Sonntag, 21. Juni 2026

Uji: Hasen, Hortensien und Maccha

Ich hatte zwar in Kyoto Quartier bezogen, aber nach Kobe brauchte ich übersichtlichere Verhältnisse – also ging es nach Uji. Auch hier war ich nicht zum ersten Mal,  unglaubliche 11 Jahre ist es schon her. 😱
Uji ist als Teeanbaugebiet und Schauplatz des "ältesten Romans der Welt", dem Genji-monogatari. Ob's nun ein Roman ist oder nicht, interessiert mich nicht, die Story ist jedenfalls die des Prinzen Genji, der in jedem Kapitel einer anderen Frau hinterherschmachtet, die sich dann gegenseitig verfluchen und versterbsen (da isser traurig) und dann heiratet er seine Ziehtochter. Thematisch gut gealtert, würden wohl einige sagen.✌️ (Denkmal im Bild oben.)
Frühstück im Clamp Coffee Sarasa half, in den Tag zu finden;  in Uji angekommen bewunderte ich mal wieder jene amerikanische Kaffee-Kette, die ihr Häusele direkt neben den Byōdo-in gesetzt hat, den Phönix-Tempel (beschrieben im alten Blogeintrag). Den ich diesmal nicht besucht habe, der Besucherauflauf schreckte zu sehr ab und die Eindrücke sind noch eindrücklich genug. :)
Außerdem war das Wetter prächtig, die Brückchen schön, das Wasser blau...
Beim letzten Mal konnte ich wegen Hochwasser weder über die Brücke, noch über die Insel im Fluss oder die Uferpromenade. Das wurde nachgeholt. 
Außerdem war ich ja auch für Blumen gekommen und wollte "bloß" den schönsten Hortensien-Tempel der ganzen Präfektur sehen. Der Weg war einfach: Da, wo die anderen auch hin wollten.  😅
Daher Wegzährung nötig. Dass ich wegen Überfüllung keinen Maccha-Tee bekommen würde, war schon klar. Immerhin Grüntee-Eis. 
Das Tempelchen Muromoto-ji hatte gut vorgesorgt:  Lotus-Teiche, Azaleenhügel, Hortrnsien und Ahorngarten; für alle Jahreszeiten was dabei. 
guggt'er vorwitzig, der Lotus
Landschaftlich prächtig ging es auf und ab. Denn der Tempel war natürlich auf einem Hügel, was denn sonst. 
Ich habe sogar eine ganze Menge Libellen gesehen. (Der rote Fleck da im Bild oben rechts.)
Und ja, es blümelte auch.
Dann musste was zu essen her. Diesmal ein Curry. (Das ist quasi das Standardessen, das es immer auf dem Menü gibt.)Gut gesättigt und geing es noch kurz zum Uji-Schrein. In dem hat mal wieder ein Hase das Sagen. 
Der Hase leitete nämlich einst den vom Weg abgekommenen Prinzen Uji-nowakiiratsuko sicher nach Hause. Das war auch gut so, hatte ihn doch Kaiser Ojin (wohl irgendwann 3. Jh) zum Thronfolger ernannt, weil er so toll war. Leider war er aber zu wunderbar, denn ganz konfuzianisch bestand er darauf, dass sein älterer Halbbruder den Thron besteigen müsse. Der lehnte ab, war halt eigentlich auch ganz nett. Jedenfalls ließen die Brüder darüber ganz wunderprimstens das Land 3 Jahre vor die Hunde gehen, bis die Erleuchtung kam: Ujinowakiiratsuko beging Selbstmord. Daraufhin baute sein Bruder, nun Kaiser Nintoku ihm einen Schrein. Und da der Mann Uji...兎道 hieß, was mit den Kanji für Hase und Weg geschriebdn wird, entstand wohl auch die Hasenstory. 

