Am 21. November, Freitag, habe ich also meine Reise angetreten, die mich zunächst nach Kyoto führte. Und diesmal nicht mit dem ollen Nachtbus - sondern mit dem Shinkansen! :) Der Grund für die Reise ist das Treffen mit einem Professor, der als einer der wenigen in Richtung meines Forschungsthemas etwas veröffentlich hat und der an der Ritsumeikan-Universität in Kyoto arbeitet. Letztes Mal hatte ich deswegen keine Zeit, besagten Herrn zu treffen, diesmal sollte es aber klappen. Leider sagte der Herr spontan für die Woche nach meiner Ankunft zu, so dass die Vorbereitungszeit denkbar napp war. Was übersetzt heißt, Schlafplatznot und teure Busse. Statt mich also im Nachtbus für 150 E (Hin- und Rückfahrt) zu quälen, habe ich mich diesmal für den Japan Rail Pass entschieden.
der Rail Pass ist ein nützliches Stück teures Papier, das man nur mit Touristen-Visum bekommen kann, weswegen ich ihn bisher nicht nehmen konnte. Das Problem an dem Ding ist, dass man ihn außerhalb von Japan kaufen muss und ich die Idee natürlich wieder viel zu spät hatte - 2 Tage vor Abreise nämlich. Aber für ein wenig Geld kann man sich den Pass auch nach Japan schicken lassen, also habe ich jetzt einen 200 Euro teuren Pass, mit dem man die JR-Bahnen in Japan für 7 Tage am Stück nutzen kann. Und eben auch die meisten Shinkansen, bis auf die Super-Super-Züge. Mit dem Pass bewaffnet machte ich mich also morgens 7.06 Uhr auf dem Weg zum Bahnhof, um 10 Uhr in Kyoto wieder auszusteigen.Klappte alles primstens. :)
Da ich bin zum Treffen ein wenig Zeit hatte, sollte natürlich einmal mehr Kyoto erkundet werden. Aber keine Angst, ich werde euch nicht wieder mit dem Goldenen Pavilion langweilen. Diesmal sollte es ein Stückchen außerhalb, nach Arashiyama gehen.
Reisen mit dem Shinkansen sind auf jeden Fall besser als mit
Nachtbus, auch wenn man dafür 6.00 Uhr aufstehen muss. Das war aber in dem Fall
auch nicht schwer, weil meine liebe Mitbewohnerin Nr.2, Anne, bis 4.00 Uhr in
der Nacht mit ihrer Freundin schwatzen musste und ihr Zimmer direkt über meinem
liegt. Die Ohrstöpsel stehen schon auf der Einkaufsliste. Jedenfalls ging es ab
Shinagawa direkt nach Kyoto. Im Übrigen darf man im Shinkansen sogar schlafen,
ohne von ruppigen Schaffnern geweckt zu werden. Die Schaffner gehen nämlich
durch und notieren sich die Sitze, die sie bereits abgefragt haben und machen
mehrere Runden. Wer schläft, ist also einfach später dran und man wird nicht
5mal gefragt.
In Kyoto kam ich 10.00 Uhr an und musste erstmal ein Schließfach
erjagen. Aber als Altes Häschen wusste ich ja, dass die Millionen
Schließfächer, die um den Bahnhof herum aufgestellt sind, spätestens mit der
Ankunft der Nachbusse morgens um 7.00 Uhr bereits belegt sind, so dass ich
gleich innerhalb der Ticket-Gates irgendwo an den Gleisen Ausschau gehalten
habe.
An diesem Tag sollte es nach Arashiyama gehen. Das ist ein
Bahnhof/Örtchen ein bisschen außerhalb Kyotos und berühmt für sein
Bambuswäldchen, einen Park und überhaupt die schöne Landschaft. Da sowieso alle
Touristen dieser Welt an diesem durch einen Feiertag verlängertem
Herbstwochenende Kyotos Busse überfüllen und die Tempel stürmen würde, dachte
ich, dass ich in Arashiyama vor den Horden sicher wäre.
Der Plan ging aber
leider nur halb auf: Inder Tat sah ich kaum „Langnasen“, aber die Chinesen
waren alle schon da. Also schob ich mich durch den Bahnhof und schlenderte am
Fluss entlang, um dann die Tempelstraße zum Tenryuji zu gelangen. Ohne Tempel
geht Natur schließlich auch nicht.
Am Tenryuji konnte man einmal von der Tempelveranda aus die
Landschaft und die Leute begucken, die ihrerseits vom Garten aus den Tempel und
die gaffenden Leute beguckten. Sehr spannend das Alles, aber mit ein bisschen
Geduld konnte man trotzdem menschenleere Bilder ermogeln. :)
Das Highlight war dann aber der Bambuswald, den ich bisher
nur auf Fotos gesehen habe. Natürlich darf man nicht direkt einfach in den Wald
hinein, sondern es gibt einen eingezäunten Weg hindurch, damit sich die Touris
auch ja nicht verlaufen und am Ende noch Bambusse fällen oder…was auch immer
der Grund ist. Trotzdem ist es immer noch beeindruckend, durch diese meterhohen
baumähnlichen Riesenhalme zu gehen und den Wind hindurchpfeifen zu hören.
Ein "Nasenpfeifer". Laut Schildchen ein selbst gemachtes Instrument, das tatsächlich wie eine Flöte klang.
Leider sah man den Bambuswald vor lauter Leuten kaum..
Im Anschluss habe ich mir etwas zu essen suchen wollen, aber
es war natürlich alles belegt und mit Anstehen verbunden. Da dachte ich mir,
dass ich sicherlich auch in Tojiin etwas zu essen finden würde, wo ich
hinfahren musste, um zur Ritsumeikan-Universität zu gegangen. Das Treffen mit Prof. Kim war schließlich der eigentliche
Grund für die gesamte Reise.
Am Randen-Arashiyama Bahnhof hatten sie überall Säulen mit Kimono-Stoffen aufgestellt.
Nach einer kurzen Fahrt mit der kleinen Randen-Bahn saß ich
dann auch schon mitten im Nirgendwo.
Kyoto ist abseits der Tempel eben auch nur ein Kaff, und für Restaurants
am Bahnhof hat’s da nicht mehr gereicht. L
Aber direkt neben der Universität habe ich immerhin das lokale Studenten-Cafe
erspäht und leckere Bratnudeln gegessen, da war dann alles wieder in Ordnung.
Das Treffen mit dem Professor verlief sehr gut und um zwei
Bücher und etlichen Aufsätze schwerer verlies ich die Ritsumeikan auf der Suche
nach irgendeinem Bus, der mich idealerweise in Richtung Kyoto-Bahnhof bringen
würde. Das tat Buslinie 300irgendwas dann zwar nicht, aber ich kannte mich gut
genug aus, um meinen Weg zu meinem Gepäck-Schließfach zu finden und den Weg
nach Osaka antreten zu können.
Eigentlich hatte ich ja geplant, am Abend noch einmal zum
Kiyomizu-dera-Tempel hochzustiefeln und mir die angeleuchteten Herbstbäume
anzuschauen, wie letztes Jahr, aber der Tempel wird immer noch
renoviert und da sind immer so viele Leute und ich war müde und überhaupt. (Bilder hier vom letzten Mal)
In Osaka angekommen merkte ich, dass ich mir den Weg zum
Hotel nicht aufgeschrieben habe. -.- Aber für Panik war trotzdem kein Grund:
Als ich am Bahnhof Shin-Imamiya ausstieg, beschlich mich das Gefühl, dass ich
diese Gegend doch kannte und tatsächlich hatte ich mir ein Business-Hotel
gewählt, das nur um die Ecke von dem lag, wo ich anno 2009 schon einmal
übernachtet hatte. Diesmal gab’s das Ganze aber ohne Käfer in der Tatami, worüber
ich doch sehr dankbar war. Und: Das Hotel hatte ein japanisches Bad und eine
Sauna, wo man so richtig schön ausgiebig den Abend ausklingen lassen konnte.