Sonntag, 23. August 2026

Kyoto unter Shogunaler Aufsicht: Nijō-jō

Ein letzter Tag Kyoto brach an. Zeit, mein Domizil am Nijo-Schloss zu nutzen und eine letzte Runde ums Eck zu drehen und das Schloss zu besuchen. 
Im Viertel rund um das Schloss sind viele Häuser zu Ferienapartments umfunktioniert, aber nichts dest trotz gibt es noch den alten Charm, kleine Schreinchen und lokale Unikate.  
 
Im Cafe Seeberg z.B. gibt der alte Beistzer seine Film-Kollektion zum besten; alles ist voller alter und neuer Filmposter und man unterhält sich gerne über die neusten Kino-Hits. davon habe ich leider keine Ahnung, aber davor konnte ich immerhin das selbst-gebackene Brot loben. :) 
 
Wie immer in Kyoto stolpert man auch hier auf den 500 Metern zum Schloss über einen wunderschönen Schrein, der sogar ganz malerisch auf einem Inselchen im Wasser steht, weswegen die Schreinmauern fehlen und man mal einen Blick auf die traditionelle verschachtelte Struktur der Schreingebäude werfen kann. Es ist der Zen'nyo Ryuu-ou, Schrein für den Drachenkönig, der von dem weisen Mönch Kuukai (8 Jhr.), Gründer der Shingon-Schule des Buddhismus, in einer Regen-Zeremonie aus Indien hergerufen worden sein soll.   

Leider entging er trotzdmen nicht den Flammen und brannte 1788 nieder. Die jetzigen Gebäuse sollen trotzdem teilweise auf 1813 zurückgehen.   
 
Es ist jedenfalls eine wahre Oase und ich habe, glaube ich, noch nie einen wirklich so golden glänzenden Koi-Fisch gesehen wie dort. :)  
 
Mein Foto ist leider etwas dunkel, denn die Sonne glänzte und strahlte und piekte ordentlich und kann nicht mit meiner Kamera umgehen. Aber man sieht die hintereinander gebauten Schreingebäude hinter dem großen Frontgebäude, die normalerweise kaum zu sehen sind.   
 
Netterweise fungiert der Schrein als Mini-Park, so dass man durchgehen und auf der Staße zum Schloss hinausgehen kann. Das Schloss hingegen hält leider nur einen Eingang offen, weswegen man am Ecktürmchen vorbei brav um den Komplex zum Haupttor sandalettieren muss.   
Das Schloss (oder die Burg, wir nicht unterschieden) ist eine Machtdemonstration der Tokugawa-Shogune der Edo-Zeit (1603–1868) an den Kaiser. Heute ist sie UNESCO-Welterbe.

Die Shogune liefen dem Kaiser schon seit dem 12. Jh. den Rang ab, aber die erste Dynastie (der Ashikaga) hatte aufgrund ihres Erbes, sprich einesauseinanderfallenden Zetralstaats und entsprechend starker Feudalherren noch ordentlich mit dem Kaiserhof zu tun, der verschiedentlich mit Hilfe entsprechender lokaler Samuraiführer Streit vom Zaun brach. Als dies (stark verkürzt, jaja) zum faktischen Zusammenbruch der Zentralgewalt und der "Zeit der kämpfenden Reiche" führte (ca. Ende 15. Jh-Ende 16.Jh.), verschwand der Kaiserhof in der Bedeutungslosigkeit, während die drei Reichseigner dafür sorgten, dass alles niedergemäht wurde, was zu hoch gewachsen war.   

Trotzdem führte der erste Tokugawa-Shogun, Ieyasu, seine Abstammung (recht fadenscheinig) auf die Hofadelsfamilie der Minatomo zurück und lies sich om Kaiser ordnungsgemäß zum Shogun (Landesverteidiger) ernennen. Die Zentrale der Tokugawa sollte aber das spätere Tokyo werden. Um dem Kaiser in Kyoto aber zu vermitteln, was Sache war, lies man 1603 die Burg Nijo errichten, wo Ieyasu bei seinen Kyoto-Besuchen residierte und "die Wechselfälle der Tokugawa-Familie" erlebte, wie im deutschsprachigen Pamplet zu lesen ist. (Wozu gibt es eigentlich Google-Übersetzer?!) 

Die Burg wurde absichtlich so gebaut, dass sie den nahe gelegenen Kaiserpalast überragt. Als Burg war sie aber nie im Einsatz, weswegen auch häufig von Schloss gesprochen wird. 

Die Tore kommen entsprechend opulent und staatstragend daher. 

Einfach nur prächtig. :)  
Die Gebäude auf dem Gelände sind derwegen etwas missverständlich deklariert. Als Normalbesucher kann man das eigentliche Schlossgebäude, den Ninomaru-Palast, nämlich gar nicht besuchen. Dort ist die Besucheranzahl begrenzt, so dass man sich vorher um Extra-Tickets und Time-Slots bemühen muss. Wie immer habe ich das nicht gemacht und mich mit dem "Rest" begnügt. Dort darf nicht fotogrrafiert werden. Vier Gebäudeteile sind durch einen langen Korridor miteinander verbunden und nur auf dem Korridor darf man entlang gehen. Im Prinzip sieht man "nur eine endlose Reihe leerer Tatami-Zimmer", wie ein Kulturbanause neben mir bemerkte. Aber was für Zimmer! Ich habe in keinem anderen Schloss so viel opulente Wand-, Decken- und Türbemalung/-Ausschmückung gesehen wie dort. Es ist eine Augenweide und ein absolutes Muss in Kyoto. 
 
Der Quietsch-Fußboden ist übrigens wirklich witzig. In einem alten Blogeintag noch behauptet, dass das der "Nachtigallenboden" ist, den der Shogun hat so konstruieren lassen, dass kein Attentäter unbemerkt näher kommen leider. Leider stellt sich heraus, dass die These nicht stimmte. Der Fußboden ist einfach nur alt. :( Aufgefallen war nämlich, dass der Boden im Honganji-Tempel genauso quetischt (habe ich den Tag vorher selbst noch bemerkt) und da haben die Architekten dann herausgefunden, dass es an der Steckweise der Bodendübel liegt, dass die in die Jahre gekommene Holzkonstruktion halt quietscht. Schade um die schöne Story. ;)   

Um den Palast herum ein schöner Landschaftsgarten. 

Maleerisch. Spendet nur leider keinen Schatten. 
Eingang zum Teil mit dem Ninomaru-Palast. 
Danach war noch Zeit zum Essen. In einer von diesen aussterbenden alten Einkaufs-Passagen gab es einen Sushi-Laden, in dem ich mir ein schönes Set gegönnt habe. Legger!  
Chirashi-Sushi, d.h. Fisch auf Reis, ohne, dass er in Rolen geformt wird. Außerdem gab es wie immer ein Sammelsurium von etwas eingelegtem Gemüse, Miso-Suppe und Eier-Omlett. 

Jepp, auch Kyoto sieht am Bahnhof aus wie alle anderen Bahnhöfe der Welt. Wobei die Mastenwüste irgendwie auch ihren Charme hat, oder? Ich wartete auf den express nach Kanazawa, der nächste Station meiner Reise. 
Die Raucher warteten auch - brav in ihrem Raucheräuschen. Das müsste die DB mal machen! 
In Kanazawa angekommen, gab es kurz Stärkung am Bahnhof. Soufflee-Pancakes; kann man machen. :P 

Samstag, 1. August 2026

Kyoto immer noch voll – Yasaka, Gion und die zwei Honganji

Der Tag war ja gerade mal in der Mitte angekommen. Vom Kiyomizu ging es also Richtung Yasaka-Shrein, weil da "die Mitte" von Kyoto ist, wenn man so will. (Die tatsächliche Mitte ist eher am Nijo-Schloss, wo ich eher unpraktischerweise meine Unterkunft hatte.) 
 
