Den letzten Tag der Reise verbrachte ich im schönen Uji (20.7.2015), das sich bisher meiner Aufmerksamkeit entzogen hatte. Die Stadt liegt nur 20 Minuten von Kyoto entfernt und ist somit ein perfekt gelegenes Ausflugsziel.
Wie Wikipedia weiß, verdankt Uji seinen frühen Aufstieg seiner
günstigen Lage am Fluss Uji, der insbesondere in historischer Zeit eine
bedeutende Wasserstraße war. Schon im 4. Jahrhundert, so heißt es,
errichtete der Sohn des Kaisers Ojin hier einen Palast. Die Errichtung
einer Brücke in Uji im Jahr 646 durch den buddhistischen Priester Doto
festigte die Bedeutung der Ansiedlung.
Als 794 die
Hauptstadt nach Heian-kyō, dem heutigen Kyoto, verlegt wurde, war das
landschaftlich schön gelegene Uji südlich der neuen Hauptstadt ein
beliebter Aufenthaltsort für den Adel.
Stolz ist die Stadt auch darauf, im ältesten Roman der Welt Schausplatz sein zu dürfen. Autorin Murasaki Shikibu, eine Hofdame am kaiserlichen Hof, ist daher auch in Stein verewigt. Sie hat sich die Zahlreichen Geschichten in "Die Geschichte des Prinzen Genji" im Jahr 1008 ausgedacht.


Immerhin ist der Tempel nicht nur ein Nationalschatz Japans, sondern
auch auf der 10-Yen-Münze abgebilet. Der Byōdō-in besteht aus einer
zentralen Halle, flankiert durch zwei Flügelkorridore auf beiden Seiten
und einem hinteren Korridor. In der 1053 errichteten zentralen Halle,
auch Amida-Halle oder Phoenix-Halle genannt, befindet sich ein Bildnis
des Amida Buddha. Dort durfte man leider nicht fotografieren.
Die Phönix-Halle
Auf dem
Dach der Halle stehen Phönixe, die der Halle den Namen gaben. Die Halle sowie diverse andere Gegenstände
im Byōdō-in sind Nationalschätze Japans.
In
Zusammenhang mit Bürgerkriegsunruhen verbrannten 1336 viele Gebäude
auf dem Gelände des Tempels. Die heutigen Bauten sind wie so oft Nachbauten. Im Zuge der Arbeiten wurde der Teich, der direkt an der Vorderseite des Tempels angelegt ist, 1997 wegen archäologischer Ausgrabungen
ausgebaggert. Die Gegenstänmde kann man in einem kleinen Museum, das auf dem Gelände liegt, bewundern.

Der Ujigami-Schrein (宇治上神社, Ujigami-jinja) ist ein Shintō-Schrein und liegt am Fuße des Bergs Asahiyama . Er liegt genau gegenüber vom Byōdō-in, für den er als Wächter-Schrein konzipiert worden war. Wie üblich, bildete der Schrein bis zur Meiji-Restauration 1868 eine Einheit mit dem Byōdō-in. Der Besucherandrang hielt sich aber stark in Grenzen - nur wenige machten sich auf den Weg über den Fluss.


Auch die kleineren Schreine, die zum Komplex gehören, werden nicht vergessen. Man weiß ja nie. Ist vielleicht die kleine Eideckse, die sich auf der Schreintreppe sonnt, eigentlich ein Kami in Verwandlung? Sicher ist sicher.

Der Tee wurde in Japan durch den Zen-Priester Eisai im 12. Jahrhundert eingeführt und Uji war ein Zentrum für die Produktion herausragenden Tees. Noch heute beziehen Tempel und Chado-Häuser ihren Tee aus Uji. Das Gramm von erstklassigem Tee (Tenju Premium) erzielt einen Preis von bis zu 200 Yen (1,50 €). Also musste enatürlich Tee konsumiert werden in irgendeiner Form, aber das war leichter gesagt, als getan. Die Tee-Häuser platzten aus allen Nähten, denn so manch einer hat sich das schöne Weltkulturerbe der Unesco, mit dem Uji 1994 zusammen mit anderen Stätten in Kyoto um Umgebung bedacht wurde, lieber in flüssiger Form gegönnt. Aber auf der Ujigami-Seite des Flusses war noch ein schöner Sitzplatz zu haben und so bestellte ich Mochi-Klebreis mit Grüntee-Mus. Mjam. :)
Leider hat die Zeit dann nicht mehr für einen Ausflug zu den eigentlichen Teefeldern gereicht, denn ich musste so langsam in den Shinkansen Richtung Tokyo hüpfen. Daran, dass der Schnellzug alle 10 Minuten zwischen Kyoto und Tokyo fährt, kann man sich nur schwer gewöhnen. Für mich ist ein Schnellzug immer noch etwas, was man pünktlich erewischen sollte, sonst steht man zwei Stunden dumm in der Landschaft oder so - deshalb konnte ich mich wider besseren Wissens auch nicht zusammen reißen, als der Zug nach Tokyo noch auf dem Gleis stand und ich gerade so noch reinspringen konnte. Obwohl der nächste in 10 Minuten gefahren wäre. Obwohl die freien Sitzplätze natürlich fast alle besetzt waren und die nächste Chance auf einen Sitzplatz in Nagoya, d.h. in einer Stunde gewesen wäre. Aber ich hatte Glück - ein Sitzplatz hatte doch noch auf mich gewartet, so dass ich bequem Richtung Tokyo flitzen konnte.