Geht man allerdings den "falschen Weg", landet man erstmal etwas versetzt auf den Yanaka-Friedhof.
Der Friedhof gehörte eins zum Tennōji-Tempel, wurde diesem aber enteignet als im Zuge der Promotion des Shintoismus (1870~) Friedhofsflächen gebraucht wurden. Neue Flächen gab es schon damals nicht und die alten waren alle buddhistisch, da es jahrhundertelang eine Kompetenz-Aufteilung gegeben hatte und die Shintoisten, die den Tod als unrein betrachten, die dazugehörigen Riten gerne ausgelagert hatten. (Als sie merkten, dass das mächtig lukrativ war, war es schon zu spät. Aber in der Moderne war es wieder Thema, denn die Schreine mussten sich mehr ald zuvor selbst versorgen.)
Schöne Bäumchen gibt es auch. Der Tennōji-Tempel, dem ursprünglich alles gehörte, ist auch heute noch Platzhirsch der Gegend.
Die hinteren Straßen von Yanaka glänzen mit dem typischen Flair kleiner Stadtteile: alt und neu direkt nebeneinander.
Auf der Straße gibt jemand ein Papiertheater (Kami shibai) zum besten; Die Story wird zu Bildkarten erzählt.
Die Kabel ziehen sich fröhlich durch die Stadt. Angeblich gibt es die neue Devise, dass neue Stadtteile nur noch Erdkabel bekommen und bestehende Masten zurückgebaut werden sollen. Beim letzten großen Erdbeben auf der Noto-Halbinsel 2024 waren zu viele wichtige Masten kaputt gegangen und außerdem seien sie nicht schön im Stadtbild. 😅 Tja, allerdings geht der Rückbau schleppend, Erdarbeiten sind halt auch nicht beliebt.
Café mit Terrasse! Neben Hanamori gibt es auch das Café Kōjō (珈琲工場), mit Hōjicha (gerösteter Grüntee)- und Mango-Tiramisu.
Auf dem Weg gab es auch einen Kinako-kanten-Stand. Das ist geleeartiges Zeugs mit süßem Sojabohnenmehl, über das man braunen Zuckersirup kippt. Das musste probiert werden, wurde allerdings nicht für gut befunden.
Vor allem seit Corona haben Neuerungen im Kassensystem Einzug gehalten. Hier ein schönes Modell. Man steht zwar immer noch an der Kasse und bekommt die Sachen gescannt, löst den Zahlvorgang dann aber am Bildschirm selbst aus und gibt sein Geld in die vorhergesehrnen Schlitze.
Yanaka schließt um 18:00 Uhr, weswegen man danach noch die Schnappsidee haben kann, zum großen Adachi- Feuerwerk aufzubrechen. Ja ja, man hätte es wissen können. Aber bisher war ich immer gut vorbereitet Stunden früher da gewesen....
Sagen wir so, es war eigentlich schon vorbei, als ich am nahe gelegenen Bahnhof (immerhin noch 20 Minuten Laufweg zum Ufer, Busse alle stillgelegt) ausstieg und auf eine Hundertschaft Ordnungskräfte stieß, die alle in die vorgesehenen Bahnen lenkten und außerdem verkündeten, dass das Ufer wegen Überfüllung schon gesperrt sei. Was ich nämlich nicht gewusst habe, war, dass die Uferpromenade auf einer Böschung liegt, deren Zugänge also alle bereits abgeriegelt waren.
Blieb also nur, durch die Hochhäuserschluchten ein paar Blicke auf das Feuerwerk zu erhaschen, und dann Land zu gewinnen, bevor alle sich auf den Rückweg machten.
Dabei fiel mir wirder auf, dass das Land im Prinzip durch Rentner aufrechterhalten wird. Gefühlt 80% der Ordner waren jenseits des Arbeitsalters und ein nicht erheblicher Teil davon sah aus als wären sie noch vor dem Krieg geboren.
An einem anderen Tag fuhr ich noch zum Bahnhof Tokyo, dessen Einkaufstempel bis 21:30 bzw. 22:00 Uhr geöffnet haben. Slalom von allem Seiten inklusive. 😵💫
Stempelchen gefunden.
Stempel sind in Japan sehr beliebt. Die großen Bahnhöfe haben eigentlich alle einen, für die sammelwütigen und sonstigen Freunde gestempelter Erinnerungen. ☺️