Zum ersten Mal habe ich dabei den Maruyama-Park genauer in Augenschein genommen. (Es war auch echt heiß und sonnig, daher: Schatten!) 
Begrüßt wurde ich von zwei Statuen, die mir doch sehr bekannt vorkamen. Sakamoto Ryoma und Nakaoka Shintaro von der Shinsengumi, einer Samurai-Truppe, die einst gegen das Shogunat für den Rückkehr zur echten Monarchie kämpfte. Ich habe meine Bachelorarbeit zur medialen Darstellung Ryomas gemacht. Erst ein Verräter, dann ein Nationalheld, dann wieder der erste Romantiker! Da er die erste belegte Hochzeitsreise mit seiner O-Ryō gemacht hat, einem Serviermädchen, das ihn einst frisch aus der Badewanne im Evakostüm vor der Polizei gewarnt haben soll. 
Im Bild oben rechts im übrigen mal wieder die Kaffee-Kette mit dem Platz an der Sonne: Wenn im Mai die Glyzinien blühen, haben die mal wieder alles richtig gemacht. 
 
 
Dann kam ich auch endlich beim Yasaka-Schrein raus. Der Schrein ist im einzigartigen luxuriösen Gion-Stil gebaut, so dass er auch als Shinto-Schrein (früher natürlich Buddhistisch-Shintoistisch gesmischt) ziemlich was her macht.
 
Der Yasaka-Schrein ist (natürlich) alt und groß, seit dem 7. Jh. v.a. Susano-o, dem Bruder der Sonnengöttin Amaterasu und damit einem der wichtigsten Shinto-Kami, gewidmet. Allerdings spielt die Verehrung (d.h. Beschwichtigung) von Gozu-Tennō eine viel wichtigere Rolle, denn das war der Bringer von Krankheiten. 

Im Shinto glaubt man, dass Krankheiten bzw. Unglück u.a. von rachsüchtigen Geistern gebracht wurden, so dass die Kyotoer einen ganzen Monat lang ein Fest zur Purifizierung abhielten. Das Gion-Matsuri im Juli ist daher der Höhepunkt eines Kyoto-Besuchs, den ich mir Anno 2015 in strömenden Regen gegönnt habe. Heutzutage ist das Fest wohl eher wegen Überfüllung zu meiden? 😒 Aber nunja, als Tourist hat man wohl diesbezüglich die Klappe zu halten. 

Am Schrein ist viel los; Er ist als Kulisse für Hochzeiten und bei Kimono-Ausleihenden gleichermaßen geliebt. Überhaupt boomt der Kimono bzw. Yukata-Verleih. Die "echten" von den "falschen" kann man am besten an den Schuhen unterscheiden. ;) Sneaker zum Yutaka ist schon eine sehr spezielle Mode.  
  
Alsdann brauchte ich eine Pause! Und siehe da, ein Café mit Terasse - dachte ich. 😕 Denn nein, die sei nicht in Betrieb, erklärte mir die Kellnerin mit sehr verwirrtem Gesichtsausdruck. Irgendwie schien die Nutzung nicht geregelt zu sein und man hatte sich nicht gekümmert, weil, wer will schon im Sommer draußen sitzen? *vorsichtig die Hand hebt...* Ich hatte mich schon damit abgefunden, in der Kälte und im Dunkeln zu sitzen (auch dieses Haus war ein traditioneller Speicher, d.h. es hatte nur kleine Fenster), als die Bedienung doch noch einmal kam und meinte, für 1,5 € könne ich doch auf die Terasse. Na dann, nichts wie hin! Ich glaube, die Kellnerin hatte noch nie so einen exentrischen Ausländer gesehen. 😂 Schenkte mir extra dreimal Wasser nach, damit ich ja nicht eingehe (bei schönen 28°C unter'm Sonnenschirm) und hat jetzt wohl für den ganzen Sommer was zu erzählen. Ich jedenfalls habe leckere Spieße gegessen (irgendwie Klebereis mit Miso-Sojabohnen-Paste gegrillt) und lies es mir gut gehen. 

Danach war ich neugierig auf Gion. Das berühmte Restaurant- und Geisha-Viertel, das in letzter Zeit so viel Schlagzeilen gemacht hat. Die Geisha würden belästigt, von wild fotografierenden Touristen geradezu belagert und gejagt und es sei überhaupt nicht mehr auszuhalten. In der Tat hat die Stadt Maßnahmen ergriffen: Wohnstraßen sind als solche markiert und mit Warnschildern versehen, dass man dort nicht fotographieren dürfe und sich nicht aufzuhalten habe. Sonst drohe ein saftiges Busgeld. Außerdem sind die schönsten Straßenzüge jetzt ganz gesperrt, so dass man eine Tour buchen muss, um da ran zu kommen. 

Ich war am helligten Tage, daher war es (noch) nicht überfüllt, aber ich kann die Vorgehensweise gut verstehen. Es schienen sich alle dran zu halten. 
Für ein Erlebnis traditioneller Tänze und Geisha und Teezeremonien etc. pp. gibt es z.B. auch das Gion Corner, das wohl seit 1962 existiert, mir aber bisher nicht aufgefallen war. Auf alle Fälle haben sie ihre Präsenz erhöht, alles gibt's heutzutage auf Englisch, und so können Touristen "Kyoto-light" erfahren, ohne Geishas jagen zu müssen. 

Dank Tagesticket gönnte ich mir auch einen Abstecher zu den zwei Honganjis, den westlichen und östlichen Haupttenpeln der Jōdo-Shinshū-Schule des Buddhismus. Die Busse kutschen nach wie vor ewig durch Kyoto, aber ich wollte ja auch die Stadt sehen.  
(Das alte Busticket wurde durch ein Kombi-Ticket für Bus und Bahn abgelöst. Kostet das doppelte, aber 1000 ¥, ca. 6€ sind und Ordnung und es entlastet das überlastete Bussystem.)
Dies ist der Blick von der Haupthalle. Riesig halt. 
Schon die Tore künden von der Pracht der Tempe. 

schejn, oder?
Auch schejn, wa?
Heutzutage ist man auch hier modern. Ein hässlicher Bildschirm sagt dir, dass du dich benehmen sollst.  😑
Bei 30°C war es wunderbar auf den alten Holzdielen zu laufen (die Schuhe mussten natürlich ausgezogen werden) und die Kühle der Holzhallen zu spüren. 

Übrigens hatten die Tischlermeister wohl beim Ausbessern der Dielen ihren Spaß und kreieren Mosaikteilchen in verschiedenen Motiven zum ausbessern, wie im Bild oben rechts zu sehen. 
Durch Kyoto fließt der Kamo-Fluss, der abschnittsweise eine schöne Promenade hat. 
Kyoto bei night. Schönes Terassen-Café am Fluss. Natürlich fängt der Name mit "Star" an und hört mit "bucks" auf. 
Ich brauchte aber was zu Essen. Fündig wurde ich in Bahnhofsnähe. Es gab Schweinekotlett, selbst gegrillt.  Der schwarze Pott in der Mitte im Bild ist der kleine Tischgrill. Lecker lecker. 

Sonntag, 19. Juli 2026

Kyoto von seiner vollen Seite ;) – Am Kiyomizudera

Man hört ja viel von Übertourismus und dass man sich am besten in der Nacht schon anstellt, will man Kyotos Juwelen für sich allein haben. Könnt ihr alles vergessen; Am Kiyomizudera, der seltenerweise von 6:00–18:00 Uhr geöffnet ist, rollen die ersten Touristen und Schulklassen wahrscheinlich direkt aus dem Nachtbus auf die Plattform, von daher... erstmal gemütlich frühstücken! 
Dieses spannende Café (whathsopp.) hatte doch tatsächlich hausgemachte Marmelade und echt gutes Brot! Und außerdem ein interessantes Ambiente: Die Fenster diesen traditionellen Hauses öffneten zu einem Stein- und Bambusgarten mit Ikebana-Glashaus?
Gestärkt war ich bereit für die Massen!
Kyotos traditionelle Gassen Sannenzaka und Ninenzaka, die den Berg hochführen, auf dem der Kiyomizu-dera-Tempel trohnt, bilden natürlich gleichsam Highlight als auch Stau-Grund. 
Aber ich war fast alleine.  ;) Wenn man gut fotografiert. 
Am Tempel-Tor wird darum gebeten, zumindest von Gruppenfotos abzusehen; lustigerweise scheren sich v.a. die japanischen Schulklassen keinen Deut drum. 
Die Treppen bringen einen zur Haupthalle mit der bekannten riesigen 13 Meter hohen Plattform.
Die war lange im Bau; kein Wunder bei der täglichen Last, die da drauf rumlurcht. 

