Sonntag, 8. Dezember 2013

Nara II: Auf dem Weg zum Kasuga-Taisha

Da das prächtige Herbstlaub garantierte, dass Nara am Wochenende vollkommen überlaufen sein würde, beschloss ich unter der Woche einen Tag Sightseeing einzulegen. Morgens gegen 9.00 Uhr ist in Nara denn auch noch nicht viel los. Auf dem Bild sieht man die Einkaufsstraße, die vom Bahnhof direkt zum Schrein führt. Besonders entlang dieser Straße und der anliegenden Nara-machi (Nara-Altstadt) bemüht man sich darum, Gebäude im traditionellen Baustiel zu erhalten.

 
 Der erste feuerrote Ahorn hatte bereits seine Fotographen-Fans gefunden. Die sind gleich in ganzen Unterrichtskursen angerückt. 
 Das Torii kann natürlich nicht fehlen. Der Abstand des Torii zum Schrein zeigt, wie groß und wichtig ein jeweiliger Schrein ist: Von diesem Torii bis zum Hauptschrein sind es noch gut 15 Minuten Fußweg durch den Park.  In dem es nur so leuchtet.
 Allerdings ist es schwer, die Bäume würdig auf Foto zu bannen, weil ich ja so überhaupt keinen Sinn für Fotografie habe. Zum Glück gibt es da aber Hilfe: Die malenden Zen-Greise und die militanten-Foto-Opas. Erstere Gruppe zeigt eindeutig, welches Motiv sich lohnt, aufs Bild zu bannen. Zielsicher im Bild sitzend, markieren Erstere mit ihrer Anwesenheit immerhin die Highlights im Gelände. 
Aber dafür gibt es ja dann die militanten-Foto-Opas, sie mit Superstativ und Objektiven jeglicher Größe um die Zen-Greise drumherum fotografieren, was das Zeug hält. Da muss man sich nur anschleichen, und versuchen, so gut wie möglich zu imitieren. ;) So habe ich also auch ein paar brauchbare Fotos hinbekommen.

 

 Da habt ihr endlich euer Reh
Abgesehen von Malern und Fotographen gibt es dann noch Hochzeitsreisende (wie im Bild weiter oben) oder auch Gejagte (Bild oben) - sprich die, die so blöd waren, was Essenähnliches vor den Augen der Reh-Viecher auszupacken oder einfach nur vor der bloßen Anwesenheit dieser ungemein gefährlichen Biester das Weite suchten. Na, so kamen die fetten Viecher wenigstens zu etwas Bewegung.

 Der eigentliche Eingang zum Schreingelende wird mit diesen Steinlaternen markiert. Es sind wohl über 1000.

 Wie es sich gehört, sind am Eingang die Opfergaben, traditionell Sake-Fässer, aufgereiht. Bierbrauereiern dürfen wohl aber auch Bierkästen (also Kästen mit vollen Bierflaschen natürlich) abgeben. 



 Endlich ist der Schrein in Sicht! Zielsicher wählte ich die Abzweigung nach links, die natürlich nicht zum Eingang, sondern zum Hintereingang führte.
 Am Schrein wurden auch fleißig Kimono zur Schau getragen. Das "7-5-3"-Fest, bei dem Mädchen von 3 und 7 Jahren und Jungen mit 5 Jahren in Festkleidung zum Schrein gehen, ist eigentlich Anfang November. Aber da es sich dann immer so staut an den größten Schreinen, ziehen es Eltern heutzutage vor, später in November zu gehen, wo nicht mehr so viel los ist.
 Der Kasuga-Schrein, der für seinen Baustil mit Laternen bekannt ist.



 Der Schrein bildete ab dem 12. Jahrhundert eigentlich eine Einheit mit dem buddhistischen Tempel Koufukuji, den ich im vorletzten Eintrag erwähnt habe. Inzwischen ist das nicht mehr so.
 Leider wird das Hauptgebäude des Schreins gerade renoviert. Man hätte sich zwar anstellen können, um trotzdem einen Blick zu erhaschen, aber gerade in dem Moment waren die ersten Schulklassen aus Kyoto gelandet und ich hab's mir geschenkt.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Tenri: Stadt der Tenrikyo des Tenri-Gottes mit Tenri-Kirche, -Universtät und -Bibliothek. Und Gläubigen.

