Dienstag, 16. Juni 2026

UNESCO Weltkulturerbe: Die Iwami Ginzan-Silbermine

Izumo-Stadt bietet jetzt nicht so den Anblick, auch wenn die Gulli-Deckel cool sind. (Schließlich stieg Gott Susano-o hier in Izumo herab und besiegte die Schlange Yamato-no-orochi.) Da bricht man doch lieber auf nach Iwami-Ginzan, dem Silberminengebiet im Westen von Izumo. Immerhin UNESCO Weltkulturerbe.

Aber nicht vor dem Frühstück! Für Süß-Esser gibt es fast ausschließlich French Toast, manchmal kommt es aber in einer besonders schönen Form. Süßkartoffelchips und Mais passen überraschend gut.

So gestärkt ging es auf die Pampa-Fahrt. Die Gegend ist gut genug erschlossen, dass man ohne Auto hinkommt, aber insgesamt wirklich noch ein Geheimtipp. 
Dasselbe Zügele auf der Hin- und Rückfahrt.

Ich habe mich ja schon immer gefragt, was eigentlich passieren würde, wenn nicht ÜBERALL andauernd die Regeln dran stehen würden. Obwohl Japan wohl das Land ist, in dem Rauchen am strengsten reguliert ist (im Prinzip ist es seit ein paar Jahren überall verboten, wenn es nicht explizit erlaubt ist), stehen in allen Toiletten und hast-du-nicht-gesehen, dass es verboten ist. In Tokyo steht in den mehrsitzigen Zügen auch explizit, dass pro Bank 8 Leute hinpassen müssen, so dass entsprechend Platz gemacht wird.  
Aber siehe da: Izumo, die kleine Bahn nach Omori, pro Bank passen vier Leute rein, aber die männliche Jugend macht es sich gern bequem. Während die Frauen stehen, weil sie sich nicht trauen, den Mund aufzumachen. Ob es gehofen hätte, wenn ein Zettel drangestanden hätte? Na, ich hab' jedenfalls nicht eingesehen, 45 Minuten zu stehen, zumal ich ja Blog schreiben muss. *scheuch scheuch*

Eine 1,5-stündige Bahn- und Busfahrt in die Pampa später rollt man an einem unscheinbaren Busstopp heraus (da, wo alle anderen halt auch).
Ich starte an einem schönen Schreinchen. Der Kigami-Schrein ist sogar schon im Engishiki Verzeichnis der Shinto-Schreine (10. Jh.) aufgeführt, war aber an der Küste und wurde für sichere Schifffahrt verehrt. Kigami bedeutet „Schildkrötengott“. Als die Silbermine groß in Betrieb war, wurde der Schrein kurzerhand verlegt und umgewidmet, nun sollen die Götter Dürren und Seuchen verhindern.
Das farbenprächtige Deckengemälde stellt einen Drachen dar, der "brüllt", wenn man in die Hände klatscht. In der Tat ertönt ein komisch rasselndes Echo beim Versuch. :)  
Die Schnitzereien sind auch sehr schön. 
Das Gebiet umfasst viele Sachen, für autolose Touristen aber v.a. das Dorf, das entlang der Straße zur Mine liegt. Es ist ganz normal bewohnt, lebt aber natürlich großteils von Touristen. 
Es gibt aber eine Post, eine Bank, eine Schule, eine Bibliothek und ein Revitalisierungsprojekt, das mit von Studenten der nahen Universität betrieben wird. 
In dem Café gab's auch ein Fuß-Plantschbecken. (Die blauen Kacheln, da ist Wasser. )

Japan war nicht immer rohstoffarm. Einst gab es in Iwami-Ginzan wohl Erzvorkommen Dank eines sehr alten und heute nicht mehr als solchen erkennbaren Vulkankraters. Im 16. ging es mit der Mine richtig los, Hauptabnehmer war China, da die Bevölkerung wohl den dortigen Papierscheinen nicht traute. 
Als die Japaner dann auch den Dreh mit der Verhüttung raus hatten, mauserte man sich zum internationalen Player: 200 Tonnen Silbers im Jahr, ca. 1/3 der weltweiten Silberproduktion. Oder um es anders zu sagen: Ohne japanisches Silber wäre Portugal nicht das, was es war, denn die Portugiesen profitierten am meisten am Kauf- und Tausch von Waren gegen Silber zwischen China und Japan.
Daher übernahm die Regierung auch die Verwaltung der Mine, ein Verwalter wurde eingesetzt. 
Beamten-Gräber
Entsprechend gab es auch ein Gericht.
Aber die Mine erschöpfte sich im 19. Jh und wurde 1923 geschlossen. 
In den Hauptschacht der Mine konnte man rein, in did Nebenschächte sollte man keinen Hund hineinjagen. :( 
Holzschnitte zeigen Systeme zur Entwässerung des Schachtes. Am Ende wurde das Silber zu solchen Barren geformt. 
Die Besichtigung des Dorfes kann per Pedes erfolgen,  bis zur Mine leiht man sich aber besser ein (elekrisch unterstütztes) Rad. Nicht nur, weil es sonst ca. 45 Minuten dauert, es bergauf geht und man den Mücken sonst nicht davonradeln kann, sondern auch, weil 17:00 Uhr wie üblich die Bordsteine hochgeklappt werden. Und essen will man ja auch noch!  
 Zurück im Städtele gab es Aal in der Schmuckdose. 
Außerdem habe ich entdeckt, dass Izumo einen netten kleinen Abschnitt Kanal hat (Erschaffer der Samurai-Herr ganz oben), an dem ein nettes Café zu später Stunde zu finden war. So wurde mein Fotosortieren unterstützt durch eine Kreation aus Blätterteig, Eis, Süßer-Bohnenpaste und Minze. Lecker!


Sonntag, 14. Juni 2026

Matsue, die Stadt der Geistergeschichten

Matsue ist die größte Stadt in Shimane, also bin ich auch mal gucken gefahren. 
gugst du!

Der Ort war wohl schon in der Nara-Zeit (8.-10.Jh.) ein politisches Zentrum, wobei die typischen Shitamachi (Unterstadt)- Strukturen sich - wie so häufig - nach dem Burgbau im 17.Jh. entwickelt hat.  
mit dazu gehören natürlich die Tempel, trotz der Zerstörungswelle im späten 19.Jh. Im Stadtgebiet Teramachi (treffenderweise als "Templel-Stadt" bezeichnet), d.h. innerhalb eines Quadratkilometers,  gibt es ihrer stolze 28.
Matsue liegt am Shinji-See, weswegen sich auch Kanäle durch die Stadt schlängeln, weswegen auch die Ohashi-Brücke gebaut wurde. 

Wie es die Legenden wollen, soll das schwierig gewesen sein, da sich die Strömung mit der Ebbe dreht. Die Brücke fiel mehrfach zusammen. Am Ende musste es ein Menschenopfer richten und man einigte sich, dass es die Person wird, die als erste in Hosen ohne Seitschlitz über die Brücke kommt. Den armen Gensuke hat's erwischt - hätte er doch auf seine Frau gehört und lieber noch eine Tasse Tee getrunken! Seitdem heißt es in Matsue, dass man nicht vor der zweiten Tasse Tee aufbrechen soll.  
Stories wie diese sammelte Lafcadio Hearn, bekannter Autor von Geistergeschichten und Berichte über Japan, der das westliche Japanbild entscheidend prägen sollte. Hier in Matsue wurde er im 19.Jh. Englischlehrer und heiratete sein Dienstmädchen Setsu, geschiedene Tochter einer verarmten Samurai-Familie. 
Das Paar ist als 191. internationale Heirat vermerkt. Interessanterweise hat Hearn dafür seine Staatsbürgerschaft abgelegt und die japanische angenommen, damit Frau und Kind erbtechnisch absichert sind, obwohl es ihn sein Gehalt als westlicher Experte kostete, bis ihm ein bekannter einen Posten am der Uni verschaffte. So gesehen ein echtes Vorbild. 

