Montag, 8. Juni 2026

Shinjuku und vom Taifun verweht – nach Okayama

Der Tag beginnt mit Frühstück und Planung, schließlich will der beste Rail-Pass gefunden werden.  Stelle man es klug an, kann man bei den Zügen gut sparen, aber das Gewirr der des Angebots ist erschlagend. Am Ende entscheide ich mich für den Kasai San'in Pass (18.000 ¥, ca. 100€), der mich sieben Tage lang JR  (was die japanische DB ist) fahren lässt. Außer von Tokyo nach Okayama, dass wir nur den richtig teuren Pässen abgedeckt und lohnt sich nicht.  Aber ich hatte da ja was viel besseres, nämlich den Nachtzug. Dachte ich. Der Taifun dachte anders.  
Aber zunächst war das Wetter bei 28°C mit Wind prächtig (oder "heeeiiiiiiß" wie jeder sagte, den man fragt).

Natürlich stand auch wieder Shinjuku auf meiner Liste, gibt es sich da einen Künstlerbedarf Großhandel (Sekaidō, wörtlich "Welt-Tempel") - ein Tempel für Papier und Co. Aber... 30.000 ¥ sind halt bloß 160€! 👻👾🥳
Shinjuku- laut und bunt, wie immer

Auf der Südterasse von Shinjuku lauert noch mehr Gefahr in Gestalt des Takashimaya-Kaufhauses (eine Etage nur Schreibkram 😍), aber da habe ich dieses Mal ausgelassen, genauso wie das leckere Restaurant mit Spezialitäten aus Miyazaki (Präfektur auf Kyūshū), in dem ich das letzte mal war. 
Damals gab es Pferde-Fleisch-Sashimi 
Verschiedenes Gemüse als Vorspeise, Brühe und Plaumenwein. 

Von Shinjuku aus läuft man gut nach Yoyogi, da Shinjukus Südterasse quasi schon bis dahin rangebaut ist. Ein bisschen alten Kabel-Charme bietet die Gegend aber immer noch. 
Trotzdem ist die Gegend schon gut gentrifiziert, als etwas entspannter Vorort Shinjukus.
Für diese futuristische Eventhalle gab es auch noch Platz.
Natürlich war ich auf der Suche nach Café und Luft, erhältlich im Kitasando Café

Am Dienstag, dem 2. Juni, war ich dann wider mit Freundin Nancy unterwegs und im Karaoke, damit ich dann ganz entspannt vor der Rush Hour mein Köfferchen zum Bahnhof Tokyo bugsieren und nach lecker Abendbrot in den Nachtzug steigen könnte. Alltäglich sollte Taifun Nr.6 in der Nacht aus dem Westen in Tokyo landen und entsprechend aus Okayana schon abgerauscht sein.  

Eigentlich hätte ich nämlich ganz gemütlich in einer Sardinenbüchse – Pardon, Schlafwagen –gen Westen rauschen sollen, um entspannt und eine Schlaf- & Zug-Erfahrung reicher zur morgendlichen Stunde in Okayama aufzuschlagen. 
Ich hatte nämlich am Schalter extra eines der heißbegehrten Tickets für den Sunrise Seto Nachtzug ergattert. Als einer von zwei letzten Nachtzügen  Japans eigentlich immer ausgebucht, hatte ich sogar die Wahl zwischen Nobi-nobi ("langgestreckt"; Teppichklasse, man liegt auf einem Schlafdeck neben anderen Leuten und sieht zu, wie man es sich bequem macht) und Solo, was verdächtig wie Einzelzimmer klingt. Dann gibt es aber auch noch Single... 🤔 

Aber egal, die JR meinte verhindern zu wollen, dass wir wortwörtlich irgendwo aufklatschen, da ich nicht bedacht hatte, dass der Taifun die ganze Nacht genau an der Küste entlangschrammte, an der der Zug fahren sollte. 
Dass der Zug gecancelt war, merkte ich im Zug nach Tokyo, so dass ich noch in Ueno rausspringen und zum Schalter laufen konnte. (Will nicht wissen, was an den Shinkansen- Bahnhöfen los war.) Die Erstattung gibt reibungslos, trotzdem dauerte es eine gute Stunde, bis ich mit einem neuen Shinkansen-Ticket bewaffnet nach Okayama düste, bevor auch die Schnellzüge den Betrieb einstellen würden. Es hatte keinen Sinn, in Tokyo zu warten, denn Tickets für den Nachtzug würde es nicht mehr geben und der Taifun würde am Mittwoch Tokyo außer Gefecht setzen, während im Westen wieder alles paletti war. 
Solo oder doch eher Sarg? Das Foto konnte ich später schießen, als der Nachtzug in Izumo rumstand. Das hier ist die Solo-"Kabine". Nja..  Jetzt weiß ich, warum die Holzklasse so großzügig als nobi-nobi (langgestreckt) beschrieben wird. Da ist man immerhin nicht... konserviert.
Hier das Wikipedia-Bild zur Ansicht. 