Nachdem ich in der Nara-Bibliothek ein paar Bücher aufgesammelt hatte, die ich sogar ausleihen durfte, ging es am Mittwoch und Freitag (20. und 22. November) nach Tenri, dem eigentlichen Ziel der Reise. Da sich meine Forschung auch mit der sog. Neuen Religion Tenrikyo beschäftigt, sucht ich Quellen, und wo sollten diese zu finden sein, wenn nicht in Tenri.

16 Minuten Bahnfahrt von Nara entfernt ist also die Stadt, die aus einem Zusammenschluss von Dörfern 1954 auf den Namen Tenri getauft wurde, da sich dort der Sitz der Tenrikyo befindet, die das Stadtbild maßgeblich beeinflusst. Tenri besteht (das klingt jetzt vielleicht bekennt? :) aus einer überdachten Einkaufsstraße, die vom Bahnhof zum Haupttempel der Sekte führt. Außerdem grenzt dort das Schulgelände an, auf dem sich verteilt die Grundschule, Middle- und High-School sowie die Universität befinden. Außerdem das Tenri-Priester-Seminar (oder wie man das in diesem Falle nennt).

 Das Bild oben ist die Einkaufsstraße am Morgen, wenn gegen 9.00 Uhr alle mit Tenri-Gesang beschallt werden. Das Bild unten ist dieselbe Straße gegen 17.00 Uhr. Genauso wie in Nara, schließt die Stadt mit den Kirchenpforten.

 Tada! Die Kirche. Oder der Tempel. Oder Schrein? Das ist irgendwie kompliziert. De Tenrikyo selbst wurde von Nakayama Miki gegründet, einer Bauersfrau, die anno 1836 von Tenri- dem einzig wahren Gott erleuchtet und besessen wurde. Demnach unterstreicht die Religion gern, dass man weder Shinto noch Buddhismus sei, sondern eben Tenri. Zur Unterstreichung dieser Neuheit wohl, verwendet die Religion die Bezeichnung Kirche für ihre Gotteshäuser. Histooooorisch gesehen könnte man jetzt dagegen halten, dass die Tenrikyo sowohl als Schrein als auch als Tempel registriert gewesen ist, bevor sie zu einer nennenswerten Religion wurde, die dann in der Meiji-Zeit (19. Jh) auch gleich wieder zum Shinto gezählt wurde. 

 Gegenüber dem Schrein verläuft ein kleiner Fluss, der dieses malerische Bild lieferte. Die Berge im Hintergrund sind auf dem Foto leider kaum zu erkennen.
 Hat man den Fluss passiert, erstrecken sich die Gebäude der Tenri-Univeristät, in einem recht eigentümlichen Baustiel. Leider habe ich davon kein gutes Foto. Sprich: Die Gebäude stehen natürlich gerade...
 
Unter gelben Ginko-Bäumen geht es zu einem lustigen Sammelsurium alter Häuser.

 Dies hier ist die alte Bibliothek, in der ich mich dann also verschanzt habe.

Leider war's das auch schon an Fotos aus Tenri. Eigentlich wollte ich noch den Isonokami-Schrein besuchen, der sehr schön sein soll, und das Grab der Gründerin, aber ich bin entweder zu spät aus der Bibliothek gekommen oder es hat dermaßen gegossen, dass ich mich nur noch in ein Cafe (das einzig offene) verkochen habe, um bei heißer Schokolade meine Literatur zu lesen. Schade.

