Mittwoch, 5. März 2014

Bangkok - die Stadt der Engel



Vielleicht sollte ich den Blog demnächst umbenennen, denn dieses Jahr galt es nicht nur, Japan zu bereisen, sondern auch, endlich mal den Rest Asiens unsicher zu machen. Ok, das ist vielleicht etwas zu hoch gestochen; Im Falle Thailands sollte es wohl eher „zu überleben“ heißen. ;) Thailand also sollte es sein (Südkorea war einer gewissen Dame ja plötzlich zu kalt. O-Ton: „Wie, da ist Winter?“) 

Los ging es von Narita aus, wo ich meine Wartestunden damit verbrachte, mit der geballten Macht von Laptop, freiem Flughafen-WLAN, Smartphone und dem Supermarkt Seven Eleven meinen Flugplan auszudrucken, der sich doch nicht als Boarding-Ticket erwies. Langweilig war es jedenfalls nicht (Technik?!). Schlimmer war der eigentliche Flug zur Zwischenstation Kuala Lumpur, denn die Air Asia Flieger sind zwar billiger, aber grausam unbequem: Sardinen-gequetscht, Gehör-malträtiert, durstig und kalt (Decken und Wasser gab es nur gegen Bezahlung; das Portemonnaie lag aber sicher im Dachgepäck verstaut, ich hatte Fensterplatz und die beiden neben mir schliefen…) kam ich in Kuala Lumpur an. 
Ich weiß jetzt auch, warum in japanischen Toiletten überall steht, dass man sich nicht auf die Kloschüssel stellen soll. Irgendwelche Trottel machen das wirklich. 
 
Weitere zwei Stunden später landete ich im Dong Muang Flughafen, der sich keiner Zugverbindung in die Stadt erfreut und dessen Bankautomaten allesamt kaputt zu sein schienen. O_ö  Ich hatte mich aber doch darauf verlassen, dass ich in Bangkok Geld abheben kann, so hatte ich keinen einzigen Baht! Welcome to Thailand – dem Land der nicht immer ganz koscheren Umstände. Es stellte sich nämlich heraus, dass die kaputten Bankautomaten allesamt zur Geldwechsel-Filiale „Money exchange“ gehörten, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein anderer Automat lieferte jedenfalls endlich das ersehnte Geld und dank der Hilfe eines Mitsuchenden wurde ich auch sicher um die teuren Limousinen-Taxis herumgelitten zu den normalen Taxis, die wesentlich billiger sind. Am Taxi-Stand steht Personal, das deine Adresse dem Taxi-Fahrer übersetzt (ich war aber vorbildlich, hatte sogar alles in Thai dastehen) und schon ging es in einer knappen Stunde in die Wirren Bangkoks. Der Taxi-Fahrer fand das Hostel auch nur nach mehrmaligen Anrufen, aber am Ende hatten wir es dann – für 300 Baht, ca. 6,30 €. Mein liebstes Schwesterherz stand auch soeben an der Rezeption und bezahlte unser Zimmer – lief doch alles wie am Schnürchen. : )

Es war also gerade mal 14.00 Uhr, viel Zeit also, um uns ums Wesentliche zu kümmern: Shopping! Nein, nein, keine Panik, das wird schon noch ein Blog kultureller Höhepunkte. Aber für das Wat-en (Tempel-n) braucht man entweder einen knielangen Rock oder richtig lange Hosen, so drohten zumindest die Reiseführer. Nicht-Rock-Tragende-Madame wollte also Hosen haben, so beschlossen wir, nach Siam zu fahren, wo es das Siam-Center und das MRT-Center geben sollte, für Fashion aller Art.

Moderne Glaskästen mit Geschmacksverirrung - Nichts Neues also

 Na jut, dank BTS-Skytrain-System stiegen wir zielsicher in Siam aus, bloß, wie zum Shopping-Center kommen? Die ominösen Absperrungen der Demonstranten(?) erwiesen sich jedoch als durchlässig, die Leute als friedlich und im Prinzip war dort eine Bühne mit einem Redner, die Leute hörten zu, die Händler verkauften ihre Waren auf der Straße und die Soldaten saßen gelangweilt umher.
 Überall sah man kleine Ein-Mann-Zelte aufgebaut, die davon zeugten, dass die Leute wohl wirklich dort übernachteten, und es waren Check-Points aufgebaut, an denen ab und an jemandes Tasche kontrolliert wurde. So auch am Eingang zum Einkaufszentrum, wo unsere Taschen ein bisschen kontrolliert und abgehorcht wurden. Das Center war aber eine Enttäuschung: Neben Prada, Gucci & Co. gab es nur billigsten Thai-Kitsch. Da waren wir also schnell wieder draußen.    
 Die Kreuzung bei Siam.
 
Danach beschlossen wir, uns noch den Lumphini-Park anzusehen. Abgesehen davon, dass der Park der größte der Stadt sein soll, verheißt auch die Geschichte Großes:

Der Lumphini-Park wurde in den Zwanziger Jahren von König Vajiravudh (Rama VI.) auf königlichem Grundbesitz geschaffen. Eine Statue des Königs steht auch am südwestlichen Eingang zum Park; sie wurde am 27. März 1942 enthüllt[2]. Das Gelände ist nach Lumbini, dem Geburtsort Buddhas in Nepal, benannt. Zur Zeit seiner Gründung lag der Park am Außenrand der Hauptstadt. ...Hier befanden oder befinden sich die erste öffentliche Bibliothek Bangkoks und der erste öffentliche Tanzsaal
Wir sahen jedenfalls viele ambitionierte Jogger, die bei 30°C meinten, laufen zu müssen. Immerhin ist die Luftfeuchtigkeit gar nicht mal besonders hoch, es fühlt sich also mehr oder weniger an, wie ein sehr heißer deutscher Sommer.
Nunja, es ist ein Park. Der sich nicht einmal für Schwesterchens kameratechnische Ambitionen eignente, denn beleuchtet ist Bangkok nachts nicht wirklich. Also genossen wir Frucht-Eis-Getränke und machten uns müde von der langen Reise auf den Weg nach Hause. 

Montag, 3. März 2014

Schnee, oh weh - "Ich platze gleich" Teil 2 - Futtern in Yamagata

Also, erst einmal an alle Uneingeweihten: Ich bin gut in Thailand angekommen, nachdem ich in Tokyo von meiner Familie heimgesucht wurde. ;) Die Beschreibung werde ich aber hintenanstellen: Jetzt kommt erstmal der Abschluss des Berichts von Yamagata und dann geht es nach Thailand. Und wenn ich dann schon wieder in Deutschland sitze, weil mein Auslandsjahr nun wieder einamal um ist, dann lasse ich die knapp 2 Wochen Tokyo und Kyoto mit Family noch einmal Revue passieren. 
 