Immerhin, moderne Zeiten sei dank, habe ich in Zug einfach ein Hotel gebucht und für war's. In Okayama habe ich ein neues Bilighotel-Konzept erkundet:  Schlafkabinen, die quasi Zimmer sind, aber nicht abgeschlossen werden können und nur eine Falttür haben. Die Bereiche sind nach Mann/ Frau getrennt, die dann jeweils durch eine Schlüsselkarte gesichert sind. 
Die Wände sind quasi Pappe. Aber der Bereich ist größer als in den Kapselhotels. 
Sowas funktioniert halt in Japan. Mit Ohrstöpseln bewaffnet kann man gut schlafen, während der Taifun ungesehen und - gehört draußen wütete. Schade eigentlich. Habe durch das Fenster im Gang etwas beobachtet; hartgesottene Radfahrer hält sich ein Taifun nicht ab. 😲

Das Highlight des Hotels war das Großbad, das viele japanische Hotels (neben schnöden Duschkabinen) haben. Da kann man sich ausbreiten und dann nach Herzenslust im Sprudelbad wässern. Und das war dann der Auftakt meiner "Reise in der Reise".

Samstag, 6. Juni 2026

Etwas Flair des alten Edo – Yanaka Ginza

Am Rande der Yamanote-Ringbahn (sprich dem zentralen Gebiet Tokyos) liegt die Yanaka Ginza, ein Gebiet, das etwas alten Flair mit netten Shops für einheimische und Touristen bietet. Yanaka heißt "mitten im Tal", "Ginza" ist der Silbersitz. Ursprünglich bezeichnet das quasi die Silberbörse, die seit dem 17. Jh. in der Nähe des Tokyo-Bahnhofs, dem namensgebenden Ginza-Viertel lag. Später wurden jedoch viele Einkaufsstraßen und Umschlagplätze auch Irgendwas-Ginza genannt.  
Kontrast dazu: Der Bahnhof Nippori, das Einflugstor.
Geht man allerdings den "falschen Weg", landet man erstmal etwas versetzt auf den Yanaka-Friedhof.
Der Friedhof gehörte eins zum Tennōji-Tempel, wurde diesem aber enteignet als im Zuge der Promotion des Shintoismus (1870~) Friedhofsflächen gebraucht wurden. Neue Flächen gab es schon damals nicht und die alten waren alle buddhistisch, da es jahrhundertelang eine Kompetenz-Aufteilung gegeben hatte und die Shintoisten, die den Tod als unrein betrachten, die dazugehörigen Riten gerne ausgelagert hatten. (Als sie merkten, dass das mächtig lukrativ war, war es schon zu spät. Aber in der Moderne war es wieder Thema, denn die Schreine mussten sich mehr ald zuvor selbst versorgen.) 
Der moderne Teil hat Grabplatten, wohl Einzelgräber. 
Schöne Bäumchen gibt es auch. Der Tennōji-Tempel, dem ursprünglich alles gehörte, ist auch heute noch Platzhirsch der Gegend.  
Eine Buddhaststue sitzt geduldig hinter dem modernen Tor des Trmpels.
Die hinteren Straßen von Yanaka glänzen mit dem typischen Flair kleiner Stadtteile: alt und neu direkt nebeneinander. 
In der Ladenstraße am Wochenende ist mächtig was los. 
Auf der Straße gibt jemand ein Papiertheater (Kami shibai) zum besten; Die Story wird zu Bildkarten erzählt.  
Die Kabel ziehen sich fröhlich durch die Stadt. Angeblich gibt es die neue Devise, dass neue Stadtteile nur noch Erdkabel bekommen und bestehende Masten zurückgebaut werden sollen. Beim letzten großen Erdbeben auf der Noto-Halbinsel 2024 waren zu viele wichtige Masten kaputt gegangen und außerdem seien sie nicht schön im Stadtbild.  😅 Tja, allerdings geht der Rückbau schleppend, Erdarbeiten sind halt auch nicht beliebt.    
Ich habe einen Schreibwarenladen (Bungu) gesucht, der Online-Karte sei dank habe ich ihn auch gefunden. Wie diese Geschäfte sich halten, ist mir ein Rätsel, Laufkundschaft kann es bei diesem Versteckspiel eigentlich nicht geben.  
Café mit Terrasse!  Neben Hanamori gibt es auch das Café Kōjō (珈琲工場), mit Hōjicha (gerösteter Grüntee)- und Mango-Tiramisu. 

Auf dem Weg gab es auch einen Kinako-kanten-Stand. Das ist geleeartiges Zeugs mit süßem Sojabohnenmehl, über das man braunen Zuckersirup kippt. Das musste probiert werden, wurde allerdings nicht für gut befunden. 

Vor allem seit Corona haben Neuerungen im Kassensystem Einzug gehalten. Hier ein schönes Modell. Man steht zwar immer noch an der Kasse und bekommt die Sachen gescannt, löst den Zahlvorgang dann aber am Bildschirm selbst aus und gibt sein Geld in die vorhergesehrnen Schlitze. 
Yanaka schließt um 18:00 Uhr,  weswegen man danach noch die Schnappsidee haben kann, zum großen Adachi- Feuerwerk aufzubrechen. Ja ja, man hätte es wissen können. Aber bisher war ich immer gut vorbereitet Stunden früher da gewesen.... 
Sagen wir so, es war eigentlich schon vorbei, als ich am nahe gelegenen Bahnhof (immerhin noch 20 Minuten Laufweg zum Ufer, Busse alle stillgelegt) ausstieg und auf eine Hundertschaft Ordnungskräfte stieß, die alle in die vorgesehenen Bahnen lenkten und außerdem verkündeten, dass das Ufer wegen Überfüllung schon gesperrt sei. Was ich nämlich nicht gewusst habe, war, dass die Uferpromenade auf einer Böschung liegt, deren Zugänge also alle bereits abgeriegelt waren.  
Blieb also nur, durch die Hochhäuserschluchten ein paar Blicke auf das Feuerwerk zu erhaschen, und dann Land zu gewinnen, bevor alle sich auf den Rückweg machten.  

Dabei fiel mir wirder auf, dass das Land im Prinzip durch Rentner aufrechterhalten wird. Gefühlt 80% der Ordner waren jenseits des Arbeitsalters und ein nicht erheblicher Teil davon sah aus als wären sie noch vor dem Krieg geboren.
An einem anderen Tag fuhr ich noch zum Bahnhof Tokyo, dessen Einkaufstempel bis 21:30 bzw. 22:00 Uhr geöffnet haben. Slalom von allem Seiten inklusive. 😵‍💫 
Der Bahnhof Tokyo by night. 
Uguisudanis Nachtclub- und Hotelmeile sieht aber auch ganz nett aus. Außerdem habe ich endlich mein 
Stempelchen gefunden.  
Stempel sind in Japan sehr beliebt. Die großen Bahnhöfe haben eigentlich alle einen, für die sammelwütigen und sonstigen Freunde gestempelter Erinnerungen. ☺️


Donnerstag, 4. Juni 2026

Von Shibuya nach Harajuku - same old but different

Morgens um 8 Uhr in Tokyo... ist kaum etwas auf und außerdem Rush Hour. Die Übung mit dem Zug verschob ich daher kurzerhand... Origamifaltung sollte auf Papier begrenzt bleiben. 
in Uguisudani/Iriya, der Gegend um Ueno herum, gibt es überraschend viele Cafés, in denen fast nur Ausländer sitzen. Nun könnte man meinen, klar, wer süffelt sonst unter der Woche öffentlich an seinem Kaffee? Aber so ist es nicht, Japaner sitzen nur in anderen Cafés: Den großen Ketten, frostklimatisiert und mit Steckdose für den Arbeitslaptop ausstattet.   
Ich hatte es doch lieber gemütlicher mit Holz und Pflänzlis. 

Dann aber ging es zur Yamanote-Ringbahn, denn was ist ein Tokyo-Aufenthalt, wenn man nicht in Shibuya und Harajuku vorbeischaut? Damals das Mekka für uns Austauschstudis Dank preiswerter Trend-Läden, Foto-Automaten und Crêpes. 

Links im Bild recht versteckt ist Hachiko, die Hundestatue. Rechts ein neues Info-Häuschen.

