Es ist schon so eine Sache mit der Übernachtung. Man könnte sich ja ein Hotel leisten. Aber Hotels haben einen entscheidenden Nachteil: Man kann die Fenster nicht öffnen. Erstens, weil die meisten Hotels in Wolkekratzern untergebracht sind und zweitens, weil es ja Klimaanlagen gibt. Wer will denn da noch... frische Luft. Je nach Zimmergröße absoluter Klaustrophobiealarm (sprich immer). Also heißt es "Gesutohausu", was ja auch sehr nett ist und auch billiger. Meistens aber nicht mit eigenem Bad zu haben, da ich aber eh auf die Badehäuser der Umgebung späkulierte, bezog ich ein unglaublich günstiges Gasthaus. 18.000 Yen für 4 Tage, insgm. 100 Eurönchen. Dafür hab' ich in den Niederlanden im Mai ein Etagenbett im Schlafsaal für eine Nacht bekommen.
Dieses traditionelle Haus ist alt, nicht im Sinne von alt und gediegen - das wäre teures Ryokan-Gebiet - sondern alt im Sinne "da hat bestimmt die Oma drin gewohnt". Na gut, die Uroma. Waschechtes Nachkriegshaus, praktisch Originalzustand.
Der hilfreiche Hinweis, nie mehr als drei Geräte gleichzeitig zu benutzen, passte ins Ambiente. Das Stromnetz war mit den Klimaanlagen wohl gut ausgelastet. Für meine Zwecke hat es vollkommen genügt, es war leise und außerdem war kaum einer da.
Das Frühstück: Toastscheibe (jepp, Scheibe. Wenn man so'n Toast halt in 2 Scheiben teilt.. ) mit Anko-rote-Bohnen-Paste. Schmeckte überraschend lecker und war auch die einzige Wahl, wenn man halt mäckelig wie ich süß essen möchte.
Danach ging es raus in die Pampa. Denn da waren wir eindeutig. Der Bus fuhr überraschend selten und der Schrein hockt halt (wie immer) in den Bergen. Die gloriosen Zeiten sind auch vorbei; es gab mal eine Station wesentlich näher am Schrein, aber die ist stillgelegt.
Izumo gehört zwar zu den ältesten Schreinen, in dem die alten Götter verehrt werden, hat aber immer in gewisser Rivalität zum Kaiserhaus und deren Schreinen gestanden. Hauptgottheit Okuninushi kommt nämlich chronologisch vor Sonnengöttin Amaterasu, Ahnenherrin der Tenno-Linie. Ergo ist Izumo wichtiger als Ise. Sagt Izumo. Aber im Zuge der Bildung des Kaiserreiches hat Izumo entscheidend gegen den Ise-Schrein verloren, da die Zentralisierung des Shinto um den Tenno ein wichtiges Ziel gewesen war. Außerdem liegt Ise hilfreicherweise immerhin (in der Pampa) zwischen Tokyo und Kyoto.
Und so juchteln v.a. die Götter selbst nach Izumo, jeden Oktober zur großen Besprechung. Ganz stilecht auch Wolken, daher auch der Name Izumo (die Wolken erscheinen). Vielleicht wird da besprochen welcher Wunsch nach Liebe erhört wird, denn Izumo ist bekannt dafür, Partnerwünsche zu erfüllen.
Der Legende nach kommen bloß die tauben Götter nicht (Sachen gibt's), die haben den Ruf wohl nicht gehört? 😅 Jedenfalls nennt man den Oktober nach altem Namen in Izumo daher „Monat, in dem die Kami da sind“ (kami-ari-zuki) und im Rest des Landes „Monat, in dem die Kami weg sind“ (kan-na-zuki).
Als erstes sieht man dieses imposante Gebäude. Schönes fettes Seil, dafür ist Izumo ja bekannt. Das Seil ist ein typischen Element aller Schreine, denn es hält Unreinheiten vom Gelände fern. Hm... auf den Fotos sieht das irgendwie späktakulärer aus...
Der Eingang zum Hauptschrein besteht aus imposanten Holzbauten, das Heiligtum selbst ist wie üblich durch einen Holzzaun den Blicken entzogen.
Kleinere Nebenschreine und abgelegte Wahrsagepapiere säumen das Gelände.
Hinter dem Zaun ist eine hohe Halle zu sehen, mit 24 Metern die höchste dieser Shinto-typischen Bauart Das war er, der (wohl) älteste Schrein Japans.
Aber nein, wer jetzt geht, der verpasst die Hauptattraktion! Die liegt nämlich gar nicht auf dem Hauptgelände, sondern daneben. Die Shinden-Halle hat das imposanteste Seil des Landes, 4.5 Tonnen soll es schwer sein, 8 Meter an der dicksten Stelle messen!
Es soll Glück bringen, wenn man eine Münze ins Seil wirft und diese stecken bleibt. Dazu muss man so'ne Münze aber erstmal bis da hoch flippen. 😆
In Izumo gibt es viele Hasen. Der Legende nach hatte Okuninushi (Gott von Izumo) einen Hasen gerettet, der furchtbare Schmerzen litt und eher dumm war. Der Hase hatte nach einer missglückten List wortwörtlich das Fell über die Ohren gezogen bekommen und folgte dem Rat von Okuninushis Brüdern, im Meerwasser zu baden. Hatte jetzt nicht so den schmerzlindernden Effekt, wa. Okuninushi hingegen war so nett und riet, es doch mal mit Quellwasser zu versuchen. Der Hase, natürlich auch eine Gottheit, prophezeite dann, dass Okuninushi (und keiner seiner Brüder) die Prinzessin heiraten würde, die sie gerade retten wollten. Tja ja, ist halt auch nicht ohne, Gott zu sein...