Donnerstag, 11. Juni 2026

Krähenburg und Garten-Juwel Kōrakuen in Okayama

Meine "Reise innerhalb der Reise" begann nach dem Taifun bei prächtigstem Sommerwetter in Okayama.
Okayama (wörtlich "Hügel und Berg") ist eine spätmittelalterlich-frühneuzeitliche Burgstadt, deren Geschichte so dramatisch ist, dass es eine Petition gibt, endlich eines der beliebten Taiga-Drama (Fernsehserie mit historischem Thema) darüber zu drehen. Die Substanz selbst ist allerdings eher neu,  denn sie wurde beim Bombenangriff zu 63% zerstört. 
Station mit Rastplatz 
Zunächst brachte mich die Bimmel über den Fluss und Burggraben zum Yumeji Takehisa-Museum. Ein Sohn der Stadt, gefeierter Illustrator und Designer.  
Das Haus ist auch schon ein Hingucker. Eignete sich gleich wunderbar für ein Bild.  
Yumeji malte im frühen 20. Jh. sogenannte bijinga, d.h. Schöne-Frauen-Bilder, wobei der ein oder andere Kabuki- Schausteller auch dabei war.  
Als nächstes ging es dann zum Kōraku-en, einem (jap. 後楽園) der Drei berühmten Gärten Japans (Nihon sanmeien).
Daimyo Ikeda Tsunamasa geruhte nämlich im 17. Jh. einen Garten gegenüber seiner Burg anzulegen, der seit der Moderne nach der zweiten Hälfte eines alten chinesischen Verses  "zen’yū kōraku (先憂後楽)", soviel wie „Erst Mühe, dann Vergnügen“ heißt. 
Wie Wikipedia weiß,  wurde auch ein Asteroid 2003 Kourakuen genannt. Ob's da auch so schön aussieht?  🤔
Es hochzeitete auch sehr. 
Kein Garten ist komplett ohne einen Schrein oder Tempel. Sehr ihr die Burg? 
Nächste Station dann der Nachbau der Burg. 
Wegen ihrer schwarzen Farbe ist sie als „Krähenburg“ bekannt.
Ein Vorläufer dieser Burg entstand in der Bürgerkriegszeit im 16. Jh., dramatisch wurde es aber zur Zeit der Reichseinigung. Die Daimyo-Familie der Ukita stand auf Seiten Toyotomi Hideyoshi, des 2. Reichseinigers. Da Hideyoshi, dem zwar ein langes Leben gegönnt gewesen war, nur einen fünfjährigen dessen Sohn hinterließ, riss sich Nr. 3, Tokugawa Ieyasu das Land und das Shogunat unter den Nagel. Entscheidend dafür war die Schlacht von Sekigahara, in der Daimyo Ukita Hideie gewissermaßen eine tragische Rolle: Eigentlich hätte er wohl gewinnen können, aber seine Verbündeten konspirierten gegen ihn und ließen ihn schnöde im Stich. 
Die Burg fiel an den Tokugawa-Gefolgsfamilie der Ikeda, deren Wappen in den Dachziegeln verewigt ist.   
Es gab eine nette kleine Ausstellung, in der man z.B. eine Muskete und ein Schwert man hochheben konnte. Beides verdammt schwer. 😬 
Es gab auch interessante Infos wie z.B. das Phänomen des Daimyo-Gesichts. Das bezeichnet den Trend, dass spätere Daimyo einen kleinen, spitzen Kiefer (unter-entwickelten, weil ihre Stellung es ihnen ermögliche, nur gut zubereitete weiche Speisen zu essen.  
Haben die auch schon Curry mit Reis gegessen? 😅 Das ist das typische Café-Essen hierzulande. Jedenfalls musste ich auch nicht um mein Essen kämpfen, in Gegensatz zu diesem penetranten Spatzen, der absolut aggressiv meinen Kuchen stibitzen wollte und seelenruhig mein Wasser trank! Großstadt-Vögel sind echt ein anderes Kaliber. 😳

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