Am 26.eines Monats ist immer Großgebet angesagt. Aus gegebenen Anlass wird die Tenri-Flagge gehisst und die Stadt ist voller Leute mit schwarzen Tenrikyo-Jacken.
Den Tempel habe ich jedoch zwei Tage zuvor besucht: Und siehe da, es war voll. Das Gebet gegen 17.00 Uhr war dermaßen gut besucht, dass man nur staunen konnte. Jeder Priester würde bei uns vor Neid einen Schlaganfall kriegen. Man musste wie immer die Schuhe vor der Treppe ausziehen und der Tempel ist so gebaut, dass man auf einer Veranda draußen das ganze Gebäude einmal umrunden kann. Das hat mich 15 Minuten gekostet - das Gebäude ist riesig. Der Innenraum besteht aus einer riesigen Fläche mit Tatami, auf denen die Gläubigen kniend saßen und sangen. Man soll auch nicht glauben, dass da nur Rentner versammelt seien - gerade als ich so vor mich hin spazierte, flitzten Mittelschüler und Gymnasiasten in ihren schwarzen Jacken, um ja noch pünktlich zu kommen. Etliche Kleinkinder schrien, denn viele junge Familien waren angerückt. Insgesamt waren alle Altersklassen vertreten und es überwogen auch nicht die Frauen. Das Gebet wurde von einem Priester angefangen, der in der Mitte des Raumes saß. Dort ist ein quadratischer Bereich abgetrennt, in dem wohl ein Altar und die Priester sind, sowie eine große Trommel, die geschlagen wurde. So genau konnte ich das aber nicht sehen - die Halle war einfach zu groß. Danach fingen jedenfalls alle an zu singen, wobei sie nicht diesen stilisierten Leiergesang verwendeten, wie bei den Buddhisten etc. üblich, sondern sie sangen überaus verständlich. Der Gesang wurde von einer Folge Gesten begleitet, die wohl festgelegt sind. Diese Gottesdienste scheinen überaus wichtig genommen zu werden- Als ich an einem anderen Tag gegen Mittag an der Universität vorbeiging, stand da einer am Tor und sang und machte die Gesten einfach auf dem Fußweg. Der hatte es wohl nicht zum Tempel geschafft?
 

Sonntag, 1. Dezember 2013

Nara bei die Rehe: Bibliothek, Herbstlaub und Koufukuji



Ich stieg also am 19. November aus dem völlig überhitztem Nachtbus in Sibirien aus. Also in Kyoto, um genau zu sein, um 6 Uhr morgens den Bummelzug nach Nara zu nehmen, der an jeder Dorfhaltestelle natürlich brav alle Türen sperangelweit öffnete. brrrrrrrr. Jaja, ihr Deutschländer verdreht jetzt wieder die Augen, aber Winter hatte ich nicht gepackt und so lieferte ich schnell meinen Koffer am Hostel ab und stiefelte zur Bibliothek in Nara, um meine Studien zu eröffnen.

 Nara am Vormittag. Das Wetter versprach noch, gut zu werden. Auf dem Weg zur Bibliothek, 20 Min. aus dem Zentrum raus, sah man auch mal ein kleines Reisfeld.
 Entschädigt wurde man mit diesen malerischen Herbstfarben.
 Die Bibliothek
 noch mehr Herbst (keine Angst, davon kommt noch viel. Wer braucht schon euren Weihnachtskram! *schnüff*)

 Jaha, Japaner können nicht nur niedlich, sondern auch niedlich-böse! ;) Dieses Furcht einflößende Männchen verbietet das Hinterlassen von Müll am Flussufer.

Für ein, zwei Stunden erschien mir das Gebäude sogar warm. Mit zunehmender Akklimatisierung stellte sich jedoch heraus, dass auch die wunderbar moderne Bibliothek in Nara an der Modernen-Architektur-Krankheit krankt: Was nur aus meterweise Glas und Beton besteht, kann nun mal nicht ordentlich beheizt werden. Vor allem die lockenden Sofas an den großen Fenstern waren daher leider nur auf den ersten Blick anheimeld. Das trübtassige Regenwetter sah allerdings auch bloß von drinnen romantisch aus, so dass ich bis in den Nachmittag hinein durchhielt. 

Dann trieb mich allerdings doch der Hunger in die Innenstadt. Nara ist im Prinzip sehr einfach aufgebaut. Es gibt zwei Bahnhofe und das Gebiet mit dem Reh-Park und den zwei wichtigsten Ausflugszielen - dem großen Buddha und dem Kasuga-Schrein. Beides wird durch eine Haupt-Souvenirstraße verbunden und von winzigen Gassen malerisch instand gehaltener Altstadt umringt. Fast alles richtet sich nach dem Tempel-und Schreinbetrieb - schließen die ihre Pforten gegen 5 Uhr, hört man schon das Rattern der Rollläden im Rest der Stadt und die Bürgersteige klappen hoch. Aus die Maus. So gesehen die perfekte Umgebung zum ungestörten Studieren. ;)

