Im Viertel rund um das Schloss sind viele Häuser zu Ferienapartments
umfunktioniert, aber nichts dest trotz gibt es noch den alten Charm,
kleine Schreinchen und lokale Unikate.
Im Cafe Seeberg z.B. gibt der alte Beistzer seine Film-Kollektion zum besten; alles ist voller alter und neuer Filmposter und man unterhält sich gerne über die neusten Kino-Hits. davon habe ich leider keine Ahnung, aber davor konnte ich immerhin das selbst-gebackene Brot loben. :)
Wie immer in Kyoto stolpert man auch hier auf den 500 Metern zum Schloss über einen wunderschönen Schrein, der sogar ganz malerisch auf einem Inselchen im Wasser steht, weswegen die Schreinmauern fehlen und man mal einen Blick auf die traditionelle verschachtelte Struktur der Schreingebäude werfen kann. Es ist der Zen'nyo Ryuu-ou, Schrein für den Drachenkönig, der von dem weisen Mönch Kuukai (8 Jhr.), Gründer der Shingon-Schule des Buddhismus, in einer Regen-Zeremonie aus Indien hergerufen worden sein soll.
Leider entging er trotzdmen nicht den Flammen und brannte 1788 nieder.
Die jetzigen Gebäuse sollen trotzdem teilweise auf 1813 zurückgehen.
Es ist jedenfalls eine wahre Oase und ich habe, glaube ich, noch nie einen wirklich so golden glänzenden Koi-Fisch gesehen wie dort. :)
Mein Foto ist leider etwas dunkel, denn die Sonne glänzte und strahlte und piekte ordentlich und kann nicht mit meiner Kamera umgehen. Aber man sieht die hintereinander gebauten Schreingebäude hinter dem großen Frontgebäude, die normalerweise kaum zu sehen sind.
Netterweise fungiert der Schrein als Mini-Park, so dass man durchgehen und auf der Staße zum Schloss hinausgehen kann. Das Schloss hingegen hält leider nur einen Eingang offen, weswegen man am Ecktürmchen vorbei brav um den Komplex zum Haupttor sandalettieren muss.
Das Schloss (oder die Burg, wir nicht unterschieden) ist eine Machtdemonstration der Tokugawa-Shogune der Edo-Zeit (1603–1868) an den Kaiser. Heute ist sie UNESCO-Welterbe.
Die Shogune liefen dem Kaiser schon seit dem 12. Jh. den Rang ab, aber die erste Dynastie (der Ashikaga) hatte aufgrund ihres Erbes, sprich einesauseinanderfallenden Zetralstaats und entsprechend starker Feudalherren noch ordentlich mit dem Kaiserhof zu tun, der verschiedentlich mit Hilfe entsprechender lokaler Samuraiführer Streit vom Zaun brach. Als dies (stark verkürzt, jaja) zum faktischen Zusammenbruch der Zentralgewalt und der "Zeit der kämpfenden Reiche" führte (ca. Ende 15. Jh-Ende 16.Jh.), verschwand der Kaiserhof in der Bedeutungslosigkeit, während die drei Reichseigner dafür sorgten, dass alles niedergemäht wurde, was zu hoch gewachsen war.
Trotzdem führte der erste Tokugawa-Shogun, Ieyasu, seine Abstammung (recht fadenscheinig) auf die Hofadelsfamilie der Minatomo zurück und lies sich om Kaiser ordnungsgemäß zum Shogun (Landesverteidiger) ernennen. Die Zentrale der Tokugawa sollte aber das spätere Tokyo werden. Um dem Kaiser in Kyoto aber zu vermitteln, was Sache war, lies man 1603 die Burg Nijo errichten, wo Ieyasu bei seinen Kyoto-Besuchen residierte und "die Wechselfälle der Tokugawa-Familie" erlebte, wie im deutschsprachigen Pamplet zu lesen ist. (Wozu gibt es eigentlich Google-Übersetzer?!)
Die Burg wurde absichtlich so gebaut, dass sie den nahe gelegenen Kaiserpalast überragt. Als Burg war sie aber nie im Einsatz, weswegen auch häufig von Schloss gesprochen wird.
Die Tore kommen entsprechend opulent und staatstragend daher.
Die Gebäude auf dem Gelände sind derwegen etwas missverständlich deklariert. Als Normalbesucher kann man das eigentliche Schlossgebäude, den Ninomaru-Palast, nämlich gar nicht besuchen. Dort ist die Besucheranzahl begrenzt, so dass man sich vorher um Extra-Tickets und Time-Slots bemühen muss. Wie immer habe ich das nicht gemacht und mich mit dem "Rest" begnügt. Dort darf nicht fotogrrafiert werden. Vier Gebäudeteile sind durch einen langen Korridor miteinander verbunden und nur auf dem Korridor darf man entlang gehen. Im Prinzip sieht man "nur eine endlose Reihe leerer Tatami-Zimmer", wie ein Kulturbanause neben mir bemerkte. Aber was für Zimmer! Ich habe in keinem anderen Schloss so viel opulente Wand-, Decken- und Türbemalung/-Ausschmückung gesehen wie dort. Es ist eine Augenweide und ein absolutes Muss in Kyoto.
Danach war noch Zeit zum Essen. In einer von diesen aussterbenden alten Einkaufs-Passagen gab es einen Sushi-Laden, in dem ich mir ein schönes Set gegönnt habe. Legger!
Chirashi-Sushi, d.h. Fisch auf Reis, ohne, dass er in Rolen geformt wird. Außerdem gab es wie immer ein Sammelsurium von etwas eingelegtem Gemüse, Miso-Suppe und Eier-Omlett.
In Kanazawa angekommen, gab es kurz Stärkung am Bahnhof. Soufflee-Pancakes; kann man machen. :P
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen