Samstag, 27. Juni 2026

Pferde und Füchse: Fujinomori und Fushimi Inari

Ich bin übrigens am Montg wieder gut in Deutschlandien gelandet (verspätete Bahn, Kaugummi am Schuh, Stühle aus dem Unterrichtsraum gestohlen, so muss das sein 😒) und akklimatisiere mich wieder. Wobei das Wetter ja gut mitspielt. :) Im Blog hänge ich eine gute Woche zurück, der Rest kommt also noch.    

Der Tag war beim Hasen noch nicht vorbei. Da ich ja den Phönix(-Tempel) ausgelassen hatte, war noch Zeit, um Pferd und Fuchs gute Nacht zu sagen. (Der Spruch ging doch so? ;) 

Am Fujinomori-Schrein in Kyoto war ich jedenfalls noch nie, diesmal lag er aber sehr praktisch auf der Bahnstrecke von Uji zurück nach Kyoto. Er ist wohl auch ziemlich alt, wenn man ca. 1.800-Jahre gelten lässt. Natürlich ist damit wie immer der Schrein als Institution an sich gemeint, nicht die Gebäude, die den Schrein jetzt bilden. Wer dort betet, soll Glück im Kampf versprochen bekommen, weswegen er unter den Samurai beliebt war. Die Halle mit den Schätzen habe ich jedoch ausgelassen. Da soll man wohl Rüstungen und Waffen bewundern können. 
 
Auffällig war die erstaunlich Breite Zufahrt zum Schrein, die sich mit dem zum Schreinfest am 5. Mai stattfindenden „Kakeuma Shinji“ errklären lässt: Es ist nämlich eine Veranstaltung mit Pferden, da die Schreingötter auch Schutzgottheiten nicht nur der Samurai, sondern auch ihrer Pferde sind.

Beim Kakeuma zeigen Reiter ihr Können und vollfühen wohl allerlei Kunststücke auf dem Pferderücken. 

Im Garten findet sich diese martialische Figur. Es ist allerdings keine Person, sondern die Rüstung selbst, die gewürdigt wird. Denn am 5. Mai ist in Japan auch (modernerweise) der Kindertag, der (tatsächlich) eigentlich nur der Jungentag ist, und der Grund ist eben der, dass man an dem Datum zu Ehren der siegversprechenden Fujinomori-Gottheiten Rüstungen schmückt. Diese sind als Symbol für Jungs gedacht, weswegen auch heutzutage noch jeder Junge zum Geburtstag eine Rüstung oder zumindest einen Helm oder anderes kleineres martialisches Accessoire ausgestellt bekommt.    

Ich war aber für die Blümchen gekommen. 
Hier ein Ausschnitt der Decke des Gartenpavillons. 
Auch das rituelle Wasserbecken wird hübsch geschmückt. An dem Tag diente es aber v.a. als Schattenspender. Es war in der Tat sehr sonnig, aber das erklärte nicht, warum am Wässerchen nebenan Leute flaschenweise Wasser abfüllten. Aha, das Wasser dort soll Glück bringen und überaus "oishiiiii" (lecker) sein. Na dann, wohl bekommt's! 
 
 
Danach machte ich mich auf dem Weg zum Fushimi Inari, dem Fuchs-Schrein. Kyotos Sehenswürdigkeiten haben nämlich die Angewohnheit, zwischen 16:00-17:00 Uhr zu schließen, was die Frage aufkommen lässt, was man danach noch macht. Der Inari-Schein aber ist immer offen, auch wenn man in der Nacht wohl eher schlecht vom Berg kommt. 
 