Jedenfalls hat sich natürlich auch Nara nicht dem Zustrom ausländischer Touristen erwehrt, und so was alles, was ich in der Hauptstraße vorfand, Pseudo-Italiener, Touristen-Ramen-Nudelsuppe und Hamburger-Family-Restaurant (also nicht Hamburg, die Stadt, sondern die Fleischklopse natürlich). Es war aber kalt, regnerisch und ich wollte echte japanische Nudelsuppe oder wenigstens was vergleichbares. Fündig wurde ich in einer Nebenstraße. So sah das Festmahl dann aus: 

 Das ist gekochtes und leicht angebratenes Fleisch in Eier-Sojasoßen-Soße. Dazu natürlich Reis und Miso-Suppe als Standard-Beilage, sowie hausgemachtes Tofu und Bohnen-Muß (also das, was beim Tofu-Machen übrig bleibt, wurde mir gesagt. Seeehr gesund und gut für alles).

Nach diesem Festmahl war nur noch wenig Zeit, eine Runde um den nächsten Tempel zu drehen. Entgegen meiner Hoffnung ist die Haupthalle des Koufukuji aber immer noch in Arbeit, genauso wie anno 2011, als ich das erste Mal in Nara war. (Wer die Sommer-Beschreibung von Nara noch einmal Revue passieren will - bitte hier klicken.) 
Die verhüllte Haupthalle bei Niesel-piesel-Wetter

Man könnte sich fragen, warum Nara, das nur eine Zugstunde von Kyoto entfernt liegt, so viele sehenswerte Tempel und Schreine besitzt, wo es doch so ein Kaff ist. Das liegt daran, dass in der Nara-Zeit von 710 bis 784 unter dem Namen Heijō-kyō die Hauptstadt Japans war. Die meisten der großen Tempelanlagen stammen aus dieser Zeit. Und warum sind überhaupt so viele an einem Ort versammelt? Das liegt zum einen daran, dass Tempel gern gestiftet wurden, um besonderen Beistand zu erbitten, und zum anderen, weil es innerhalb des Buddhismus sehr viele rivalisierende Schulen gibt, die natürlich jede ihr eigenes Domizil benötigten. Sie alle spannen ihr jeweiliges Tempel-Netzwerk von der Hauptstadt aus, bis sogar ein Mönch fast einmal Kaiser wurde, weil sein Einfluss auf den Hof und die Kaiserin enorm war. Das führte erstens dazu, dass seitdem ungern Frauen auf dem Thron gesehen wurden, und zum anderen dazu, dass die Hauptstadt verlegt wurde, bis sie schließlich in Kyoto war. Dort wurden wiederum Tempel im Stadtinneren verboten, weswegen die großen Tempel Kyotos am (heutigen) Standtrand liegen. 

Pagode des Koufukuji
Der Koufukuji in Nara gehört zum UNESCO Weltkulturerbe, weil er auf einen Tempel zurückgeht, der 672 erbaut worden sein soll. Sicher ist, dass er mit der Verlegung der Hauptstadt nach Nara dort im Jahr 710 als Kōfuku-ji wiederaufgebaut wurde. Der Koufukuji hatte massiven Einfluss im 11/12. Jh., denn etliche der wichtigsten Tempel in Kyoto und Nara, die auch heute noch durch ihre Größe beeindrucken, waren unter seiner Kontrolle. In der frühen Meiji-Zeit (19. Jh.) wurde der Tempel allerdings durch die allgemeine Erhebung des Shintō zur Staatsreligion und dem Erlass zur Trennung von Buddhismus und Shintō schwer vernachlässigt und größtenteils enteignet. Nur mit Not konnte er erhalten werden. Heutzutage ist der Tempel diese Sorge los, denn die Besucher strömen nur so dorthin. Praktischerweise liegt der Tempel nämlich im Herzen Naras. 

 Ein kleiner Schrein im Koufukuji
 Und ja, nicht nur mir war kalt. Diese Schulklasse (eine von tausenden, die diese Woche da hingekarrt wurde) hielt sich durch gegenseitiges Rücken-Rubbeln war.

Und ja, die Rehe kommen noch.

Sonntag, 17. November 2013

November...brrrrr.

