Samstag, 6. Juni 2026

Etwas Flair des alten Edo – Yanaka Ginza

Am Rande der Yamanote-Ringbahn (sprich dem zentralen Gebiet Tokyos) liegt die Yanaka Ginza, ein Gebiet, das etwas alten Flair mit netten Shops für einheimische und Touristen bietet. Yanaka heißt "mitten im Tal", "Ginza" ist der Silbersitz. Ursprünglich bezeichnet das quasi die Silberbörse, die seit dem 17. Jh. in der Nähe des Tokyo-Bahnhofs, dem namensgebenden Ginza-Viertel lag. Später wurden jedoch viele Einkaufsstraßen und Umschlagplätze auch Irgendwas-Ginza genannt.  
Kontrast dazu: Der Bahnhof Nippori, das Einflugstor.
Geht man allerdings den "falschen Weg", landet man erstmal etwas versetzt auf den Yanaka-Friedhof.
Der Friedhof gehörte eins zum Tennōji-Tempel, wurde diesem aber enteignet als im Zuge der Promotion des Shintoismus (1870~) Friedhofsflächen gebraucht wurden. Neue Flächen gab es schon damals nicht und die alten waren alle buddhistisch, da es jahrhundertelang eine Kompetenz-Aufteilung gegeben hatte und die Shintoisten, die den Tod als unrein betrachten, die dazugehörigen Riten gerne ausgelagert hatten. (Als sie merkten, dass das mächtig lukrativ war, war es schon zu spät. Aber in der Moderne war es wieder Thema, denn die Schreine mussten sich mehr ald zuvor selbst versorgen.) 
Der moderne Teil hat Grabplatten, wohl Einzelgräber. 
Schöne Bäumchen gibt es auch. Der Tennōji-Tempel, dem ursprünglich alles gehörte, ist auch heute noch Platzhirsch der Gegend.  
Eine Buddhaststue sitzt geduldig hinter dem modernen Tor des Trmpels.
Die hinteren Straßen von Yanaka glänzen mit dem typischen Flair kleiner Stadtteile: alt und neu direkt nebeneinander. 
In der Ladenstraße am Wochenende ist mächtig was los. 
Auf der Straße gibt jemand ein Papiertheater (Kami shibai) zum besten; Die Story wird zu Bildkarten erzählt.  
Die Kabel ziehen sich fröhlich durch die Stadt. Angeblich gibt es die neue Devise, dass neue Stadtteile nur noch Erdkabel bekommen und bestehende Masten zurückgebaut werden sollen. Beim letzten großen Erdbeben auf der Noto-Halbinsel 2024 waren zu viele wichtige Masten kaputt gegangen und außerdem seien sie nicht schön im Stadtbild.  😅 Tja, allerdings geht der Rückbau schleppend, Erdarbeiten sind halt auch nicht beliebt.    
Ich habe einen Schreibwarenladen (Bungu) gesucht, der Online-Karte sei dank habe ich ihn auch gefunden. Wie diese Geschäfte sich halten, ist mir ein Rätsel, Laufkundschaft kann es bei diesem Versteckspiel eigentlich nicht geben.  
Café mit Terrasse!  Neben Hanamori gibt es auch das Café Kōjō (珈琲工場), mit Hōjicha (gerösteter Grüntee)- und Mango-Tiramisu. 

Auf dem Weg gab es auch einen Kinako-kanten-Stand. Das ist geleeartiges Zeugs mit süßem Sojabohnenmehl, über das man braunen Zuckersirup kippt. Das musste probiert werden, wurde allerdings nicht für gut befunden. 

Vor allem seit Corona haben Neuerungen im Kassensystem Einzug gehalten. Hier ein schönes Modell. Man steht zwar immer noch an der Kasse und bekommt die Sachen gescannt, löst den Zahlvorgang dann aber am Bildschirm selbst aus und gibt sein Geld in die vorhergesehrnen Schlitze. 
Yanaka schließt um 18:00 Uhr,  weswegen man danach noch die Schnappsidee haben kann, zum großen Adachi- Feuerwerk aufzubrechen. Ja ja, man hätte es wissen können. Aber bisher war ich immer gut vorbereitet Stunden früher da gewesen.... 
Sagen wir so, es war eigentlich schon vorbei, als ich am nahe gelegenen Bahnhof (immerhin noch 20 Minuten Laufweg zum Ufer, Busse alle stillgelegt) ausstieg und auf eine Hundertschaft Ordnungskräfte stieß, die alle in die vorgesehenen Bahnen lenkten und außerdem verkündeten, dass das Ufer wegen Überfüllung schon gesperrt sei. Was ich nämlich nicht gewusst habe, war, dass die Uferpromenade auf einer Böschung liegt, deren Zugänge also alle bereits abgeriegelt waren.  
Blieb also nur, durch die Hochhäuserschluchten ein paar Blicke auf das Feuerwerk zu erhaschen, und dann Land zu gewinnen, bevor alle sich auf den Rückweg machten.  

Dabei fiel mir wirder auf, dass das Land im Prinzip durch Rentner aufrechterhalten wird. Gefühlt 80% der Ordner waren jenseits des Arbeitsalters und ein nicht erheblicher Teil davon sah aus als wären sie noch vor dem Krieg geboren.
An einem anderen Tag fuhr ich noch zum Bahnhof Tokyo, dessen Einkaufstempel bis 21:30 bzw. 22:00 Uhr geöffnet haben. Slalom von allem Seiten inklusive. 😵‍💫 
Der Bahnhof Tokyo by night. 
Uguisudanis Nachtclub- und Hotelmeile sieht aber auch ganz nett aus. Außerdem habe ich endlich mein 
Stempelchen gefunden.  
Stempel sind in Japan sehr beliebt. Die großen Bahnhöfe haben eigentlich alle einen, für die sammelwütigen und sonstigen Freunde gestempelter Erinnerungen. ☺️


Donnerstag, 4. Juni 2026

Von Shibuya nach Harajuku - same old but different

Morgens um 8 Uhr in Tokyo... ist kaum etwas auf und außerdem Rush Hour. Die Übung mit dem Zug verschob ich daher kurzerhand... Origamifaltung sollte auf Papier begrenzt bleiben. 
in Uguisudani/Iriya, der Gegend um Ueno herum, gibt es überraschend viele Cafés, in denen fast nur Ausländer sitzen. Nun könnte man meinen, klar, wer süffelt sonst unter der Woche öffentlich an seinem Kaffee? Aber so ist es nicht, Japaner sitzen nur in anderen Cafés: Den großen Ketten, frostklimatisiert und mit Steckdose für den Arbeitslaptop ausstattet.   
Ich hatte es doch lieber gemütlicher mit Holz und Pflänzlis. 

Dann aber ging es zur Yamanote-Ringbahn, denn was ist ein Tokyo-Aufenthalt, wenn man nicht in Shibuya und Harajuku vorbeischaut? Damals das Mekka für uns Austauschstudis Dank preiswerter Trend-Läden, Foto-Automaten und Crêpes. 

Links im Bild recht versteckt ist Hachiko, die Hundestatue. Rechts ein neues Info-Häuschen.