Als Kuriositäten sind beider Briefe und Vokabelhefte erhalten, die belegen, dass Setsu nie erfolgreich Englisch lernte (obwohl er ja Lehrer war 🤔) und Lafcadios Japanisch, komplett in Katakana-Silbenschrift verfasst, eher spannende englische Grammatik und Mischvokabeln aufwies. Trotzdem war das Paar ein erfolgreiches Tandem. Setsu sammelte, erforschte und erzählte ihrem Ehemann allerhand Geschichten aus Japan, die dieser am oben angebildeten Schreibtisch als "Kwaidan" (Geistergeschichten) niederschrieb und herausbrachte. 
Die Burg hat er auch gern besucht. Hier in Matsue ist es die „Regenpfeifer-Burg (Chidorijō). Anscheinend ist es eine der wenigen Burgen, die noch Originalsubstanz haben. 

Im südwestlichen Burgbereich befindet sich ein weißes hölzernes zweistöckiges Gebäude im europäischen Stil, das 1903 anlässlich eines Kaiserbesuches gebaut wurde. 
Mit prächtigem Namen versehen ( „Pavillon der aufbrechenden Wolken“, Kōun-kaku) ist jetzt immerhin freies Museum.
Der Tag endete mit Okonomiyaki. Google führte mich in dieses kleine Lokal, wo der einzige andere (Stamm)Gast einst viel mit deutscher Maschinerie zu tun hatte, über mich so begeistert war, dass er mir einen Plaumenschnaps ausgab und am liebsten noch einen von drei Söhnen mit dazu los geworden wäre.  🤣
Heutige Ausgabe komischer Gaccha-Figuren: "Hilfe!  Hamster, die (verschreckt) in der Ecke sitzen."  

Freitag, 12. Juni 2026

Der Treffpunkt der Götter - Izumo

Von Okayama ging es also nach Shimane, relativ weit wech also. Ich übernachtete in Izumo, einer sehr unspektakulären Stadt mit überaus späktakulärem Schrein. Aber erstmal sollte Quartier bezogen werden.
Immerhin, etwas gewagte Moderne(?) Und eine leicht anrüchige alte Restaurantmeile. 

Es ist schon so eine Sache mit der Übernachtung. Man könnte sich ja ein Hotel leisten. Aber Hotels haben einen entscheidenden Nachteil: Man kann die Fenster nicht öffnen. Erstens, weil die meisten Hotels in Wolkekratzern untergebracht sind und zweitens, weil es ja Klimaanlagen gibt. Wer will denn da noch... frische Luft. Je nach Zimmergröße absoluter Klaustrophobiealarm (sprich immer). Also heißt es "Gesutohausu", was ja auch sehr nett ist und auch billiger. Meistens aber nicht mit eigenem Bad zu haben, da ich aber eh auf die Badehäuser der Umgebung späkulierte, bezog ich ein unglaublich günstiges Gasthaus. 18.000 Yen für 4 Tage, insgm. 100 Eurönchen. Dafür hab' ich in den Niederlanden im Mai ein Etagenbett im Schlafsaal für eine Nacht bekommen. 
Das Itoan

Dieses traditionelle Haus ist alt, nicht im Sinne von alt und gediegen - das wäre teures Ryokan-Gebiet - sondern alt im Sinne "da hat bestimmt die Oma drin gewohnt". Na gut, die Uroma. Waschechtes Nachkriegshaus, praktisch Originalzustand.
Alt bedeutet verputze Pappwände und Tatami, Strinfußboden und japanische Toilette.
Aber eine westliche war nachgerüstet.
Die Diele und der Waschbereich, von dem auch die Küche abging. Das Bad eine komplette Nasszelle.
Der hilfreiche Hinweis, nie mehr als drei Geräte gleichzeitig zu benutzen, passte ins Ambiente. Das Stromnetz war mit den Klimaanlagen wohl gut ausgelastet. Für meine Zwecke hat es vollkommen genügt, es war leise und außerdem war kaum einer da.
Das Frühstück: Toastscheibe (jepp, Scheibe. Wenn man so'n Toast halt in 2 Scheiben teilt.. ) mit Anko-rote-Bohnen-Paste. Schmeckte überraschend lecker und war auch die einzige Wahl, wenn man halt mäckelig wie ich süß essen möchte. 
Danach ging es raus in die Pampa. Denn da waren wir eindeutig. Der Bus fuhr überraschend selten und der Schrein hockt halt (wie immer) in den Bergen. Die gloriosen Zeiten sind auch vorbei; es gab mal eine Station wesentlich näher am Schrein, aber die ist stillgelegt. 
Schrein-Straße

