Der Tag beginnt mit Frühstück und Planung, schließlich will der beste Rail-Pass gefunden werden. Stelle man es klug an, kann man bei den Zügen gut sparen, aber das Gewirr der des Angebots ist erschlagend. Am Ende entscheide ich mich für den Kasai San'in Pass (18.000 ¥, ca. 100€), der mich sieben Tage lang JR (was die japanische DB ist) fahren lässt. Außer von Tokyo nach Okayama, dass wir nur den richtig teuren Pässen abgedeckt und lohnt sich nicht. Aber ich hatte da ja was viel besseres, nämlich den Nachtzug. Dachte ich. Der Taifun dachte anders.
Aber zunächst war das Wetter bei 28°C mit Wind prächtig (oder "heeeiiiiiiß" wie jeder sagte, den man fragt).
Natürlich stand auch wieder Shinjuku auf meiner Liste, gibt es sich da einen Künstlerbedarf Großhandel (Sekaidō, wörtlich "Welt-Tempel") - ein Tempel für Papier und Co. Aber... 30.000 ¥ sind halt bloß 160€! 👻👾🥳
Auf der Südterasse von Shinjuku lauert noch mehr Gefahr in Gestalt des Takashimaya-Kaufhauses (eine Etage nur Schreibkram 😍), aber da habe ich dieses Mal ausgelassen, genauso wie das leckere Restaurant mit Spezialitäten aus Miyazaki (Präfektur auf Kyūshū), in dem ich das letzte mal war.
Von Shinjuku aus läuft man gut nach Yoyogi, da Shinjukus Südterasse quasi schon bis dahin rangebaut ist. Ein bisschen alten Kabel-Charme bietet die Gegend aber immer noch.
Natürlich war ich auf der Suche nach Café und Luft, erhältlich im Kitasando Café.
Am Dienstag, dem 2. Juni, war ich dann wider mit Freundin Nancy unterwegs und im Karaoke, damit ich dann ganz entspannt vor der Rush Hour mein Köfferchen zum Bahnhof Tokyo bugsieren und nach lecker Abendbrot in den Nachtzug steigen könnte. Alltäglich sollte Taifun Nr.6 in der Nacht aus dem Westen in Tokyo landen und entsprechend aus Okayana schon abgerauscht sein.
Ich hatte nämlich am Schalter extra eines der heißbegehrten Tickets für den Sunrise Seto Nachtzug ergattert. Als einer von zwei letzten Nachtzügen Japans eigentlich immer ausgebucht, hatte ich sogar die Wahl zwischen Nobi-nobi ("langgestreckt"; Teppichklasse, man liegt auf einem Schlafdeck neben anderen Leuten und sieht zu, wie man es sich bequem macht) und Solo, was verdächtig wie Einzelzimmer klingt. Dann gibt es aber auch noch Single... 🤔
Aber egal, die JR meinte verhindern zu wollen, dass wir wortwörtlich irgendwo aufklatschen, da ich nicht bedacht hatte, dass der Taifun die ganze Nacht genau an der Küste entlangschrammte, an der der Zug fahren sollte.
Dass der Zug gecancelt war, merkte ich im Zug nach Tokyo, so dass ich noch in Ueno rausspringen und zum Schalter laufen konnte. (Will nicht wissen, was an den Shinkansen- Bahnhöfen los war.) Die Erstattung gibt reibungslos, trotzdem dauerte es eine gute Stunde, bis ich mit einem neuen Shinkansen-Ticket bewaffnet nach Okayama düste, bevor auch die Schnellzüge den Betrieb einstellen würden. Es hatte keinen Sinn, in Tokyo zu warten, denn Tickets für den Nachtzug würde es nicht mehr geben und der Taifun würde am Mittwoch Tokyo außer Gefecht setzen, während im Westen wieder alles paletti war.
Solo oder doch eher Sarg? Das Foto konnte ich später schießen, als der Nachtzug in Izumo rumstand. Das hier ist die Solo-"Kabine". Nja.. Jetzt weiß ich, warum die Holzklasse so großzügig als nobi-nobi (langgestreckt) beschrieben wird. Da ist man immerhin nicht... konserviert.
Hier das Wikipedia-Bild zur Ansicht.
Immerhin, moderne Zeiten sei dank, habe ich in Zug einfach ein Hotel gebucht und für war's. In Okayama habe ich ein neues Bilighotel-Konzept erkundet: Schlafkabinen, die quasi Zimmer sind, aber nicht abgeschlossen werden können und nur eine Falttür haben. Die Bereiche sind nach Mann/ Frau getrennt, die dann jeweils durch eine Schlüsselkarte gesichert sind.
Sowas funktioniert halt in Japan. Mit Ohrstöpseln bewaffnet kann man gut schlafen, während der Taifun ungesehen und - gehört draußen wütete. Schade eigentlich. Habe durch das Fenster im Gang etwas beobachtet; hartgesottene Radfahrer hält sich ein Taifun nicht ab. 😲
Das Highlight des Hotels war das Großbad, das viele japanische Hotels (neben schnöden Duschkabinen) haben. Da kann man sich ausbreiten und dann nach Herzenslust im Sprudelbad wässern. Und das war dann der Auftakt meiner "Reise in der Reise".