Am 12. Februar jedenfalls ging es mit Doppel-Master-Reisegruppe nun nach Yamagata, die Hauptstadt der Präfektur Yamagata und überhaupt die größte Stadt der Region, mit einer Einwohnerzahl von ca. 254000, also in etwa wie Halle (Saale). Unser erster Halt führte uns dann auch gleich ins Rathaus, wo wir Interviews mit jungen Angestellten hielten, die im großen ganzen auf die Frage hinausliefen "Warum um alles in der Welt bist du noch hier?!". Yamagata ist schließlich Provinz - wir erinnern uns: Alles außer Tokyo, Kyoto und Osaka ist Provinz. Ja, man liebe ja seine Heimat. Hier sei es ja so schön. Warum sollte man auch weg. Tokyo ist ja so groß und hektisch, das ist doch nix für so Landpflanzen. Und zu Hause haben man schließlich ein Haus, das sei auch so schön billig.....Die "echten" Gründen lassen sich an der Hand abzählen: 
  1. Man ist der älteste Sohn und hat heimzukehren und sich um die Eltern zu kümmern. Punkt. Variante B: Man hat einen ältesten Sohn geheiratet und muss zu diesem nach Hause, um diejenige zu sein, die sich tatsächlich um die alten Eltern kümmern wird.   
  2. In der Tat kommt es günstiger, im Haus der Eltern zu wohnen bzw. dieses zu erben. Die Mieten in Tokyo kosten ja gerne ab 1000 €. Das Geld, dort ein Grundstück zuerwerben etc. will man auch erstmal haben. 
  3. Auf dem Land gibt es genau zwei Arbeitsmöglichkeiten: 1. Banken, 2. Öffentliche Ämter. Und die Angestellten des Rathauses haben es eben geschafft, einen Beamtenstatus zu ergattern, der gilt immer noch lebenslang mit steigenden Pensionsansprüchen - eine sichere Laufbahn. 
  4. Der tatsächliche Wunsch, etwas für den Erhalt der Region zu tun. Der kommt wohl in dem Moment auf, in dem man sich entschließt, auf dem Land wohnen zu wollen.  
  5. ...das Essen? ;)
Anschließend ging es zum kulturellen Teil: Die Besichtigung der lokalen Otokoyama Sake-Fabrik. Streng wissenschaftlich (!) wurde erklärt und v.a. verköstigt: Sake bevor er Sake wird schmeckt unglaublich lecker. Obwohl es im Prinzip nur verdickte, noch nicht fertig vergorene Reiskleie ist... mmh. Aber Hand aufs Herz: Das Endprodukt war jetzt auch nicht schlecht. ;)  
  
 Riesenbottiche zur Produktion
 Fachgerecht gekleidet ging es hinein

Danach fuhren wir ins beste Hotel am Platz, da gerade der Direktor der Keio-Universität zu einer Konferenz dort war und wir einen Fototermin bekommen hatten. Wir waren also schrecklich wichtig und -viel wichtiger - ahead of schedule. Oh mein Gott, wir hatten ja fast noch 45 min. bis zum nächsten Programmpunkt! Was machen wir denn da? Ganz einfach, wir gehen ins Hotel-Cafe. Selten hat eine heiße Schokolade so gut geschmeckt! So gut die Kost der letzten beiden Tage auch war, mein Schokoladen-Pegel war stark gesunken, das konnte ja gar nicht gesund sein! Wenn ich nun von "wir" rede, dann meine ich leider nur den westlichen Teil der Gesellschaft. Unsere japanische Führung verweigerte sich konsequent der Abweichung vom Programm  und stand geschlagene 45 Min. vor (!) dem Café, bis sie wieder Herren der Lage waren und alle zum Bus scheuchen durften. Tja. Zum Abendbrot gab es ein wunderbares Steh-Buffet, bei dem wir mit in Yamagata lebenden Keio-Absolventen gehoberenen sozialen Statusses reden konnten und dann ging jeder auf sein eigenes Hotelzimmer und konnte Privatsphere genießen. 

 Diese schöne Bento-Box gab es zum Mittagessen am 13. Februar. 

Aber ich glaube, die meisten vielen früh ins Bett, denn auch am 13. gab es wieder volles Progamm. Wir fuhren zur lokalen Bank und machten weitere Interviews mit jungen Angestellten der Bank, sowie mit Angestellten aus Herrn Tomitas Kimono-Fabrik. Mein Gegenüber war zwar kein junges Personal, aber eine sehr quirlige ältere Dame, die uns erzählte, dass ihre Familie kein geld gehabt habe, sie zum Studium außerhalb Yamagatas zu schicken und dass sie den Beruf der Näherin seinerzeit gewählt habe, weil man wohl zu Hause aus arbeiten konnte und daher viel bei den Kindern war, und weil man selbstständiger war als als Office Lady. 
Nach ihrer Scheidung habe das auch geholfen, den Haushalt aufrecht zu erhalten, auch wenn sie deshalb nun ihren Sohn auch nicht auf eine Uni in Tokyo schicken könne. Daraus durfte man schließen, dass Unterhalts-Zahlungen in Japan wohl keine Selbstverständlichkeit sind. Jedenfalls braucht es 3 Tage, um einen komplett vorgelegten Kimono per Hand zusammen zu nähen, und drei Monate, um den Stoff dafür zu weben. Die Firma in Yamagata könne sich aber gut halten, auch wenn das Zentrum der Kimono-Kultut nach wie vor Kyoto sei. Aber in der Stadt gäbe es kaum noch Näherinnen, deshalb bekomme man viele Aufträge aus Kyoto. Aber auch in Herrn Tomitas Firma gibt es niemanden unter 30 Jahre, die meisten Näherinnen sind viel älter. Den ganzen Tag sitzen und Nähen ist nicht direkt der Traumberuf der jungen Leute.  
   