Samstag, 20. Juni 2026

Museumseuropa in Kobe

Auf dem Weg nach Kyoto liegt Kobe, an das ich mich kaum erinnern konnte. 
Wie meinem Eintrag von 2016 zu entnehmen ist, war ich auch damals nicht so begeistert. Hat sich nicht geändert. 
Nach Kobe ging es mit dem Shinkansen, wie immer war ich von den Infos begeistert. Da sich pro Tür sicherlich bis zu 25 Mann inklusive Gepäck innerhalb von nicht einmal 5 Minuten sortieren müssen, sind die Wagennummern und auch die Sitzplatznummern ordentlich ausgeschildert. 
Kobe begrüßt einen wie jede Großstadt mit einer Riesenbaustelle. Dazeischen sind irgendwo Kaufhäuser und Wege, irgendwie unterirdisch und so... ich fange an, Großbahnhöfen abneigend gegenüber zu stehen. Nach Shimane und Kurashiki war die Großstadt 
Alsdann reihen sich die benahmten (bedachten oder unbedachten) Einkaufsstraßen ein, die anzeigen, dass es wohin geht. Im Falle der Ikuta-Road wenig überraschend zum Ikuta-Schrein. 
Malerisch von Großstadt umrahmt, bemüht sich der Schrein, erhaben zu wirken. 
Heutzutage steht auch schon dran, wie man die Götter zu verehren hat: eine Verbeugung, zweimal klatschen, nochmal Verbeugung. Dazwischen ist natürlich Geld einzuwerfen, sonst hören die Götter gaaaanz schlecht. Immerhin sind 5 oder 10 Yen genug. 😉 (In Izumo waren es jeweils zwei Verbeugungen und viermal klatschen.)
Aus der Reihe: Wie sich eine gewisse Kaffee-Kette die schönsten Plätze krallt. Das Haus ist von 1907.

Dann war Zeit für Mittagessen, fluffige Pfannkuchen. Mjaaam. Hab ich schonmal gesagt, dass es in Japan nix "zu beißen" gibt? 😄
Das Interessante an Kobe ist das ausländische Viertel, das entstand, als die reichen Ausländer, die die Hafenstadt an Land spülte, Villen in die Berge zu zimmerten, um der Hitze zu entgehen. 
Türmchen, Dachziegelchen, verputzte Wände, etwas ekklektischer Flair. Ehrlich gesagt, kann man nur an den Schildern die Originalvillen und das Neugebaute im Viertel unterscheiden. Seht selbst: 
Das hier ist Naubau.
Das hier ist "Rhenania" mit Deutschlandfahne. 
Naja, für echte Europäer doch etwas unspektakulär. 
Am Abend war ich komplett überfordert und landete in einem Food Court, wo ich Ramen-Nudelsuppe aß. Immerhin mit Rindfleisch. Auch diesmal hatte ich keine Lust auf das berühmte Kobe-Rind, das halt teuer ist und v.a. als Steak verspachtelt wird. 
Eigentlich wollte ich am Abend noch zum Hafen, wo Kobe doch eine Hafenstadt ist. Aber irgendwie habe ich den Weg über die zahlreichen Stadtautobahnen die Lust verloren und dann auch keine Energie mehr gehabt. Es wartete schließlich Kyoto auf mich! 

Freitag, 19. Juni 2026

Kurashiki, die Speicherstadt

Nächster Stopp: Kurashiki (Aussprache: Kuraschki). Da ear ich 2011 schonmal.  Eine Stadt, dessen Bausubstanz den Zweiten Weltkrieg wundersamerweise weitgehend ohne Blessuren überstand. Daher gibt es diesen wunderbaren von Weiden gesäumten Kanal.
Hier hab ich mal um ein Foto gebeten. Im nächsten Augenblick war ich dann mit zehn aufgeregten Taiwanesischen Omas auf 'nem Foto. 😆

Ankunft war aber erstmal abends. Leider bin ich zu unfähig für gute Fotos in der Dunkelheit, daher muss ich euch den Achi-Schrein vorenthalten bis auf diese Uhr mit Tierkreiszeichen, die ihr im Bild oben links seht. Jetzt wisst ihr also, ich war zur Stunde der halben Ratte dort. Alles klar? 😉 
(Ratte ist 23:00-1:00 Uhr. Es war aber 22:00 Uhr laut Zeitstempel des Fotoapparats. Sommerzeit? Hat Japan nicht... 🤔)
Im Übrigen gibt es zumindest in den Städten noch eine staatliche Anzahl an Telefonzellen und Briefkästen. 

Kurashiki ist eine Händlerstadt aus der Edo-Zeit (1600-1868). Der Name bedeutet etwa „Ansammlung von Lagerhäusern“. Die Kura genannten Gebäude sind zwar nicht nur dort zu finden, aber die schiere Anzahl ist wohl einzigartig.  
In den Speichern sind allerhand Läden und Cafés. Geld ist permanent in Gefahr! 😱
Als wichtiges Handelszentrum unter direkter Kontrolle des Shogunats diente die Stadt als Sammelpunkt für allerlei Ware, z.B. Reis und Textilien. Dank des Flusses konnten die Boote die Waren direkt zu den Lagerhäusern transportieren. 
Mein Frühstück bestand aus Toast mit Aufstrich; Der Rikscha- Fahrer machte noch Aufwärmübungen für den Tag. Es ist Hortensienzeit und Figürchen gibt's immer. 
Prägend für die Entwicklung der Stadt wurde das Unternehmen Kurabo, von Ōhara Kōshirō 1889 als eine der modernsten Spinnereien der Zeit errichtet, direkt am Platz der ehemaligen Shogunats-Verwaltung. Heute Ivy-Square genannt, kann man da kunsthandwerkliche Erzeugnisse kaufen.
Der Platz ließ sich aber schwer fotofieren, sieht schon schöner aus. Auch das kleine Bild ganz oben rechts gehört dazu. (Weil "Ivy" heißt "Efeu".)

An die Textilgeschichte der Stadt erinnert v.a. Jeansstoff, der in allen Formen an Mann und Frau gebracht werden. Wer sich von oben bis unten in Denim kleiden will, muss nach Kurashiki. 
Etliche alte Straßenzüge, die zwar komplett dem Tourismus gewidmet sind, aber keine reine Museumsstadt, bieten einen herrlichen Anblick. 
Da es am Tag die ganze Zeit geschifft hatte, ging ich kurzerhand ins Ukiyo-e Holzschnitt-Museum. Hauptperson ist Utagawa Kuniyoshi (Nein, nicht der mit den 53 Ansichten von Edo, die bei uns an der Tür kleben, das ist Utagawa Hiroshige. Nein, nicht der mit der Welle, das ist Katsushika Hokusai.) 
Kuniyoshi hat v.a. Erzählungen illustriert, von Samurai, Schsuspielern, Geistern. Mal keine Landschaften, sehr nett . Und, wer entdeckt die Katzen? Nein, nicht die Figur rechts, die einen Garten verschönert. Links das Bild. Tipp: Guckt mal genauer auf die Totenschädel. 
Kuniyoshi hat seltenerweise auch viele starke Frauenportraita geschaffen, wie hier das von Tomoe Gozen, einer Kriegerin des 11.Jh., die im epische Gempei-Krieg (also, wortwörtlich gemeint, ist auch ein klassisches Epos jap. Literatur, Heike-monogatari) mitgemischt haben soll und entsprechend besungen wird. 
Als nächstes war Regenpause (also, Pause vom Regen) angesagt. So unter'm Schirm ließ sich lecker ein Chashuu-don verspeisen (Schweinefleisch auf Reis). Und ich war trotz Regen nicht die einzige draußen! Denn auch den Japanern ist im klima-gefrierten Laden nämlich kalt! Ham'se so gesagt. So nämich!
Sage keiner, Japaner können kein Business. Die schaffen es, lizenzierte Marken zu lokalisieren. Hier also Snoopy, der weltberühmte Hund, in Schokoladenform, natürlich auch mit Spezialausgaben, die es nur in Kurashiki gibt.  
Naja, es piselte und nieselte dem Abend entgegen, ich schlich durch die Geschäfte. 
Z.B. eins nur für washi-Tape (Papierklebeband mit Muster), das wohl in Kurashiki erfunden worden ist. Wozu so ein altes Auto so dienen kann. 🤭
Am nächsten Morgen hatte ich es nicht eilig, gab es sich endlich wieder blauen Himmel. Das übliche Toast-Frühstück wurde durch einen Kakao-Vormittsgssnack ergänzt. Man sieht es in Bild unten nicht so gut, aber der ganze Stolz der Besitzerin war der Tisch, der vor 150 Jahren aus einem Baum geschnitzt worden war. (Die Glasplatte liegt drauf.) Die Oma zeigte mir sichtlich stolz ihre Schätze, während sie mich 5mal danach fragte, woher ich komme. Das war also meine gute Tat für den Tag. 
Nach einer kleinen Maleinlage ging es dann weiter Richtung Kobe. 