Shibuya (ihr wisst schon, riesige Kreuzung) ist ein Moloch und der Umbau des Bahnhofs tut sein Übliches. Einige beklagen, dass das winkelige gammelige Vergnügungsviertel seinen Charme an die seelenlosen geraden Fassaden der Einkaufstempel verloren habe.
In Teilen stimmt das sicher, aber der Neubau macht auch vieles richtig. Der Miyashita-Park z.B. ist ein Kaufhaus-Komplex, der Innenflächen, Außengallerien und sogar ein Rasen-Deck kombiniert. Er bietet dringend benötigte Aufenthalts- und Sitzflächen, sogar an der frischen Luft, und auch etwas begrenzte Grünfläche.
Auf dem Weg nach Harajuku sind auch die Omotesando bzw. Ura-Harajuku-Gegenden ein echter Gewinn. Früher geldtechnischerweise kaum von mir beachtet, bietet die Luxus- Gegend Ambiente für alle, die es sich leisten können. 
Man könnte z B. In dieser wunderbaren "Kirche" heiraten. 🤭 
Ich war aber auf der Suche nach neumodischen Cafés, wo man draußen essen könnte. Im Brown Rice gibt es z.B. auch veganes Essen auf Terassien. :) Natürlich weht einem bei Tofu, Reis und Miso-Suppe trotzdem ein Lüfter in den Rücken, aber gut.... 
Harajuku, der Eingang zur Takeshita-Street.  Busy wie eh und je... 
Tja, viele alte Geschäfte Klamottengeschäfte sind weg. V.A. die Harajuku-Girl-Style-Geschäfte, die (vereinfacht gesagt) leichte und pastellige Ableger des Gothik waren, sind passé. Heute gibt es noch ein paar Touri-Shops und was ich liebevoll als Jogginghosen-Gothik bezeichne. 
Ansonsten setzen die Tiercafès Trends: Da Katzen ja jeder hat, gibt es jetzt Igel, Uhus, Otter und das neuste ist wohl Mini-Schwein-Café (Cappybaras). Nicht nur PETA dürfte das fragwürdig fingden...
Immerhin, mein alter Second HandShop überlebt irgendwie, auch wenn die Öffnungszeiten 16:00-19:00 Uhr und nur an wenigen Wochentagen liegen.  
Themen-Cafes sind überhaupt der neuste Schrei: Voila, Snoopy hat es auch nach Harajuku geschafft!

Am Abend traf ich mich dann mit einer Freundin im Vegan Gyoza- Café.  Denn: Terrasse!  ☺️ Und auch hier nur Ausländer. Die japanische Freundin kam sich schon etwas komisch vor. 
Gyoza-Teigtaschen, farbkodiert, damit man weiß, was man gerade ist. Es gab Mischungen mit allem:  Aubergine, Knoblauch, Lauch, Koriander, Ingwer... lecker! 

Daraufhin began ich mich wieder mach Hause für einen ohrstöpseligen Schlaf. Tokyo ist laut! 😑 Aber die Fenster müssen auf, sonst droht Erstickungsgefahr. 

Sonntag, 31. Mai 2026

Shoppen Shoppen Shoppen

Der Titel lässt es vielleicht erahnen; Was wäre eine Reise nach Tokyo ohne einen Anfall leicht unkontrollierten Raffens von allem, was einem so kaaawaiiii (niedlich) entgegenleuchtet? Schuldig im Sinne der Anklage. Aber 100¥ sind gerademal 54 Cent! Die Hälfte! (2012 waren es 100¥ = 1 €!) 
Der Tag fängt aber nicht vor 11:00 Uhr an,  daher war Zeit, etwas Blog zu schreiben.  Dieses nette Morgencafé in Uguisudani hatte zum Glück noch keine Zeit, die Klimaanlage auf volle Leistung zu bringen. Blogschreiben kann man heutzutage am Handy erledigen, dafür kann man die Morgenstunden gut nutzen.

Bahnhof Ueno, ist er von dieser Seite nicht eine Pracht? Ich war auf der Suche nach einer neuen Kamera (kompakt, preiswert, ihr weißt schon?  So was gab's mal.... am Ende ist es ein altes Gebrauchtmodell geworden) und einem Handyakku, den mein armes Gerät hält den Tag nicht mehr durch. Das beste Modell am hiesigen Markt ist übrigens von Anker, deutsche Firma.  

Auch Ameyoko, die Einkaufsstraße in Ueno durfte nicht fehlen. 
Ich wollte nach Asakusa, dem Mekka für Gebrauchtgeräte und außerdem habe ich gehofft, ein Restaurant mit Außensitz zu finden. Leider gibt es in Ameyoko nur komische Bars (Touristenfalle ahoi), war jetzt nicht meins. 

Immerhin habe ich etwas Neues entdeckt:  Unter den Schienen, sprich als Teil der Eisenbahnstrecke, gibt es eine Kunsthandwerkstraße (2k540 Aki-Oka Artisan) mit schön-teurem Schnickschnack. Und einem sehr gut aussehenden Café, aber – das werdet ihr jetzt öfter hören – nur für Freunde des gepflegten Schock-Frostens (soll ja jung halten oder so... 🙄)
Aber die Betonwüste von Akiba (Abkürzung für Akihabara) eignet sich zugegebenermaßen kaum zum gemütlichen terassieren. 
Gerettet hat mich dieser nette Ort, Egoland. Mir war gar nicht klar, dass Akihabara neben Neonreklame und Technikkram auch eine nette schicke Seite hat.  

Ansonsten hier die neuste Ausgabe von: Komische Gaccha (Plastikkrams aus einem Ei, den man aus Maschinen ziehen kann) 
In diesem Automaten gibt es kleine Figuren-Kindersitze. Für Hamsterfiguren.  
Ich habe mir einen kleinen Beutel gezogen in Form eines Vögelchens. :)