Danach besuchten wir den Austellungsraum der Stoffwebereivon Herrn Tomita, wo wir Taschentücher gebatikt haben und hausgemachten Plaumenschnaps sowie gebackene Mochi und vieles mehr verzehrten. Ein echtes Festmahl, nach dem wir kugelnd zum Abendbrot rollten.
 Die Übernachtum diesmal war nämlich wieder in einem Ryokan. Weniger traditionell und mehr touristisch, war das Abendessen dennoch ein Fest für die Sinne. Man beachte das Sushi im Eis-Iglu. :)
 Das Highlight des Ryokan war das Onsen-Bad, das wir an dem Abend natürlich unbedingt noch unsicher machten und gleich am nächsten morgen nochmal. Ich war seit Langem zum ersten Mal wieder in der Sauna. Zugegebenermaßen war es nach dem authentischen Onsen zwei Tage zuvor nicht mehr ganz so besonders, aber dafür befand ich eins der Bäder (es gibt ja immer eins für Männer und eine für Frauen, und morgens und abends wird gewechselt) in der 8. Etage, so dass man im Onsen plantschend die Sicht auf die schneebedeckten Berge genießen konnte. 

 Am nächsten Tag wurden wir von der Okami-san, der Gastwirtin, noch verabschiedet. Es ging noch in das tiefste Schneegebiet Yamagatas zum Mittagessen.
Die Region ist für Soba-Nudeln (rechts) bekannt, die aber erst gemacht werden, wenn die Gäste im Haus sind. Die Wartezeit wird mit Tempura, frittierten Gemüse und Garnelen, überbrückt - Das allein war eine Mahlzeit für sich. 
 
 Trotzdem schafften es fast alle Japaner, die Nudelplatten leer zu räumen.
 Man sieht, dass der Schnee ungefähr so hoch war wie die Autos - leider nur 1/3 der Schneemenge vergangener Jahre.
 Ein kleiner Schrein durfte nicht fehlen - Da zu wenige Schnee lag, waren wir mit dem Bus gut durchgekommen und hatten Zeit für eine kleine Extra-Tour.
 der ruhende Buddha in seiner Todesstunde
 Danach ging es auch schon zum Shinkansen nach Tokyo. Dort soll es schneien, weswegen wir nicht bis zum Abend warten sollten. In der Tat hatte ich eigentlich gedacht, dass das weiß vor dem Fenster des Zuges doch langsam mal verschwinden müsste - waren wir nicht schon in Tokyo angekommen? Wie die Ölsardinen standen wir anschließend am Gleis der Chuo-Linie, an einen der Bahnsteige, die noch nicht durch automatische Türen gesichert ist. Also ich hätte nicht am Bahnsteig stehen wollen: An dem Tag wurde mir nämlich klar, wie schnell jemand auf die Gleise gedrängt werden kann, wenn einfahc immer mehr Leute auf den Bahnsteig drängen, aber keiner weg kam. Schlimmer noch, wenn das Bahnhofspersonal zwar endlich die Eingänge gesperrt hat, aber die Hundertschaften bei Einfahrt des Zuges auch erstmal auf den Bahnsteig müssen, bevor die wartenden Leute hinein können. Sagen wir, diese Zugfahrt war nicht schön, und noch nichtmal Shinjuku als Ausstiegsort - immerhin einer der größten Umsteigbahnhöfe - erwies sich als einfache Option. Wir wären fast nicht aus der Bahn rausgekommen. 
Immerhin bot sich und ein interessanter Anblick: Shinjuku Bahnhof fast menschenleer, das hat man auch nicht alle Tage. Wir ließen uns jedenfalls nicht beirren und trafen einen alten Doppel-Master Kommilitonen, der gerade auf der Durchreise war.  