Zum ersten Mal bin ich eine Strecke am Kanal in der Gegend Fushimi entlang spaziert. Von der Seite zeigt sich Kyoto wie alle anderen Städte auch sehr normal und sehr verkabelt. Ein bisschen macht es doch den Charme der sonst so hässlichen Nachkriegs-Stadtbebauung aus. 😉
Sehr charmante Gegend
Und da war er denn auch, "Dieser Schrein da (oder war's 'n Tempel?) mit den vielen roten Dingern da". Der Fushimi Inari, Heim unzähliger roter Tore. 
Der Inari-Taisha ("Taisha" bedeutet Großschrein) steht ca. 30% der Inari-Schreine in Japan vor, weswegen er entsprechend beliebt ist. Der Legende nach geht er auf das 8 Jh. zurück, wo zum einen ein Mann einst in den Himmel aufgestiegen sein soll. Davon unabhängig gehörte dieser Ort wohl dem Hata-Klan, der die Vererhung des Gottes Inari aus Räue begann. Vollkommen richtig, denn was hatte er auch getan?! Er hatte auf der Jagd einen Reiskuchen liegenlassen (immer dieser Müll, ts ts), der sich in einen Schwan verwandelte (kennt man ja). Dieser Schwan ist weggeflogen und seitdem soll es dem rivalisierenden Kada-Klan sehr schlecht ergangen sein. ... Ja, uns das hat dem Hata-Menschen also sehr leid getan, weswegen er den Schwan wieder einfangen wollte und diesem auf dem Berg Inari fand. Und seitdem wird dort Inari verehrt, wobei damit eigentlich drei Gottheiten gemeint sind, denen jeweils Schreine auf dem Berg gewidtmet sind. Alsbald hängte sich der Kaiserhof rein, weil... das alles ganz toll war, und so wurde der Schrein bedeutend und mächtig. 
Beeindruckend sind die roten Tore, die nach oben auf den Gipfel führen. Noch beeindruckender ist dieses Bild, auf dem es so aussieht, als wäre keiner dagewesen. :P 
Auf dem Weg sind überall Nebenschreine platziert, die jeweils ihre eigenen kleinen Torii haben. 
Keine Sorge, ich war wirklich nicht allein. Wirklich. nicht. Aber nach oben hin dünnte es sich doch ein klein wenig aus, trotzdem war genug Betrieb. Die Touristen hatten sich aber alle schlauerweise für schöne Bilder geschworen, an den entsprechenden Punkten aus dem Bild zu hüpfen. 
Die Füchse sind allgegenwärtig und schauen leicht grimmig drein. Füchse sind Boten von Inari, der/die als Reis/Erntegottheit verehrt wird und daher einen hohen Stellenwert hat. Interessanterweise muss man aber aufpassen, denn Füchse können auch verwandelte Dämonen sein, die die Menschen hinters Licht führen. Es ist schon nicht so einfach...

Nicht nur die Füchse bewachen den Weg nach oben, sondern man ist auch durch allerhand talismanische sprüche geschützt... Spaß! Die Torrii sind Spendenbeweise und die Schriftzeichen sagen, wer wann gespendet hat. Alles recht profan. 😏Allerdings begleitete uns eine Krähe die ganze Zeit, vielleicht doch ein Götterbote? Tja, vielleicht für den Jungen, der seine Eltern verloren hatte. (Unklar, auf geradem Wege sein Kind so weit zurück zu lassen. Manche Leute! Aber andere Touristen waren noch auf dem Weg hoch und haben ihn migenommen.) 
Der Weg nach oben ist für viele überraschend lang. Immerhin ist das Ziel eine Begspitze, das ist den meisten nicht klar. Es heschelt und schnauft auf den Wegen, bei 26° mit 80% Luftfeuchte durchaus zu verstehen. Auf den Rastplätzen haben die Wirte anscheinen genug von müden Touristen und gehen schon mit Taubenstacheln gegen Falschsitzer vor. 😅 Neu sind Schilder, die nach ca. 30 Minuten hinfreicherweise verraten "noch 40 Minuten bis zur Spitze, aber nur 10 bis zur nächsten Aussichtsplattform." Wie zuvor, habe auch ich es diesmal nur bis zur Plattform geschafft.  

Am eigentlichen Heiligtum war ich noch nie, auch wenn da seltenerweise der Schrein einsehbar sein soll und das eigentlich Heilige (seit der Meiji-Zeit festgelegt als Spiegel, Symbol der Sonnengöttin, die - auf Kosten der Izumo-Götter - seit der Moderne die Götterhierarchie anführt) zu sehen sein soll. Aber ich wollte in der Dunkelheit nicht auf dem Berg sein, auch wenn Lampen den Weg erleuchten. Dunkel wird es ja schon gegen 19:30 Uhr und ich war ja erst gegen 18:00 Uhr überhaupt am Schrein aufgeschlagen. 
So gesehen sind die prächtigen Gebäude am Fuße des Berges eben gar nicht das Heiligtum selbst, sondern ein unwichtiger Teil davon, aber was soll's. 
Auch zum Sonnenuntergang trubelte es noch richtig vor sich hin.  
Alsdann ging es zrück ins Zentrum, zum Bahnhof Kyoto. Es war spät, ich brauchte was zu essen und so taumelte ich durch die unterirdischen Restaurantmeilen. (Einige Familienmitglieder werden sich vielleicht erinnern.)  
Trotz wegweisender Pinguine ist dieses Gewirr aus allem wirklich anstrengend. @_@
Da habe ich es schon ein wenig bereut, nicht den Plan meiner Unterkunft gefolgt zu sein, die recht liebevoll die kulinarischen Höhepunkte der Umgebung aufgepinselt hatten. Stattdessen landete ich irgendwo, wo es ein Set aus Onigiri-Reisbällchen und Yuzu-Tofu-Udon gab. Es ist wohl Spezialität in Kyoto, Tofu zu kochen, aber insgesamt fand ich, es waren einfahc Nudeln mit recht fadem Geschmack. Naja, weiß ich das jetzt auch.  


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