Der Tag war ja gerade mal in der Mitte angekommen. Vom Kiyomizu ging es also Richtung Yasaka-Shrein, weil da "die Mitte" von Kyoto ist, wenn man so will. (Die tatsächliche Mitte ist eher am Nijo-Schloss, wo ich eher unpraktischerweise meine Unterkunft hatte.)
Zum ersten Mal habe ich dabei den Maruyama-Park genauer in Augenschein genommen. (Es war auch echt heiß und sonnig, daher: Schatten!)
Begrüßt wurde ich von zwei Statuen, die mir doch sehr bekannt vorkamen. Sakamoto Ryoma und Nakaoka Shintaro von der Shinsengumi, einer Samurai-Truppe, die einst gegen das Shogunat für den Rückkehr zur echten Monarchie kämpfte. Ich habe meine Bachelorarbeit zur medialen Darstellung Ryomas gemacht. Erst ein Verräter, dann ein Nationalheld, dann wieder der erste Romantiker! Da er die erste belegte Hochzeitsreise mit seiner O-Ryō gemacht hat, einem Serviermädchen, das ihn einst frisch aus der Badewanne im Evakostüm vor der Polizei gewarnt haben soll.
Der Yasaka-Schrein ist (natürlich) alt und groß, seit dem 7. Jh. v.a. Susano-o, dem Bruder der Sonnengöttin Amaterasu und damit einem der wichtigsten Shinto-Kami, gewidmet. Allerdings spielt die Verehrung (d.h. Beschwichtigung) von Gozu-Tennō eine viel wichtigere Rolle, denn das war der Bringer von Krankheiten.
Im Shinto glaubt man, dass Krankheiten bzw. Unglück u.a. von rachsüchtigen Geistern gebracht wurden, so dass die Kyotoer einen ganzen Monat lang ein Fest zur Purifizierung abhielten. Das Gion-Matsuri im Juli ist daher der Höhepunkt eines Kyoto-Besuchs, den ich mir Anno 2015 in strömenden Regen gegönnt habe. Heutzutage ist das Fest wohl eher wegen Überfüllung zu meiden? 😒 Aber nunja, als Tourist hat man wohl diesbezüglich die Klappe zu halten.
Am Schrein ist viel los; Er ist als Kulisse für Hochzeiten und bei Kimono-Ausleihenden gleichermaßen geliebt. Überhaupt boomt der Kimono bzw. Yukata-Verleih. Die "echten" von den "falschen" kann man am besten an den Schuhen unterscheiden. ;) Sneaker zum Yutaka ist schon eine sehr spezielle Mode.
Danach war ich neugierig auf Gion. Das berühmte Restaurant- und Geisha-Viertel, das in letzter Zeit so viel Schlagzeilen gemacht hat. Die Geisha würden belästigt, von wild fotografierenden Touristen geradezu belagert und gejagt und es sei überhaupt nicht mehr auszuhalten. In der Tat hat die Stadt Maßnahmen ergriffen: Wohnstraßen sind als solche markiert und mit Warnschildern versehen, dass man dort nicht fotographieren dürfe und sich nicht aufzuhalten habe. Sonst drohe ein saftiges Busgeld. Außerdem sind die schönsten Straßenzüge jetzt ganz gesperrt, so dass man eine Tour buchen muss, um da ran zu kommen.
Ich war am helligten Tage, daher war es (noch) nicht überfüllt, aber ich kann die Vorgehensweise gut verstehen. Es schienen sich alle dran zu halten.
Für ein Erlebnis traditioneller Tänze und Geisha und Teezeremonien etc. pp. gibt es z.B. auch das Gion Corner, das wohl seit 1962 existiert, mir aber bisher nicht aufgefallen war. Auf alle Fälle haben sie ihre Präsenz erhöht, alles gibt's heutzutage auf Englisch, und so können Touristen "Kyoto-light" erfahren, ohne Geishas jagen zu müssen.
Dank Tagesticket gönnte ich mir auch einen Abstecher zu den zwei Honganjis, den westlichen und östlichen Haupttenpeln der Jōdo-Shinshū-Schule des Buddhismus. Die Busse kutschen nach wie vor ewig durch Kyoto, aber ich wollte ja auch die Stadt sehen.
(Das alte Busticket wurde durch ein Kombi-Ticket für Bus und Bahn abgelöst. Kostet das doppelte, aber 1000 ¥, ca. 6€ sind und Ordnung und es entlastet das überlastete Bussystem.)
Dies ist der Blick von der Haupthalle. Riesig halt.
Schon die Tore künden von der Pracht der Tempe.
Heutzutage ist man auch hier modern. Ein hässlicher Bildschirm sagt dir, dass du dich benehmen sollst. 😑
Bei 30°C war es wunderbar auf den alten Holzdielen zu laufen (die Schuhe mussten natürlich ausgezogen werden) und die Kühle der Holzhallen zu spüren.
Übrigens hatten die Tischlermeister wohl beim Ausbessern der Dielen ihren Spaß und kreieren Mosaikteilchen in verschiedenen Motiven zum ausbessern, wie im Bild oben rechts zu sehen.
Kyoto bei night. Schönes Terassen-Café am Fluss. Natürlich fängt der Name mit "Star" an und hört mit "bucks" auf. Ich brauchte aber was zu Essen. Fündig wurde ich in Bahnhofsnähe. Es gab Schweinekotlett, selbst gegrillt. Der schwarze Pott in der Mitte im Bild ist der kleine Tischgrill. Lecker lecker.