Mittwoch, 17. Juni 2026

Adachi-Kunstmuseum im Reisfeld

Es war Zeit, Izumo den Rücken zu kehren und nach Kurashiki aufzubrechen. Da die Zugstunden aber lang sind, beschloss ich einen Zwischenstopp: das Adachi-Kunstmuseum. 
Zunächst hatte ich von meiner Lehrerin davon erfahren ("Ah, du fährst nach Shimane! Dann gehst du bestimmt ins Adachi-Kunstmuseum." – Öh, jein?), aber Google behauptete, vom Bahnhof müsse man acht Stunden laufen. Daher abgewählt. Aber dann schaute ich mir die Sache näher an und siehe da, der Bahnhof lag eh auf meiner Trasse und das Museum stellt einen kostenlosen Shuttlebus-Service bereit. Na bitte. Ist die Gugl doch nicht allwissend. 
Die Sitzplatzreservierung für die Expresse hat man früher am Schalter gemacht, aber wie überall gibt es immer weniger davon. Es war auch nicht so einfach zu verstehen, dass mein Ticket (Pass genannt, 7 Tage gültig) hier plötzlich ein "Coupon" war und das ist das Papierticket in den Automaten schieben muss, damit das zusätzliche Sitzplatzticket ausgestellt werden konnte,  aber ich hab's geschafft. Hätte ich das nicht, hätte ich auch über den Automaten mit der Zentrale telefonieren können. 
Hat der Typ vor mir gemacht. Da gibt man seine Wünsche durch wie am Schalter und dann drückt der Mensch am anderen Ende der Leitung wohl die richtigen Köpfe und es erscheint auf dem Bildschirm das entsprechende Ticket mit der Reservierung usw. Dann bezahlt man und fertig. 
Jedenfalls habe ich mich brav an den richtigen Aufkleber am Bahnsteig gestellt und schon rauschte ich mit dem Yakumo-Zug Richtung Yasugi.
Der Bahnhof Yasugi mit interessanter Architektur. 

Dort angekommen war alles wie auf dem Silbertablett präsentiert. Die Touristeninfo nimmt die Koffer,  hält sogar netterweise den Bus noch an und 20 Minuten Reisfelder später findet man sich in der Mitte vom Nirgendwo wieder. 
Das Museum ist umzingelt von einer Oase Souvenirläden und das war's an dem Ort dann auch.  Aber da es nun mal die Heimat des reichen Herrn Adachi war, steht das Museum hier. 
Das Konzept integriert Haus und Garten (zum 22.x zum Schönsten Garten gekürt von Japans Gartenjournal), wobei man den Garten v.a. durch das Fenster genießen kann. 
So ein blank geputzter Garten aus der Ferne wirkt doch irgendwie steril. Ich war mehr von den blitzblank geputzt Fenstern beeindruckt, die eine ungetrübte Sicht ermöglichten.  
Ein paar luftige Momente gab es aber auch. 
Die Bambus- Stängelchen fand ich witzig. So wächst Bambus halt. 
 Das hier ist die "Lebende Bildrolle". Anstatt einer echten Bildrolle, wie sie traditionellerweise neben dem Altar hängt,  gibt es ein Fenster, das den Garten (und das Besuchergewusel) zeigt. 
Im Museum selbst gibt es verschiedene Roäume mit kleinen Ausstellungen, momentan zu Lackwaren (immer wieder toll), Kinderbuchillustratoren (sehr schön) und im wesentlichen Nihonga-Maler um Yokoyama Taikan.
Yokoyama war ein japanischer Maler der Jahrhundertwende und einer ersten, der sich mit der Entwicklung eines modernen "japanischen Stils" – Nihonga – befasste. Wie Wikipedia weiß, entwickelte Taikan (mit anderen), beeinflusst von z.B. europäischer Ölmalerei, einen Stil der weniger von den üblichen klaren Konturen und mehr von verschwommene Umrissen geprägt war. 
Eine Zusatzausstellung zeigte neue Künstler*innen. Im Gegensatz zu dem, was ich in Deutschland als moderne Kunst ausgestellt sehe, waren es viele figürliche Bilder.
Die neuen Werke durfte man fotografieren. Hier ein Preisgewinner. 

Da ich am Ende noch Zeit bis zum Bus hatte, wanderte ich noch bisschen ins Land.  
Dieser wilde Pfad war bald schöner als der Garten. 😅
Reisfelder und Gehöfte
Da muss es auch ein Bewässerungssystem geben.  
Dann fand ich auch noch das Café Samurai, ganz modern, wo die Besitzerin sich bemühte, was für's Dorf zu tun. Kalligraphie- und Bastelkurse, Lesungen, Mittagessen und Kaffee. Die namensgebende Rüstung hatte sie selbst für ein Festival gebastelt. Man kann nur Gutes gelingen wünschen.

Komische Gaccha-Figuren des Tages: Winner-Wiener.