 Spätabends bot Hiyoshi dann dieses wunderbare Bild.
 Mein Wohnheim.
Schirmleichen am Bahnhof. Japaner müssen halt erst lernen, dass Schirme bei echtem Schneeschirm keine Option sind.

Sonntag, 16. Februar 2014

Leise rieselt der Schnee. Ach, die Bahnen, oh weh! ...Ich war dann mal weg, in Yamagata. ;)

Da hatte mich meine Familie noch gefragt, ob es in Tokyo wohl schon schön warm sei. Da hatte wohl schon jemand die Sommerklamotten eingepackt? Zugegebenermaßen habe auch ich das Ende des Winters vorhergesagt. Das sahen die Winter-kami (Götter) wohl anders. Jaja, wir waren alle sehr beeindruckt von Fotos wie diesen: Da war ja plötzlich alles weiß am Morgen, wie lustig! Am Abend, als der Schneesturm noch immer nicht vorüber war, haben die Pendler und Zugfahrer (überhaupt alle Fahrer) wohl nicht mehr gelacht. Die Nachrichten verkündeten auch sofort den heftigsten Schneefall seit 20 Jahren und die Schreiberlinge schrieben sich wohl die Finger wund, um alle Fahrplanupdates im Minutentakt durchzugeben. 

Die Eule von Ikebukuro, wettergerecht angezogen. ;P

Mich hat das alles nur bedingt interessiert, denn ich habe mir den schönen Schnee zunächst aus dem Friseursalon aus angesehen und dann aus meinem warmen kleinen Zimmer. Ja, ich war nun tatsächlich zum ersten Mal in einem Friseursalon, denn ich habe einen Rabattschein bekommen. In einer Stunde war ich schmapooniert, massiert, Heiligenschein-getrocknet und schön gemacht. Das Heiligenschein-Ding hab ich ja auch zum ersten Mal gesehen. Bekanntlicherweise ist es ja grausam schädlich, Haare mit dem heißen Föhn zu trocknen, deswegen gibt es jetzt so ein Ständer-Dingens mit einem kreisförmigen Aufsatz, das sich wie ein Heiligenschein um den Kopf herum bewegt und irgendwie die Haare trocknet. Ich habe allerdings nicht herausgefunden, ob das nun heizte oder wehte oder was das eigentlich tat. Es funktionierte jedenfalls. :D Jetzt seh ich aus wie ein blonder Japaner. Also so um den Ponny herum. :D 

 So vorbereitet, konnte ich am 11. Februar also taufrisch um 4.45 Uhr aus dem Bett springen (T__T), um mich mit den Frischlingen des Doppel-Masterprogramms, die gerade erst in Tokyo angekommen waren, und denen, die zusammen mit mir dieses Jahr im Shimoda gewohnt hatten, aud den Weg nach Tokyo zu machen. Dort schafften es auch alle anderen pünktlich zum Shinkansen, der uns 3 Stunden später in Yonezawa herauswarf. 

Yonezawa liegt in der Präfektur Yamagata  und liegt im Norden Japans, eine Stunde von Fukushima entfernt (aber durch Berge davon getrennt). Yamagata  ist überhaupt von allem durch Berge getrennt und ist quasi ein großes Hochplateau. Durch seine geografische Lage war Schnee natürlich vorprogrammiert, aber ausgerechnet dieses Jahr lag nur 1/3 der üblichen Menge. Der Rest war wohl nach Tokyo abgehauen. ;) 

Wir hatten jedenfalls ein enges Programm, dass sich um die Menüpunkte Essen, Essen und Essen gruppierte. :D Daneben hatten wir noch ein Thema, nämlich welche Maßnahmen es gibt, die jungen Leute in der Provinz zu halten. Yamagata ist fraglos tiefste Provinz, denn - wie könnte es auch anderes sein - außerhalb von Tokyo ist alles Provinz. Außer Kyoto, das ist historische Provinz. Und Osaka, das ist immerhin ein Handelszentrum. Nur die Leute dort sind so schrecklich provinziell.
Das Programm offenbarte einem mal wieder ganz die japanische Seele. Unser Guide, Herr Tomita, war natürlich ein Absolvent der Keio-Universität und "Freund von", so dass sich er und sein Sohn die Zeit nahmen, 4 Tage lang mit uns durch die Gegend zu spazieren, obwohl sie eigentlich Chef und Sohn-von-Chef einer Kimono-Firma sind, die Kimonos noch in Handarbeit fertigen lässt. Alle unsere Programmpunkte waren durch Kontakte der Keio-Alumni unter sich entstanden, die durch den "Mita-Kai" Alumni-Verein eng zusammen gehalten werden, was einem quasi alle Türen öffnen kann.              
Zunächst ging es in das lokale Museum, dass mit allerlei modernen Schnicksack die Lokalhistorie darlegte. Am interessantesten für mich war die Präsentation des Glanzstücks - ein goldener Wandschirm (so ein Mehrteiliges  mit Darstellungen von Kyoto. Hätte der einfach so dagestanden, hätte man sich ihn wohl nur kurz angeschaut und wäre weiter gegangen. In diesem Museum wurde man aber erst durch kleine Korridore geführt, in denen einzelne Szenen erklärt waren und in denen ein Film gezeigt wurde, in dem die Szenen des Wandschirms animiert waren. So machte es am Ende Spaß, die Szenen auf dem Schirm wiederzufinden, so dass man sich das Ding viel interessierter ansah.

Danach ging es zum Uesugi-Jinja, dem Schrein, der für die lokale Fürstenfamilie errichtet wurde. Leider waren die Schneelaternen, die aufgestellt worden waren, fast schon alle kaputt. Ich war jedenfalls froh, dass ich doch Winterjacke und Winterstiefelchen nach Japan mitgenommen hatte, die waren nötig. Aber damit war auch alles in Ordnung, denn das Wetter war einfach (grausam) schön. Ohne Sonnenbrille war es echt schwer, die Augen überhaupt offen zu lassen.  

Der nächste Punkt war Mittagessen. Ja, die Erdbeere habe ich auch zweifelsfrei erkannt.
 Der Rest ließ mich endlich verstehen, warum Japaner mit so viel Inbrunst ihre Fress-Reisen beschreiben. Außer der Erdbeere kannte ich nämlich nichts von dem, was da auf unserem Teller, äh.. in unseren Schüsseln lag. Natürlich waren wir auch nicht direkt in der nächstgelegenen Absteige - wir waren im besten Restaurant der Stadt, in einem alten Herrenhaus, das nur das Beste zu bieten hatte. Es gab also v.l.n.r., von unten nach oben: 

-Tsuyahime-Reis aus Yamagata, mit Ei-Streifen und Fischroggen
- Eine Art Getreide-Riegel aus Nüssen und Hülsenfrüchten, zusammengeklebt mit Honig? 
- eingelegtes Gemüse, das nichtmal die Japaner erkannten
- noch mehr eingelegtes Gemüse , das nichtmal die Japaner erkannten
- Hering mit Bohnen
- eingelegtes Gemüse, das nichtmal die Japaner erkannten.
- Rosa Klebreis mit Kirsch-Blatt, Wasabi und einer Soße
- Ein Dessert aus grünen Bohnen und anderen Bohnen, das verboten gut schmeckte. 
- Ein Stück Sashimi in Honig-Senf-Soße. Mhh...... 

Danach wurden wir mit dem Bus zum Shirafu-Onsen gebracht. Das, was es in Yamagata nämlich in erstaunlicher Zahl gibt das sind Onsen, Thermalquellen, um die hübsche japanische Häuschen gebaut wurden, in denen man für viel Geld übernachten kann. 
Im Falle dieses Ryokan trifft das Wort "Häuschen" jedoch nicht direkt - Das Haus hatte endlose Korridore. Zum Glück standen überall kleine Wegweiser, sonst hätten wir uns nicht durch gefunden. 

Dort haben wir das ein Forschungskolloquium abgehalten, und ich habe fleißig meinen Job gemacht und übersetzt. Deswegen war ich ja überhaupt eingeladen worden. 

Danach wurde abermals zum Festmahl geladen. Hier mal nur das Foto der besten Stücke: Gekochtes Stück Fleisch mit Stövchen und Fisch am Spieß.

Kugelnd sind wir dann in den Schnee hinaus gerollt, um dieses schöne Foto zu produzieren. Wir haben Kerzen angezündet und die Umgebung erhellt. Also den Schnee, denn wir waren irgendwo im Nirgendwo. 
  
Aber das eigentliche Highlight war natürlich das Onsen. Denn so ein Ryokan, so schön es auch ist, ist ziemlich kalt. In unserem Zimmer hatten wir zwar einen wunderbaren Kotatsu (Tisch mit Heizdecke, unter den man kriecht), die Gänge und die Toilette sind aber ziemlich kalt. Auf also ins Bad! Denn da ist es naturgemäß he....scheißkalt!!! Brrr... Denn natürlich muss man sich zunächst waschen und das passiert neben dem Wasserbecken. Mist bloß, dass das Bad zwar mit Holzwänden verbaut ist, im Prinzip aber draußen ist. So schnell hab ich mich noch nie gewaschen. O_o Danach ging es in sekundenschnelle ins Baaaaa-AAAHH! Man war das Ding heiß. Ich dachte, meine Fingernägel würden bald abfallen oder so.
Gekleidet in grüne Yukata saßen wir dann noch ein bisschen zusammen, aber da wir an dem Tag alle vor Sonnenaufgang aufgestanden waren, waren wir pünktlich Mitternacht im Bett.

Sonntag, 2. Februar 2014

Jahresabschluss... Welcome 2014.

Huuuuch, welch seelige Stille in diesem Blog. Da habe ich euch ja tatsächlich den gesamten Dezember vorenthalten. *hüstel*

Zunächst einmal habe ich mir am 28. November ein Konzert zum Geburtstag gegönnt - MUCC nach so langer Zeit mal wieder live zu sehen hatte schon was. ;) Ansonsten war ich täglich damit beschäftigt, meinen Adventskalender zu plündern. Geburtstagskaraoke durfte auch nicht fehlen. 

Und am 7. Dezember fand die Weihnachtsfeier der Deutschlernenden am Mita-Campus statt. In einem reservierten Bar-ähnlichen Italiener wurde Stollen und Buffet serviert, um dann zu Geigenklängen "Oh Tannenbaum" anzustimmen. Das Singen gefiel, der Stollen wurde aber doch eher als kleiner Sonderling eher stiefmütterlich behandelt. Diese Kreuzung aus Brot und Kuchen, mit Rosinen und ohne Sahne(!), na, die Deutschen sind ja auch nicht für grandiose Küche bekannt. ;) Alles wie immer also.
Soweit dann auch zur Weihnachtstimmung des Jahres. Ein klitzekleines bisschen Weihnachten war dann noch in Roppongi zu holen, wo wie jedes Jahr ein paar echte Weihnachtsmarktbuden rumstanden und Glühwein serviert wurde. 

