Sonntag, 14. Juni 2026

Matsue, die Stadt der Geistergeschichten

Matsue ist die größte Stadt in Shimane, also bin ich auch mal gucken gefahren. 
gugst du!

Der Ort war wohl schon in der Nara-Zeit (8.-10.Jh.) ein politisches Zentrum, wobei die typischen Shitamachi (Unterstadt)- Strukturen sich - wie so häufig - nach dem Burgbau im 17.Jh. entwickelt hat.  
mit dazu gehören natürlich die Tempel, trotz der Zerstörungswelle im späten 19.Jh. Im Stadtgebiet Teramachi (treffenderweise als "Templel-Stadt" bezeichnet), d.h. innerhalb eines Quadratkilometers,  gibt es ihrer stolze 28.
Matsue liegt am Shinji-See, weswegen sich auch Kanäle durch die Stadt schlängeln, weswegen auch die Ohashi-Brücke gebaut wurde. 

Wie es die Legenden wollen, soll das schwierig gewesen sein, da sich die Strömung mit der Ebbe dreht. Die Brücke fiel mehrfach zusammen. Am Ende musste es ein Menschenopfer richten und man einigte sich, dass es die Person wird, die als erste in Hosen ohne Seitschlitz über die Brücke kommt. Den armen Gensuke hat's erwischt - hätte er doch auf seine Frau gehört und lieber noch eine Tasse Tee getrunken! Seitdem heißt es in Matsue, dass man nicht vor der zweiten Tasse Tee aufbrechen soll.  
Stories wie diese sammelte Lafcadio Hearn, bekannter Autor von Geistergeschichten und Berichte über Japan, der das westliche Japanbild entscheidend prägen sollte. Hier in Matsue wurde er im 19.Jh. Englischlehrer und heiratete sein Dienstmädchen Setsu, geschiedene Tochter einer verarmten Samurai-Familie. 
Das Paar ist als 191. internationale Heirat vermerkt. Interessanterweise hat Hearn dafür seine Staatsbürgerschaft abgelegt und die japanische angenommen, damit Frau und Kind erbtechnisch absichert sind, obwohl es ihn sein Gehalt als westlicher Experte kostete, bis ihm ein bekannter einen Posten am der Uni verschaffte. So gesehen ein echtes Vorbild. 

Als Kuriositäten sind beider Briefe und Vokabelhefte erhalten, die belegen, dass Setsu nie erfolgreich Englisch lernte (obwohl er ja Lehrer war 🤔) und Lafcadios Japanisch, komplett in Katakana-Silbenschrift verfasst, eher spannende englische Grammatik und Mischvokabeln aufwies. Trotzdem war das Paar ein erfolgreiches Tandem. Setsu sammelte, erforschte und erzählte ihrem Ehemann allerhand Geschichten aus Japan, die dieser am oben angebildeten Schreibtisch als "Kwaidan" (Geistergeschichten) niederschrieb und herausbrachte. 
Die Burg hat er auch gern besucht. Hier in Matsue ist es die „Regenpfeifer-Burg (Chidorijō). Anscheinend ist es eine der wenigen Burgen, die noch Originalsubstanz haben. 

Im südwestlichen Burgbereich befindet sich ein weißes hölzernes zweistöckiges Gebäude im europäischen Stil, das 1903 anlässlich eines Kaiserbesuches gebaut wurde. 
Mit prächtigem Namen versehen ( „Pavillon der aufbrechenden Wolken“, Kōun-kaku) ist jetzt immerhin freies Museum.
Der Tag endete mit Okonomiyaki. Google führte mich in dieses kleine Lokal, wo der einzige andere (Stamm)Gast einst viel mit deutscher Maschinerie zu tun hatte, über mich so begeistert war, dass er mir einen Plaumenschnaps ausgab und am liebsten noch einen von drei Söhnen mit dazu los geworden wäre.  🤣
Heutige Ausgabe komischer Gaccha-Figuren: "Hilfe!  Hamster, die (verschreckt) in der Ecke sitzen."  

Keine Kommentare: