Dienstag, 27. Oktober 2026

Kanazawa - Gartenperle die Zweite

Zu Guter Letzt (anno Sommer 2026) hatte ich ein paar Stunden in Kanazawa, bevor es zurück nach Tokyo ging. Kanazawa ist mit über 450.000 Einwohnern die größte Stadt der nördlichen Region, die China bzw. dem Japanmeer zugewandt ist. Begrüßt wird man am Bahnhofsvorplatz durch zwei eindrucksvolle, recht gegensäzliche Elemente, die enorme Glashalle und das große Tsuzumi-mon (Tor). Dieses erinnert einerseits an die traditionelle Trommel (Tsuzumi eben) aus No-Stücken, andererseits auch an ein Shinto-Torii. (Das Torist im letzten Bild dieses alten Eintrags besser zu sehen.)So präsentiert sich Kanazawa sehr einladend und es lenkt auch von der ansonsten recht hässlichen Bahnhofgegend ab. ;) 

Geht man mehr oder weniger geradeaus, landet man beim Omicho Markt, einer überdachten Markthalle, die seit der Edo-Zeit (1603-1868) der größte Lebensmit-telmarkt der Stadt ist. Die Einheimischen kaufen v.a. fisches Fisch- und Krabben-zeugs. Die Touristen-Hotspots sind klar durch lange Schlangen markiert, denn heute kann man auch direkt zu schnabulierendes Essen kaufen, zum Beispiel geschnippelte Melone. Mjam.

So gestärkt ging es weiter Richtung Hauptattraktion der Stadt, dem Garten, aber auf dem Weg dahin finden sich verschiedene andere Kleinodien, schließlich ist Kanazawa eine alte Burgstadt und damit Sitz einst unzähliger Samurai-Residenzen, von denen einige überdauert haben. So auch die ehemalige Residenz der Familie Takamine, die man kostenlos besichtigen konnte. Leider habe ich kein Fotos vom westlichen Teil des Hauses gemacht.Das sah wirklich wie ein Wohnzimmer aus den 1950ern aus und ich war mir nicht sicher, ob der Hausmeister nicht doch noch dort wohnte. 😅

Letzter Besitzer war übrigens Takamine Joukichi, der zusammen mit Thomas Bell Aldrich 1901 erstmals das Adrenalin isoliert hat.

Aber das Highlight von Kanazawa ist eindeutig der Kenroku-en, der (neben dem Kouraku-en Garten in Okayama, den ich euch auch gezeigt hatte, und dem Kairaku-en Garten in Mito) als einer der "drei
schönsten Gärten" Japans gilt. Es war auch wirklich herrlich. (Ok, die Mädels an dem Stand waren nur halb der Meinung, auch wenn sie fast schon die Erleuchtung erfahren hatten. O-Ton: "Vielleicht sollten wir gerade nicht auf Instagram rumhängen, wo wir schon mal hier in der Natur sind. Aber ich muss euch wirklich noch dieses Reel hier zeigen". Machste nix.) 
Der Name Ken-roku-en bedeutet „Garten der sechs Merkmale", da er über alle Eigenschaften verfügt, die einen perfekten japanischen Garten ausmachen. Laut einem chineischen Klassiker seien das nämlich: Weitläufigkeit und Abgeschiedenheit, Kunstfertigkeit und Althergebrachtes, fließendes Wasser und weiter Blick. (Wie ein Foto unten zeigt, war der Garten auch zur Kimono-Zeit sehr beliebt.) 
 Einfach schejn. Das Wetter spielte auch mit. 
In Kanazawa gab es sogar noch die letzten Azaleen und die ersten Schwertlilien zu sehen.
Ich hatte Glück und konnte mein Mittagessen im Teehaus am Teich essen.

Direkt neben dem Garten liegt die Burg Kanazawa. Leider ist sie mehrmals abgebrannt, zuletzt 1886. Daraufhin zog dort die Universität ein und blieb bis in die 1990er. Man fragt sich, in welchem Zustand. 😕 Seit den 90ern allerdings wird Schritt für Schritt an der Burg rumgewerkelt und mit traditionellen Handwerksmethoden wieder aufgebaut, was auch der Inhalt der Ausstellung im Inneren ist.  
 
Ganz ohne Nägel, nur vmit Verkanntungen und Verputzung hält das Riesending zusammen. Außerdem gab es Schießscharten im Fußboden. Wie so häufig bei japanischen Burgen, haben die wohl aber keine Action gesehen. Die Größe der Anlage verdankt sie vielmehr der Tatsache, dass die Daimyo-Familie Maeda rrrrrreich war. 

Und die verdankten das interessanter-weise der Tatsache, dass sei bei der Reichseinigung auf der falschen Seite gestanden hatten. Die Tokugawa-Shogune hielten es nämlich für klug, ihre Gegner reich dafür zu belohnen, dass sie sich der Pax Tokugawa unterwerfen würden und so bekamen die Maeda das gößte Häppchen vom Kuchen - das größte Lehen mit 10.000 Koku, d.h. Land, das 10.000 Ertagseinheiten von jeweils 150kg Reis generieren konnte bzw. können sollte. Was wohl sagenhaft viel wahr.    

Das Noto-Erdbeben (auf der Noto-Halbinsel, die unweit von Kanazawa liegt), dass 2024 die Stärke 7,4 hatte, half den Aufbaubemühungen jedenfalls nicht. Noch immer sind Teile der Anlage abgesperrt, weil die gewaltigen Kräfte die Mauern der Burgwälle gelockert und teilweise versetzt hat.    

Alsdann trat ich den Rückweg durch das alte Samurai-Viertel an. Wobei da nicht viel zu "sehen" ist insofern, als dass Samurai-Villen durch Mauern geschützt sind, die nicht viel verraten. Aber das ambiente war sehr... öh.. wie in alten Filmen halt. Da stöcheln die sich immer in solchen Gassen, wo kein Mensch unterwegs ist. 😁 
Heutzutage kann man natürlich so einiges besichtigen, leider hatte ich aber keine Zeit mehr. 
Der Rückweg verlief entlang des Wässerchens, das doch recht viel hermacht in so einer Stadt, deren moderner Teil die übliche Hässlichkeit aufweist. So war es dann aber doch ein recht schnuckeliger Weg zurück zum Bahnhof. (Die Krähen hatten tüchtig was miteinander zu zanken. Das war ein Gezeter!)
Und damit ging es zurück nach Tokyo.