Ja, auch in Japan ist es kalt geworden. Der erste Teil des Novembers war nervtötend unentschieden, aber jetzt, da es kalt ist, ist es noch schlimmer. Wie immer geht es nicht um die äußere Kälte, sondern die Innere. Universitäten, die nicht geheizt werden, zugige Zimmer und die ewige Bodenkälte, die durch die dicksten Socken kriecht - äks.   
(Japans grandioser Beitrag zum Energiesparen: Alle Klimaanlagen sind seit zwei Jahren zentral gesteuert und die Wärmefunktion wurde erst seit ein paar Tagen freigeschaltet. Aber Japaner sind's ja gewohnt: Schulen werden grundsätzlich NIE geheizt - wunderbare Vorstellung. )

Ich sitze also wie ein braves Schneemännchen (also genauso fett - weil eingewickelt in Decken) an meinem Schreibtisch und bin so bei der Sache, dass ich sogar das jährliche "Butterbrot & Bier Event" des  DAAD am 1. November verpasst habe. Kein Schwarzbrot für mich, ein hartes Los! :(  

Dafür gab's fettige Spaghetti und Pizza beim Pseudo-Ketten-Italiener ein paar Tage später, als wir ein Halle-Studi-Treffen hatten. Naja.... zum Glück ist es ja die Begleitung, die zählt. ;) Die Runde war lustig. 

Ansonsten hatte ich nur noch Zeit ins 3D-Kino zu gehen...9:15. O_o Und gestern (16. November) hab ich mich mal wieder zum Saitama Seibu Dome aufgemacht, wie zuletzt im April. Hab fein Sardinchen gespielt im Zug, alles für ein Big Bang-Konzert. :) Immer, wenn man glaubt, es können unmöglich mehr Leute rein passen, wurde man an der nächsten Haltestelle eines besseren belehrt. Sehr beeindruckend. 

Und jetzt sitze ich am PC und mache mich fertig für morgen, denn: Es geht nach Tenri! :D Das ist in der Nähe von Kyoto und Nara. Ich werde dort brav in der Tenri-Bibliothek nach Büchern suchen und durch Staubregale kriechen, aber gezwungenermaßen muss ich doch ein bisschen Sightseeing betreiben, denn am Wochenende sind Bibliotheken selten offen. :) Freut euch also auf viele schöne Fotos.

Dienstag, 12. November 2013

Es war einmal im September... und Oktober..

Der vernachlässigte Blog lebt! Ergo ich auch. Ist das nicht beruhigend. :) 

Erinnern wir uns also an eine Zeit, in der es kuschelig warm und sonnig war. Das Semester hatte angefangen, die Uni hat mich mit allerlei Anmelnde-Krams genervt und die Neuen im Wohnheim wurden am 22. September mit einer Party im Wohnheim begrüßt. Die Party ist nur leider nicht mehr so cool wie früher, denn seit wir in dem Raum eine Musikanlage haben, verstehe ich die Leute nicht mehr und die mich nicht. Meine malträtierten Ohren haben das nicht allzu lange durchgehalten. 

Da geh ich lieber (am 24., einem Dienstag) in netter Runde essen, z.B. Shabu-Shabu, das ich sicherlich 3 Jahre nicht mehr hatte. Ich erlaube mir, aus einem älteren Beitrag zu zitieren:

Shabu-Shabu ist wiedermal ein Gericht, dass man in der Mitte des Tisches zubereitet. Man hat eine Schüssel, die von unten erhitzt wird, in der sich wahlweise Wasser ohne eine Soße befindet. Da wird nun alles mögliche reingekippt: hauchdünn geschnittenes Fleisch, Gemüse, Pilze, Nudeln etc.... Man muss nicht lange warten, dann kann man den Kram rausfischen und mit wieder anderen Soßen zusammen verspeisen und dabei neue Zutaten in die Schüssel kippen. 

Genauso ist das. Sesamsoße schmeckt dabei sehr gut. :D Traurig war nur der Anlass des Ganzen - Jasmins Auslandssemester war rum und dies war ihr Abschiedsessen. :,(
 
Und dann war auch schon Oktober und ich war fleißig wie ein Bienchen, weswegen ich weder viel zu berichten habe noch überhaupt berichten konnte. (Ja, das habt ihr wohl schon gemerkt.) Unterbrochen wurde der Arbeitseifer durch das Oktoberfest bzw. das Deutschland-Fest. 

