitweise 63 Städte angehörten. 😳 Wer also eine schnuckelige Kleinstadt zum Besuchen sucht, die (laut offiziellen Bedingungen) 1. Kyoto ähneln, 2. lokales Handwerk, und 3. Verbindungen zu Kyoto haben (als knapp 1000-jährige Hauptstadt sehr schwer ;), sollte mal in die Liste gucken.  
Takayama gilt als einer der größten Standorte in Japan für die Herstellung von Sake, da in seinen goldenen Zeiten mehr als 60 Sake-Brauereien existiert haben sollen. Die Reisigkugel über dem Eingang zeigt den Aljoholverkauf an. 
Angeblich sind das kalte Klima im Winter, das Wasser aus den Nordalpen und der lokale „Hida-Homare“-Reis "mit seinen fünf Geschmacksebenen (süß, scharf, sauer und bitter)" der Grund. (Fragt mich nicht nach dieser letzten Info – Angeblich ist Reis nicht gleich Reis. 🤣)
Die Sake-Verkostung hatten wir allerdings nicht gebucht, waren ja Kinder dabei. 
Auf meine Kosten kann ich trotzdem, denn Takayama hat auch ein unglaublich leckeres Pudding- Geschäft. 🤤
Die Skulptur oben rechts stellt übrigens Han Shih-ho (Han Shiho oder Kan Shiwa) dar, einen Meisterbildhauer der Hida-Handwerker. Er steht für die vielen Handwerkmeister, die im ersten japanischen Königreich (7.-11. Jh.) zur Ausbildung nach China und Korea gefahren sind, um die Künste ins aufstrebende Entwicklungsland Japan zurück zu bringen. Die Legende besagt, er sei so kunstfertig gewesen, dass er auf seinem selbstgefertigten Holzkranich fliegen konnte. 
Takayama am Fluß, im Hintergrund schon die japanischen Alpen. Es ist eine wirklich nette kleine Stadt mit vielen Souvenirläden aller und neuer Art (Snoopy!).