Izumo gehört zwar zu den ältesten Schreinen, in dem die alten Götter verehrt werden, hat aber immer in gewisser Rivalität zum Kaiserhaus und deren Schreinen gestanden. Hauptgottheit Okuninushi kommt nämlich chronologisch vor Sonnengöttin Amaterasu, Ahnenherrin der Tenno-Linie. Ergo ist Izumo wichtiger als Ise. Sagt Izumo. Aber im Zuge der Bildung des Kaiserreiches hat Izumo entscheidend gegen den Ise-Schrein verloren, da die Zentralisierung des Shinto um den Tenno ein wichtiges Ziel gewesen war.  Außerdem liegt Ise hilfreicherweise immerhin (in der Pampa) zwischen Tokyo und Kyoto. 

Essen! Neue und alte Etablissements

Und so juchteln v.a. die Götter selbst nach Izumo, jeden Oktober zur großen Besprechung. Ganz stilecht auch Wolken, daher auch der Name Izumo (die Wolken erscheinen). Vielleicht wird da besprochen welcher Wunsch nach Liebe erhört wird, denn Izumo ist bekannt dafür, Partnerwünsche zu erfüllen. 
Weg zum Schrein, sehr malerisch 

Der Legende nach kommen bloß die tauben Götter nicht (Sachen gibt's), die haben den Ruf wohl nicht gehört? 😅 Jedenfalls nennt man den Oktober nach altem Namen in Izumo daher „Monat, in dem die Kami da sind“ (kami-ari-zuki) und im Rest des Landes  „Monat, in dem die Kami weg sind“ (kan-na-zuki). 
Als erstes sieht man dieses imposante Gebäude.  Schönes fettes Seil, dafür ist Izumo ja bekannt. Das Seil ist ein typischen Element aller Schreine, denn es hält Unreinheiten vom Gelände fern.  Hm... auf den Fotos sieht das irgendwie späktakulärer aus...
Der Eingang zum Hauptschrein besteht aus imposanten Holzbauten, das Heiligtum selbst ist wie üblich durch einen Holzzaun den Blicken entzogen. 
Kleinere Nebenschreine und abgelegte Wahrsagepapiere säumen das Gelände. 
Hinter dem Zaun ist eine hohe Halle zu sehen, mit 24 Metern die höchste dieser Shinto-typischen Bauart Das war er, der (wohl) älteste Schrein Japans. 
Aber nein, wer jetzt geht, der verpasst die Hauptattraktion! Die liegt nämlich gar nicht auf dem Hauptgelände, sondern daneben. Die Shinden-Halle hat das imposanteste Seil des Landes, 4.5 Tonnen soll es schwer sein, 8 Meter an der dicksten Stelle messen! 
War da!
Es soll Glück bringen, wenn man eine Münze ins Seil wirft und diese stecken bleibt. Dazu muss man so'ne Münze aber erstmal bis da hoch flippen. 😆
In Izumo gibt es viele Hasen. Der Legende nach hatte Okuninushi (Gott von Izumo) einen Hasen gerettet, der furchtbare Schmerzen litt und eher dumm war. Der Hase hatte nach einer missglückten List wortwörtlich das Fell über die Ohren gezogen bekommen und folgte dem Rat von Okuninushis Brüdern, im Meerwasser zu baden. Hatte jetzt nicht so den schmerzlindernden Effekt, wa. Okuninushi hingegen war so nett und riet, es doch mal mit Quellwasser zu versuchen. Der Hase, natürlich auch eine Gottheit, prophezeite dann, dass Okuninushi (und keiner seiner Brüder) die Prinzessin heiraten würde, die sie gerade retten wollten. Tja ja, ist halt auch nicht ohne, Gott zu sein...
Heutige Ausgabe von Toiletten in Japan. :)