Weinachtlich-winterlich war es aber nun wirklich nicht. In Tokyo waren es so ziemlich konstante 10-15°C, an den Tagen, an denen ich die Nase nach draußen steckte auch gerne mit Regen. So wie am 12. Dezember, als ich zum Big Bang Konzert ging. Diesmal immerhin - Highlight - nicht alleine! Eine Freundin aus Amerika, Lynn, hatte Karten für dasselbe Konzert. Natürlich saßen wir noch nicht einmal im selben Block der 55.000 Mann fassenden Halle, aber wer will das dann noch bemängeln.    

Der Tokyo Dome ist eine dieser Hallen, die in den Herzen der japanischen Musikusse einen besonderen Platz reserviert haben. Wenn es eine Band in die Budokan-(Olympia)Halle schafft, so sagt man, dass sie es als Band geschafft hat. Wer ein Konzert im Tokyo Dome bestreiten kann, der darf den Titel "Superstar" für sich beanspruchen.
Das ist alles gut und schön, den Regenschirm bewaffneten Fan treiben aber eher weltliche Sorgen um - z.B. interessiert man sich recht stark eher für ein trockenes Plätzchen, an dem man die Zeit zum Konzert absitzen kann. Nun bietet die Umgebung der Halle zwar einen Freizeitpark und mehrere Bahnhöfe (clever, clever), aber nur eine handvoll Cafes. 

Mit ein wenig Anstehglück kann man aber neben diesem knuffigen Wesen sitzen - Kennt noch wer die Mumins? (Jaja, ich kenn' da jemanden, der ist jetzt neidisch ;) Japan liebt die Mumins und hat deren schwedisch-finnischen Machern wahrscheinlich sämtliche Rechte am Merchandise abgekauft oder so, jedenfalls ist im Moomin-Cafe, wie es auf englisch heißt, natürlich alles liebevoll mit den Charakteren dekoriert. Und die Charaktere besuchen einen in Plüschtierform an den Tischen, damit alle quetschend und krietschend Fotos davon machen können. So kriegt man seine Zeit schon rum. (Die aufgrund des Andrangs an einem Konzert-Tag auf knappe 90 Min. maximale Aufenthaltsdauer beschränkt wird. Mir kommen die Tränen.)  

Am 22. Dezember ging es dann zur Toyo-Universität auf ein Symposium zum Thema Religion. Ein Dutzend Vorträge auf Japanisch und der Tag war gelaufen @_@

Links im Bild seht ihr den Riesenbau, der die Toyo-Universität darstellt. Der Ginko rechts verrät euch die herbstliche Wetterlage.


Die Fotos links und rechts sind leider der einzige Eindruck des letzt-jährigen Weihnachtsschmucks in Tokyo, der ja bekanntlich aus energiesparenden Lichterketten, Leucht-Bäumen und elektronischen Licht-spielen besteht. 

Ich bin nämlich pünktlich zu Weihnachten krank geworden und als ich mich am 26. zum weihnachteln aufraffen wollte, musst ich feststellen, dass Weihnachten zwar schon im November anfängt, aber pünktlich am 25. aufhört. Tja, dumm gelaufen. Leider gibt es dieses Jahr auch keine auschweifenden Beschreibungen von Schrein-Besichtigungen, Menschenmassen und Parties, denn ich war krank. So hab ich den Jahreswechsel im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen... Mal ehrlich - so ohne Knaller und Raketen merkt man irgendwie nicht, dass ein Jahr vorbei ist.

Das neue Jahr fing dann auch in dem Wissen an, dass mein Aufenthalt hier bald vorbei ist und dass eine Menge Bücher noch vorher gesichtet und gelesen werden wollen. Dazu Tests und Hausarbeiten, die nun aber endlich vorbei sind! :) Jetzt geht es also auf zum bibliothekarischen Endspurt, zu Abschiedsfeten und ins winterliche Yamagata, wo ich auf einem Treffen unseres Hallenser Masterprogrammes Dolmetsher spielen darf.