Shibuya (ihr wisst schon, riesige Kreuzung) ist ein Moloch und der Umbau des Bahnhofs tut sein Übliches. Einige beklagen, dass das winkelige gammelige Vergnügungsviertel seinen Charme an die seelenlosen geraden Fassaden der Einkaufstempel verloren habe.
In Teilen stimmt das sicher, aber der Neubau macht auch vieles richtig. Der Miyashita-Park z.B. ist ein Kaufhaus-Komplex, der Innenflächen, Außengallerien und sogar ein Rasen-Deck kombiniert. Er bietet dringend benötigte Aufenthalts- und Sitzflächen, sogar an der frischen Luft, und auch etwas begrenzte Grünfläche.
Auf dem Weg nach Harajuku sind auch die Omotesando bzw. Ura-Harajuku-Gegenden ein echter Gewinn. Früher geldtechnischerweise kaum von mir beachtet, bietet die Luxus- Gegend Ambiente für alle, die es sich leisten können. 
Man könnte z B. In dieser wunderbaren "Kirche" heiraten. 🤭 
Ich war aber auf der Suche nach neumodischen Cafés, wo man draußen essen könnte. Im Brown Rice gibt es z.B. auch veganes Essen auf Terassien. :) Natürlich weht einem bei Tofu, Reis und Miso-Suppe trotzdem ein Lüfter in den Rücken, aber gut.... 
Harajuku, der Eingang zur Takeshita-Street.  Busy wie eh und je... 
Tja, viele alte Geschäfte Klamottengeschäfte sind weg. V.A. die Harajuku-Girl-Style-Geschäfte, die (vereinfacht gesagt) leichte und pastellige Ableger des Gothik waren, sind passé. Heute gibt es noch ein paar Touri-Shops und was ich liebevoll als Jogginghosen-Gothik bezeichne. 
Ansonsten setzen die Tiercafès Trends: Da Katzen ja jeder hat, gibt es jetzt Igel, Uhus, Otter und das neuste ist wohl Mini-Schwein-Café (Cappybaras). Nicht nur PETA dürfte das fragwürdig fingden...
Immerhin, mein alter Second HandShop überlebt irgendwie, auch wenn die Öffnungszeiten 16:00-19:00 Uhr und nur an wenigen Wochentagen liegen.  
Themen-Cafes sind überhaupt der neuste Schrei: Voila, Snoopy hat es auch nach Harajuku geschafft!

Am Abend traf ich mich dann mit einer Freundin im Vegan Gyoza- Café.  Denn: Terrasse!  ☺️ Und auch hier nur Ausländer. Die japanische Freundin kam sich schon etwas komisch vor. 
Gyoza-Teigtaschen, farbkodiert, damit man weiß, was man gerade ist. Es gab Mischungen mit allem:  Aubergine, Knoblauch, Lauch, Koriander, Ingwer... lecker! 

Daraufhin began ich mich wieder mach Hause für einen ohrstöpseligen Schlaf. Tokyo ist laut! 😑 Aber die Fenster müssen auf, sonst droht Erstickungsgefahr. 

Sonntag, 31. Mai 2026

Shoppen Shoppen Shoppen

Der Titel lässt es vielleicht erahnen; Was wäre eine Reise nach Tokyo ohne einen Anfall leicht unkontrollierten Raffens von allem, was einem so kaaawaiiii (niedlich) entgegenleuchtet? Schuldig im Sinne der Anklage. Aber 100¥ sind gerademal 54 Cent! Die Hälfte! (2012 waren es 100¥ = 1 €!) 
Der Tag fängt aber nicht vor 11:00 Uhr an,  daher war Zeit, etwas Blog zu schreiben.  Dieses nette Morgencafé in Uguisudani hatte zum Glück noch keine Zeit, die Klimaanlage auf volle Leistung zu bringen. Blogschreiben kann man heutzutage am Handy erledigen, dafür kann man die Morgenstunden gut nutzen.

Bahnhof Ueno, ist er von dieser Seite nicht eine Pracht? Ich war auf der Suche nach einer neuen Kamera (kompakt, preiswert, ihr weißt schon?  So was gab's mal.... am Ende ist es ein altes Gebrauchtmodell geworden) und einem Handyakku, den mein armes Gerät hält den Tag nicht mehr durch. Das beste Modell am hiesigen Markt ist übrigens von Anker, deutsche Firma.  