Das  Oktoberfest fand an der Deutschen Schule Yokohama statt. Natürlich gab es am selben Tag auch ein Oktoberfest mit Bierzelt und was nicht alles in Yokohama am Hafen, aber die Preise dort sind naturgemäß teurer und alles viel voll gestopfter. Die Deutschschule hat einen großen Hof zu bieten,  der gerade genug war, um alle Besucher zu fassen. Es hatten doch etliche den Weg dahin gefunden. Unterhalten durch eine jodelnde und Kuhglocken schwingende Japanerin im Dirndl und später allerlei Schulbands, mampften wir unsere Würstchen (*-*) und genossen das wunderbare Wetter. Dabei wurde versucht, Kindern deutsche Tänze beizubringen.

 Eine Besonderheit auf dem Fest: Es gab einen Stand "Spezialitäten aus Norddeutschland" mit Heringshappen und Fischbrötchen. Das habe ich zum ersten mal gesehen. Und es gab (von den Eltern selbst gebackenen) Kuchen! *-* Das war es alle mal Wert.

Am Abend gab es dann noch eine taiko-Vorstellung. Diese Trommelauftritte sind immer cool.

Das Deutschland-Fest fand eine Woche später in Aoyama statt und ist halb-Oktoberfest, halb-"Wir verkaufen Sachen aus Deutschland"-Fest. Passte mir gut - um den Ententanz hab ich mich gedrückt, aber Schwarzbrot habe ich bekommen. :)

Ansonsten fand das letzte Dir en grey Konzert des Jahres am 18. Oktober 2013 statt und ja, das war dann der Oktober.

Dieses hübsche Bild stellt die Situation japanischer Züge dar, wenn der Taifun mal wieder über das Land kommt. Vom Taifun an sich habe ich nicht so viel mitbekommen - an einem Dienstag Abend musste ich patschnass nach Hause laufen (trotz Regenschirm) und dann hat es halt die ganze Nacht gegossen und gestürmt. Ich hab geschlafen. ;) Am nächsten Morgen war es zwar noch sehr stürmisch, aber es war herrlich klares Wetter. Wir Keio-Studenten konnten zum Glück trotzdem zu Hause bleiben, denn das Problem ist ja wie immer nicht das Wetter, sondern der Verkehr. Service-orientiert wie Japaner dabei sind, kann man auf Seiten wie oben gezeigt in Minutentakt die Situation für jede Bahnlinie verfolgen. Dies hier ist meine Linie, die Meguro-Linie, um 10:30. Also der Zeit, zu der die Keio entscheiden sollte, ob der Nachmittagsunterricht gestrichen wird. Wie man sieht, darf man selbst das rote Männchen draußen sein, sprich: Du kommst hier nicht rein.

August-September: Korean Town, Kyu Iwasaki Teien und Party


  Ende August war ich dann noch in der "Hyde x Amano" Ausstellung, der Zusammenarbeit eines Zeichners und eines Musikers.Najaaa... Yoshitaka Amano mag ich eigentlich, aber wirklich neu waren die Motive diesmal nicht und das ganze doch etwas kitschig geraten.

Außerdem war ich seit 2008 das erste mal wieder in Shin-Okubo - Korean Town. Ok, da hat sich allerdings mächtig was geändert. Anno 2008 schrieb ich im Blog "Im Großen und Ganzen unterscheidet sich das Straßenbild nicht vom Rest der Stadt, außer dass eben überall koreanische Schriftzeichen herumhängen." Nein, nein, nein, da hat die Tourismus-Industrie aber mächtig zugeschlagen. Schon wenn man in Shin-Okubo aus der Bahn steigt, sieht man zunächst erstmal Werbung für koreanische Fernsehserien und Stars und nicht für Japanische. Kommt man am Bahnhof raus, hängt an der Wand eine Karte, in der die einzelnen Korea-relevanten Geschäfte fein detailliert eingezeichnet sind, damit man auch ja weiß, wo man schoppen soll. 