Es gibt übrigens eine interessante Redewendung: „die Terrasse des Kiyomizu hinunterspringen“ (清水の舞台から飛び降りる kiyomizu no butai kara tobioriru), was „sich zu einem Entschluss durchringen“ bedeutet. Dies geht wohl auf eine Tradition aus der Edo-Zeit (17.-19. Jh.) zurück, nach der demjenigen, der von der Terrasse sprang, alle Wünsche erfüllt wurden. Tatsächlich sind wohl 234 Sprünge dokumentiert, samt Überlebensrate von immerhin 85,4 %. 😉 Die Rate der erfüllen Wünsche jedoch nicht. 🤔 
Imposant imposant. Ich hatte nicht den Wunsch, zu springen. Stattdessen habe ich mir einen Talisman gebastelt. Für 2000¥ (ca. 12€), also ungefähr doppelt so viel wie ein normaler gekaufter, kann man Platz nehmen und ein vorgefertigtes Set nach Anleitung basteln. Den Zweck des Talismans kann man dann auch frei wählen und keine Sorge;  Buddha Kannon kann bestimmt so viele Sprachen wie er/sie Arme hat – d.h. 1000! 
Mein Sammelsurium. Ein Jeans-Angänger aus Kurashiki, zwei Pins und eben mein neuer Talisman ganz rechts.  
Auch der ewig gut gelaunte Glücksgott Daikoku ist am Tempel mit von der Partie. 
Berühmt ist auch die Quelle, die dem Kiyomizudera (d.h. "Reines-Wasser-Tempel) seinen Namen gibt. Ale stehen an, um aus den Kelten zu trinken.  
Der Weg von Kiyomizudera um die Mittagszeit war noch voller als am Vormittag. Zeit für eine Flucht auf Terassien (wie man sieht, hatte ich die ganz für mich alleine) vom Matcha House. Bei Matcha-Grüntee-Tiramisu kann sogar noch ein Bild zustande. 

Samstag, 27. Juni 2026

Pferde und Füchse: Fujinomori und Fushimi Inari

Ich bin übrigens am Montg wieder gut in Deutschlandien gelandet (verspätete Bahn, Kaugummi am Schuh, Stühle aus dem Unterrichtsraum gestohlen, so muss das sein 😒) und akklimatisiere mich wieder. Wobei das Wetter ja gut mitspielt. :) Im Blog hänge ich eine gute Woche zurück, der Rest kommt also noch.    

Der Tag war beim Hasen noch nicht vorbei. Da ich ja den Phönix(-Tempel) ausgelassen hatte, war noch Zeit, um Pferd und Fuchs gute Nacht zu sagen. (Der Spruch ging doch so? ;) 

Am Fujinomori-Schrein in Kyoto war ich jedenfalls noch nie, diesmal lag er aber sehr praktisch auf der Bahnstrecke von Uji zurück nach Kyoto. Er ist wohl auch ziemlich alt, wenn man ca. 1.800-Jahre gelten lässt. Natürlich ist damit wie immer der Schrein als Institution an sich gemeint, nicht die Gebäude, die den Schrein jetzt bilden. Wer dort betet, soll Glück im Kampf versprochen bekommen, weswegen er unter den Samurai beliebt war. Die Halle mit den Schätzen habe ich jedoch ausgelassen. Da soll man wohl Rüstungen und Waffen bewundern können. 
 