Auch Ameyoko, die Einkaufsstraße in Ueno durfte nicht fehlen. 
Ich wollte nach Asakusa, dem Mekka für Gebrauchtgeräte und außerdem habe ich gehofft, ein Restaurant mit Außensitz zu finden. Leider gibt es in Ameyoko nur komische Bars (Touristenfalle ahoi), war jetzt nicht meins. 

Immerhin habe ich etwas Neues entdeckt:  Unter den Schienen, sprich als Teil der Eisenbahnstrecke, gibt es eine Kunsthandwerkstraße (2k540 Aki-Oka Artisan) mit schön-teurem Schnickschnack. Und einem sehr gut aussehenden Café, aber – das werdet ihr jetzt öfter hören – nur für Freunde des gepflegten Schock-Frostens (soll ja jung halten oder so... 🙄)
Aber die Betonwüste von Akiba (Abkürzung für Akihabara) eignet sich zugegebenermaßen kaum zum gemütlichen terassieren. 
Gerettet hat mich dieser nette Ort, Egoland. Mir war gar nicht klar, dass Akihabara neben Neonreklame und Technikkram auch eine nette schicke Seite hat.  

Ansonsten hier die neuste Ausgabe von: Komische Gaccha (Plastikkrams aus einem Ei, den man aus Maschinen ziehen kann) 
In diesem Automaten gibt es kleine Figuren-Kindersitze. Für Hamsterfiguren.  
Ich habe mir einen kleinen Beutel gezogen in Form eines Vögelchens. :) 


Freitag, 29. Mai 2026

Eine schöne Villa mit Park - Kyu-Iwasaki-Teien

Ueno liegt in Chiyoda, ein altes Viertel voller Charme. Daher führte mich der Weg zum Anwesen der Iwasaki-Familie, den Gründern von Mitsubishi. 
Der Name Kyū-Iwasaki-tei heißt „ehemalige Iwasaki-Residenz“.
Die hatten es da ganz nett. Ganz zeitgenössisch gibt es ein zweigeschossiges Haupthaus im westlichen Stil, dahinter aber auch ein Gebäude im japanischen Stil und natürlich ein Billard-Haus im "Garten". Was man halt so hat.  ;)
Im Zimmerchen herrschten ganz angenehme Temperaturen, sogar im "Wintergarten", der doch verdächtig an japanische Verandengänge erinnert. Allerdings handelt es sich wohl um den Landhausstil aus Pennsylvania, wo der Hausherr studiert hatte.  
Aber beheizt. 
Der Überhang der Hausteile fällt recht direkt aus. 
Heute ist im japanischen Teil - neben einer öffentlichen Toilette, natürlich - auch ein Teehaus drin. 
Fein mit Klo-Schlappen natürlich. 
Japanischer Matcha-Grüntee und eine marzipanähnliche Süßigkeit. 
Sicht aus dem Garten
Mit Billard-Gartenhäusel

Ein Blick auf die überaus praktische Online-Karte verriet, dass es ein kleines Kumstmuseum in der Nähe gibt.  Das Yayoi-Museum widmet sich v.a. Illustratoren.
Obwohl ich die ausgestellte Mangaka (Comiczeichnerin) nicht kannte, hab es ganz wunderbare Original-Aqurelle zu sehen. 

Danach musste ich nun aber doch den Rückweg antreten. Im Ueno-Park gibt es zum Glück ein Restaurant mit Freisitz. Die sind rar gesäht, aber überlebenswichtig, möchte man nicht schockgefrostet werden. Die Energiesparlust der Japaner hat wohl wieder abgenommen;  Für mich sind die Innentemperaturen der Restaurants echt an der Schmerzgrenze. 🥶
Mittagessen 🤭

Am Bahnhof habe ich dann ein Ticket für den begehrten Nachtzug ergattert (erzähl ich demnächst) und dann war auch schon Zeit, um mich mit Freunden zu treffen. 
Ich beende meinen ersten Tag daher mit diesem schönen Foto eines  Bahnhofs.