Gegenüber dem Bahnhof leuchtet einen bereits der erste KPop-Laden an, der lauter Merchandise und CDs/DVDs etc. von den beliebtesten Idol-Gruppen und Sternchen verkauft. Er ist nur der erste, beileiben icht der einzige seiner Sorte. Was mich überrascht hat: Die verkaufen da Mengen an illegalem Kram. O_O Ich hab mich erst die ganze Zeit gewundert, was diese Regale voller CD-Rohlinge in Papierhüllen darstellen sollen, bis ich begriff, dass dort gebrannte CDs mit TV-Aufnahmen von Auftritten, Interviews, Werbespots und wofür sich koreanische Popgruppen noch so hergeben käuflich zu erwerben sind. Ahja. Man kann auch die Konzert-DVD seiner Lieblinge mit bestem Drucker-Cover und Aufkleber für die Hälfte des Preises gebrannt kaufen. 
Das geht echt nur in Japan - also bitte, wenn ich den Mist nicht "in echt" kaufe, geb ich doch kein Geld für etwas aus, dass ich auch selbst downloaden kann? *Kopfschüttel* Aber es scheint sich zu verkaufen, die Läden sind voll davon. Ansonsten stapeln sich die koreanischen Restaurants und Kosmetik-Läden im Viertel, dass man sich fast nach Myeong-Dong zurückversetzt fühlt.

Das nächste Wochenende (Sa, 7. September 2013) habe ich viele Leute, die in Halle ihr Austauschjahr gemacht haben wieder getroffen, das war auch sehr schön. :)Der Laden hatte gerade erst aufgemacht, man sieht die Sake-Fässer und Blumen, die traditionell von umliegenden Geschäften geschenkt wurden. (Tur mir Leid, das Bild glänzt etwas - so ein Smartphone ersetzt eben doch nicht die gute alte Kamera)

 Im nächsten Bild seht ihr unser Sashimi-Schiff. :) So macht Essen doch Spaß. 

Damit war ich jedenfalls gerüstet, denn nachts stand noch Clubbing an. Yeah, habe ich mich nach 5 Jahren also doch noch dazu überreden lassen, in einen Club in Shibuya zu gehen, denn 1. hatte Lynn, Jasmins Freundin, versprochen, dass es keine Techno-Musik geben würde und 2. wohnte Jasmin zu dem Zeitpunkt in Yoyogi, wohin man zu Fuß laufen kann, so dass wir nicht bis zum ersten Zug am Morgen durchhalten mussten. Natürlich war es trotzdem eher schrecklich. -.- Der Club unserer Wahl hat eigentlich 6 Floors, aber an dem Abend war wegen Renovierung nur einer offen. Was wir nicht wussten, war 1., dass es nicht der große Hauptfloor war und  2., dass die Clubbetreiber trotzdem so viele Leute reinlassen würden, wie als wenn es der Hauptfloor gewesen wäre. Das Ergebnis war eine Stunde Quetschen eher ohne Tanzen, in voller Konzentration darauf nicht an Atemnot zu ersticken. Das Einlösen unserer Drink-Tickets an der Bar war unmöglich, denn es war kein Duschschieben zur Bar möglich und als dann nach einer Stunde doch auf Techno umgestellt wurde, sahen wir ein, dass wir diesen Kampf nicht gewinnen konnten und verzogen uns aus diesem Loch.

Am Sonntag beschlossen Jasmin und ich, dass wir uns das Kyu Iwasaki Teien - den Alten Familiensitz der Familie Iwasaki einmal anschauen sollten. Wie das kleine Bild verrät, befindet sich das Gebäude unweit des Ueno Parks mit seinem Seerosenteich.

Auch wenn euch die Familie Iwasaki nichts sagt - Mitsubishi lautet das richtige Stichwort. Japaner lieben Iwasaki, weil er die perfekte Verkörperung der japanischen Erfolgsgeschichte der Meiji-Zeit ist. Ähnlich dem Tellerwäscher-Millionär-Traum war Iwasaki Yataro ein Sohn einfacher Bauern, da sein Großvater zur Tilgung von Schulden seinen Samurai-Status verkauft hatte.
 Als das 300-jährige Shogunat 1867, ergriff Yataro die Gunst der Stunde und übernahm in Osaka eine im Zuge der Meiji-Restauration privatisierte Handelsniederlassung seines Geburtslehens Tosa, womit er den Grundstein für sein späteres Firmenimperium legte - das er 1873 Mitsubishi nannte. Und wer schon immer einmal wissen wollte, was die drei Romben auf seinem Auto eigentlich bedeuten: Das Mitsubishi-Logo ist eine Verschmelzung seines eigenen Wappens mit dem des Tosa-Clans. Das Firmenlogo stellt drei Rauten dar, was auch der Bedeutung des Firmennamens entspricht. Die Rauten sind abgeleitet von der Form der Wassernuss. Die Iwasaki Residenz gehört jedenfalls Yataros Sohn Hisaya. 

