Sonntag, 9. Juni 2024

Alles neu macht der Mai: vom Suchen und Finden in Tokyo

Da war ich also wieder hier. Das Gedächtnis ist gut im Verdrängen: die Menschenmassen, der Lärm, die Enge. Es ist vor Allem (gefühlt) nix, was auch nicht nicht geändert hätte. Gerade mal die Straßenzüge und Megakaufhäuser sind da, wo sie schon immer waren. 
Harajuku - Laforet und Tokyu- Kaufhaus sind da. Das Gebäude, von dem aus ich fotografiere, ist aber neu am Platz. 
Der Trubel in der Jugendeinkaufsmeile Takeshita-Street ist jetzt selbst am Wochenende kaum zu ertragen. Die alte Rock- und Anime-Subkultur ist aber nur noch vereinzelt zu sehen. Inzwischen dominieren auch hier KPop-Trends und -Mode, was aber absolut Maintream ist. Rock und Gothic sind größtenteils tot, auf jeden Fall aber exclusiver als zuvor (die Geschäfte Closet Child und Body Line hauchen gerade ihr Leben aus bzw. verlagern das Geschäft online). Abgedrehtes Zeug für Schulmädchen-Budget gibt es kaum, dafür exklusive Modemarken für teuer Geld auf der zweiten Seite von Harajuku. Außerdem boomt Second-Hand- Markenmode.  
Selbst den Crêpes-Läden geht es an den Kragen, an der alten Ecke ist nur noch einer übrig. 
Stattdessen schießen neue Gebäude wie Pilze aus dem Boden. Z.B. der Miyashita-Park Richtung Shibiya oder das ganz prominent IKEA direkt vor dem Bahnhof Harajuku (mit lokalisierten Produkten wie Grüntee- Kuchen). Was an altem Charm verloren ist (wahrscheinlich wollte und konnte man in den alten Bruchbuden auch nicht mehr bleiben), wird durch etwas mehr Lebensqualität wett gemacht. 
Der Trend geht zu Grünflächen und Terassen auf den Hochhäusern, so dass man sich zum ersten Mal ordentlich irgendwo hinsetzen kann in der Gegend. 
Selbst Außenbereiche sind häufiger geworden. (Oben der Blick von der Terrasse des IKEA-Gebäudes auf den neuen Bahnhof Harajuku. Unten die andere Seite.)
Im Mai/Juni ein Traum. Wie hier die neue Kneipenmeile am Miyashita-Park. 
Nur finden wollen sollte man nichts. Es ist zu viel, zu voll, zu verwinkelt. Ich konnte mich in Shibuya an nichts erinnern außer an die Hundestatue Hachiko und den Weg zum Book-off (Buchladen), den es nicht mehr gibt. Damit war mein Ankerpunkt weg und mein Orientierungssinn hinüber. Googlemaps und GPS sind dein Freund, trotzdem irrt man ober- oder unterirdirdisch in der Hoffnung, den richtigen Durchgang oder Überweg zum richtigen Gebäude auf der richtigen Etage zu finden. Ein Albtraum, wenn man weder Nerven noch Zeit hat. Zum Glück hatte ich immerhin Letzteres. 
(Die alten Werbeplakate sind kurioserweise noch da in Harajuku. Sunny-Boy erklärt Dummchen, dass sie kein so einfaches Passwort wählen soll. Gesponsert von einer Initiative für IT-Ausbau. Herr(!)lich.)
Essen des Tages: Gegrillter Fisch im Ootoya (Restaurant-Kette). 

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