Auffällig war die erstaunlich Breite Zufahrt zum Schrein, die sich mit dem zum Schreinfest am 5. Mai stattfindenden „Kakeuma Shinji“ errklären lässt: Es ist nämlich eine Veranstaltung mit Pferden, da die Schreingötter auch Schutzgottheiten nicht nur der Samurai, sondern auch ihrer Pferde sind.

Beim Kakeuma zeigen Reiter ihr Können und vollfühen wohl allerlei Kunststücke auf dem Pferderücken. 

Im Garten findet sich diese martialische Figur. Es ist allerdings keine Person, sondern die Rüstung selbst, die gewürdigt wird. Denn am 5. Mai ist in Japan auch (modernerweise) der Kindertag, der (tatsächlich) eigentlich nur der Jungentag ist, und der Grund ist eben der, dass man an dem Datum zu Ehren der siegversprechenden Fujinomori-Gottheiten Rüstungen schmückt. Diese sind als Symbol für Jungs gedacht, weswegen auch heutzutage noch jeder Junge zum Geburtstag eine Rüstung oder zumindest einen Helm oder anderes kleineres martialisches Accessoire ausgestellt bekommt.    

Ich war aber für die Blümchen gekommen. 
Hier ein Ausschnitt der Decke des Gartenpavillons. 
Auch das rituelle Wasserbecken wird hübsch geschmückt. An dem Tag diente es aber v.a. als Schattenspender. Es war in der Tat sehr sonnig, aber das erklärte nicht, warum am Wässerchen nebenan Leute flaschenweise Wasser abfüllten. Aha, das Wasser dort soll Glück bringen und überaus "oishiiiii" (lecker) sein. Na dann, wohl bekommt's! 
 
 
Danach machte ich mich auf dem Weg zum Fushimi Inari, dem Fuchs-Schrein. Kyotos Sehenswürdigkeiten haben nämlich die Angewohnheit, zwischen 16:00-17:00 Uhr zu schließen, was die Frage aufkommen lässt, was man danach noch macht. Der Inari-Schein aber ist immer offen, auch wenn man in der Nacht wohl eher schlecht vom Berg kommt. 
 
Zum ersten Mal bin ich eine Strecke am Kanal in der Gegend Fushimi entlang spaziert. Von der Seite zeigt sich Kyoto wie alle anderen Städte auch sehr normal und sehr verkabelt. Ein bisschen macht es doch den Charme der sonst so hässlichen Nachkriegs-Stadtbebauung aus. 😉
Sehr charmante Gegend
Und da war er denn auch, "Dieser Schrein da (oder war's 'n Tempel?) mit den vielen roten Dingern da". Der Fushimi Inari, Heim unzähliger roter Tore. 
Der Inari-Taisha ("Taisha" bedeutet Großschrein) steht ca. 30% der Inari-Schreine in Japan vor, weswegen er entsprechend beliebt ist. Der Legende nach geht er auf das 8 Jh. zurück, wo zum einen ein Mann einst in den Himmel aufgestiegen sein soll. Davon unabhängig gehörte dieser Ort wohl dem Hata-Klan, der die Vererhung des Gottes Inari aus Räue begann. Vollkommen richtig, denn was hatte er auch getan?! Er hatte auf der Jagd einen Reiskuchen liegenlassen (immer dieser Müll, ts ts), der sich in einen Schwan verwandelte (kennt man ja). Dieser Schwan ist weggeflogen und seitdem soll es dem rivalisierenden Kada-Klan sehr schlecht ergangen sein. ... Ja, uns das hat dem Hata-Menschen also sehr leid getan, weswegen er den Schwan wieder einfangen wollte und diesem auf dem Berg Inari fand. Und seitdem wird dort Inari verehrt, wobei damit eigentlich drei Gottheiten gemeint sind, denen jeweils Schreine auf dem Berg gewidtmet sind. Alsbald hängte sich der Kaiserhof rein, weil... das alles ganz toll war, und so wurde der Schrein bedeutend und mächtig. 
Beeindruckend sind die roten Tore, die nach oben auf den Gipfel führen. Noch beeindruckender ist dieses Bild, auf dem es so aussieht, als wäre keiner dagewesen. :P 
Auf dem Weg sind überall Nebenschreine platziert, die jeweils ihre eigenen kleinen Torii haben. 
Keine Sorge, ich war wirklich nicht allein. Wirklich. nicht. Aber nach oben hin dünnte es sich doch ein klein wenig aus, trotzdem war genug Betrieb. Die Touristen hatten sich aber alle schlauerweise für schöne Bilder geschworen, an den entsprechenden Punkten aus dem Bild zu hüpfen. 
Die Füchse sind allgegenwärtig und schauen leicht grimmig drein. Füchse sind Boten von Inari, der/die als Reis/Erntegottheit verehrt wird und daher einen hohen Stellenwert hat. Interessanterweise muss man aber aufpassen, denn Füchse können auch verwandelte Dämonen sein, die die Menschen hinters Licht führen. Es ist schon nicht so einfach...

Nicht nur die Füchse bewachen den Weg nach oben, sondern man ist auch durch allerhand talismanische sprüche geschützt... Spaß! Die Torrii sind Spendenbeweise und die Schriftzeichen sagen, wer wann gespendet hat. Alles recht profan. 😏Allerdings begleitete uns eine Krähe die ganze Zeit, vielleicht doch ein Götterbote? Tja, vielleicht für den Jungen, der seine Eltern verloren hatte. (Unklar, auf geradem Wege sein Kind so weit zurück zu lassen. Manche Leute! Aber andere Touristen waren noch auf dem Weg hoch und haben ihn migenommen.) 
Der Weg nach oben ist für viele überraschend lang. Immerhin ist das Ziel eine Begspitze, das ist den meisten nicht klar. Es heschelt und schnauft auf den Wegen, bei 26° mit 80% Luftfeuchte durchaus zu verstehen. Auf den Rastplätzen haben die Wirte anscheinen genug von müden Touristen und gehen schon mit Taubenstacheln gegen Falschsitzer vor. 😅 Neu sind Schilder, die nach ca. 30 Minuten hinfreicherweise verraten "noch 40 Minuten bis zur Spitze, aber nur 10 bis zur nächsten Aussichtsplattform." Wie zuvor, habe auch ich es diesmal nur bis zur Plattform geschafft.  

Am eigentlichen Heiligtum war ich noch nie, auch wenn da seltenerweise der Schrein einsehbar sein soll und das eigentlich Heilige (seit der Meiji-Zeit festgelegt als Spiegel, Symbol der Sonnengöttin, die - auf Kosten der Izumo-Götter - seit der Moderne die Götterhierarchie anführt) zu sehen sein soll. Aber ich wollte in der Dunkelheit nicht auf dem Berg sein, auch wenn Lampen den Weg erleuchten. Dunkel wird es ja schon gegen 19:30 Uhr und ich war ja erst gegen 18:00 Uhr überhaupt am Schrein aufgeschlagen. 
So gesehen sind die prächtigen Gebäude am Fuße des Berges eben gar nicht das Heiligtum selbst, sondern ein unwichtiger Teil davon, aber was soll's. 
Auch zum Sonnenuntergang trubelte es noch richtig vor sich hin.  
Alsdann ging es zrück ins Zentrum, zum Bahnhof Kyoto. Es war spät, ich brauchte was zu essen und so taumelte ich durch die unterirdischen Restaurantmeilen. (Einige Familienmitglieder werden sich vielleicht erinnern.)  
Trotz wegweisender Pinguine ist dieses Gewirr aus allem wirklich anstrengend. @_@
Da habe ich es schon ein wenig bereut, nicht den Plan meiner Unterkunft gefolgt zu sein, die recht liebevoll die kulinarischen Höhepunkte der Umgebung aufgepinselt hatten. Stattdessen landete ich irgendwo, wo es ein Set aus Onigiri-Reisbällchen und Yuzu-Tofu-Udon gab. Es ist wohl Spezialität in Kyoto, Tofu zu kochen, aber insgesamt fand ich, es waren einfahc Nudeln mit recht fadem Geschmack. Naja, weiß ich das jetzt auch.