 Hisaya beauftragte den britischen Architekten Josiah Conder. Der Entwurf sah ein zweigeschossiges Haupthaus im westlichen Stil vor, dahinter ein Gebäude im japanischen Stil, ferner ein Billiard-Haus im Schweizer Stil sowie über 20 weitere kleinere Gebäude. Das Grundstück hatte mit 49.500 Quadratmeter das Dreifache der heutigen Fläche.

Auch wenn man es nicht vermuten würde: Auch das Haupthaus ist komplett aus Holz. 
Dort sind vor allem der westlich eingerichtete Speisesaal und Gästezimmer untergebracht. Die Familie selbst wohnte in dem Gebäude im japanischen Stil, das durch einen Durchgang mit dem Haupthaus verbunden ist.  Im Bild rechts seht ihr das Billard-Haus.

Am 12. September fand nun zum 6. und letzten Mal in meinem Leben der Placement Test an der Universität statt, der mir diesmal das 13. Level bescherte. Endlich das letzte. :) Das musste am darauf folgenden Samstag auch gefeiert werden und wie, wenn nicht am Strand? :D Zusammen mit den neuen Wohnheimleuten machten wir uns auf die 1,5 stündige Fahrt an den Strand, aber es hat sch gelohnt, denn wir hatten Bomben-Wetter und eine Menge Wellen. Am Ende hatten einige Muskelkater davon.



Danach sah man die Woche nur noch frustrierte Gesichter, die versuchten, irgendwie herauszukriegen, wie man  seinen Stundenplan basteln sollte, wie man das richtige Klassenzimmer zu seinen mühsam herausgefundenen Stunden erfahren könnte und welche Kurse man eigentlich registrieren darf. Auch ich habe wieder etliche Nerven gelassen bei dieser Aktion. 
Aber es gab ein Licht am Ende des Tunnels: Am 21. September (Samstag) war Austauschstudenten-Tag in Ueno, wo man kostenlos ins Nationalmuseum durfte.

Da war ich zwar vor 4 Jahren schon gewesen, aber das heißt ja nicht, dass man nicht noch einmal gehen kann. ;) Diesmal habe ich auch andere Bilder gemacht, wie zum Beispiel von diesen lustigen Kerlchen - zwei Haniwa-Figuren aus der Kofun-Zeit (3.-6. Jh.). Das waren Grabbeilagen aus Ton, wobei teilweise Hofstaat und Gefolge nachgebildet wurden. Diese zwei lustigen Tänzer haben dem jeweiligen Fürsten sicher die Zeit im Jenseits versüßt. ;)

 Außerdem gab es eine Abteilung zu Naturkunde-Büchern. Im 19. Jh. waren die Japaner ganz wild bei der Klassifikation ihrer Flora und Fauna dabei und haben daher diese wunderbaren Tierchen auch bildlich (wie in einem Bilderlexikon) festgehalten.
Welche Spitzmaus das gerade ist, weiß ich leider nicht.
Dies ist mit Sicherheit ein Maulwurf, eher tot, von oben und unten.
   Das Museum von innen.
 Das modernste Gebäude des Musuems zeigt die Schätze des Horyuji-Tempels.

Und um Abschluss gibt es noch das Bild dieser wuuuuuuuuuuuunderbar geputzen, gewienerten, gewachsten, gesäuberten und überhaupt in Stand gebrachten Küche! So sah das Wunderwerk einen Tag lang aus, nachdem wir mit ca. 3 Leuten 4 Stunden lang geschrubbt, geschrubbt und geschrubbt haben. Es war ja echt nicht mehr zum Aushalten.