Mittwoch, 24. Oktober 2012

Hacchobori

Ja, ich weiß, ich hab' diesen Blog sträflich vernachlässigt. Es erreichen mich Nachrichten von beuunruhigten Familienmitgliedern, die sich fragen, ob es mich noch gibt. Also ja, es gibt mich noch. Ich bin noch nicht mal soooo beschäftigt, wie die letzten zwei Jahre. Aber dieser plötzliche Japanaufenthalt birgt eben doch auch andere Tücken.

Seit ich hier bin, beschäftige ich mich damit, irgendwie einen Plan darüber zu erstellen, was ich eigentlich hier will. Das ist aber schwierig, weil sich das mit der Literaturrecherche eben immer erst so stückchenweise ergibt. Also bin ich fleißig in der Bibliothek und verusche, irgendwie Ordnung in meine Forschung zu bringen. Daneben versuche ich, mal wieder ordentlich ins Japanisch Lernen zu investieren, was mir einen Halt im Wochenplan geben soll, aber irgendwie... bin ich doch daran gewöhnt, vornehmlich zu Hause zu arbeiten und das ständige Pendeln zwischen Bibliothek, Cafe und Mensa ist irgendwie nicht mein Ding, verschlingt Zeit und erfordert mehr Planung, als ich aufbringen kann. Vor allem wegen des Internets, ohne das das Leben eines Studenten einfach nicht machbar ist. Aber nun habe ich endlich einen Uni-Online-Zugang (der mich mal eben 250 € kostet, wie ich heute erfahre, ohne vorher je von Kosten gelesen/gehört zu haben.). Die eingeschränkte Erreichbarkeit war jedenfalls sehr ungünstig, weil meine Konzentrationsversuche aufs Wesentliche in diesen letzten beiden Wochen auch fleißig von Universitäten und Stiftungen gleichermaßen torpediert wurden, die immer dieses oder jenes haben wollen, ich aber im Prinzip nicht zu Hause war. ... Naja, es bleibt festzuhalten, dass Studium zu 90% aus Verwaltung und VerwaltungEN besteht, die sich mit sich und allen anderen v.a. im Unklaren befinden, was ziemlich schlaucht. 

So auch wieder mal diese Riesen-Stadt, die mich damit nun schon zum viertel Mal überrascht. Die (wenigen) Ereignisse der letzten beiden Wochen lassen also noch in bisschen auf sich warten, diesmal kriegt ihr das Haus und die Gegend vorgestellt, in der ich wohne. 

Ich wohne im Stadtteil Hacchobori, direkt neben dem Bahnhof von Tokyo und damit also im (ziemlich östlichen, aber immerhin) Herz der Stadt. Ziemlich teuer, möchte man meinen, aber ich bin in einem Guesthouse untergekommen, an dem alles, v.a. eben der Preis, ziemlich moderat ist. Das fängt bei der Lage an. In der Mitte zu sein, hat natürlich seinen Vorteil, die Nachteile sind aber auch nicht ohne. Z.B. befindet sich mein unscheinbares Häuschen umzingelt von Hochhausriesen, was v.a. bedeutet: Es ist finster. Es ist von morgens an finster, natürliches Licht ist an diesem Ort nicht vorgesehen. Ansonsten bietet die Lage natürlich sau-teuere Einkaufsmöglickeiten, weit-und-breit keinen 100-Yen-Shop und die Schnellstraße ist selbstverständlich inklusive. "Wie leise es hier doch ist" zwitscherte unlängst eine japanische Freundin, als sie dem natürlichen Geholpere der Lastwagen, den Polizeisirenen und dem allgm. Straßenlärm lauschte.  Ich hätte ja nur die Straße als Störfaktor - das ist Luxus. Richtig, man muss es positiv sehen: Andere Leute wohnen schließlich 10 cm neben der Bahnstrecke.     

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Dies ist der Eingang, um den ich beim ersten Mal mit meinem schweren Koffer sicherlich 15 Min. herumgekreist bin, bevor ich ihn als Eingang identifizierte.Jeder hat sein Schuhfach, es herrscht Pantoffel-Zwang.

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Als erstes trifft man auf die Küche, wenn man nach oben geht. Dieser Ort ist der soziale Treffpunkt, an dem man mit den sonstigen Bewohnern ins Gespräch kommen kann. Diese bestehen zum Großteil aus leutseligen älteren japanischen Herren um die 40-50, die ich zuuuu gern fagen würde, warum um alles in der Welt sie in einem Guesthouse leben. Aber das geht wohl nicht. Außer einer Französin, deren Zimmer direkt in der Küche ist (eindeutig Arschkarte^^), scheine ich die einzige Ausländerin zu sein, wobei der Großteil der Bewohner sich allerdings gekonnt versteckt. Jedenfalls ist das Haus angeblich voll, ich habe aber erst eine handvoll Leute gesehen. 

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Ein Stockwerk darüber ist "das Bad". D.h. es gibt ca. 5 Duschkabinen und viele Waschbecken, gegenüber denen aber auch wieder Leute wohnen. Ich fürchte, die störe ich abends öfter mit dem Fön, aber noch hat sich keiner beschwert. Das ganze könnte schon ein bisschen komisch sein, aber bisher habe ich noch nie Konkurrenz gehabt, wenn ich am Waschbecken stand, von daher ist das eigentlich kein Problem. Noch ein Stockwerk weiter drüber befinden sich die Toiletten. 

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Noch ein Stockwerk höher ist mein Zimmerchen. Im Prinzip ist das sehr praktisch, denn unter mir ist  nur die Toilette und neben mir ist nur ein leerer Raum unbestimmten Zwecks, so dass ich niemanden so richtig stören kann. Das ist bei der Wandbeschaffenheit hier durchaus vorteilhaft. Mein Zimmer ist diesmal 4 Tatami groß, was im Vergleich zu meinem letzten Guesthouse (2,5) eine echte Verbesserung ist. :) Allerdings war damals die Platznutzung wesentlich effizienter durch das Hochbett, aber ejal. Solange die zwei Haken in der Außenwand irgendwie den Großteil meiner Klamotten ertragen, ist alles i.O... Und ich habe diesmal sogar zwei Fenster, ha!

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Das Bett hat ja nun eine kuschelige Decke und ein Kissen und so langsam hab' ich mich eingerichtet, so dass ich nicht mehr über mein Zeug falle. Von daher is es schon ein niedliches kleines Zimmer, das eben das Problem hat, dass es nie hell ist (die Fotos verdanken ihr Licht der Kamera), denn hinter den Fenstern gibts nur Hauswand zu sehen. Und selbst im Sommer ist es kalt. Zumindest bei den jetzigen 24°C draußen ist es hier immer gefühlte 10°C kälter... Und man ist halt doch verwöhnt. Der Hocker mit der Mini-Lehne und die Abwesenheit eines Sofas in diesem Haus setzen meinen jugendlichen Knochen jedenfalls mehr zu, als gedacht. o_o

Die direkte Nachbarschaft besteht hauptsächlich aus Büro-Hochhäusern, mit Cafes und Restaurants dazwischen. Wenn man ein bisschen weiter geht, kommt man jedoch schon ans Wasser.

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Überraschenderweise gibt es in der Nachbarschaft relativ viele "Parks". Diese sind ja, wie wir wissen, immer fein auf jeder Karte als grüner Fleck identifiziert, was jedem Ausländer Grünzeugs und Natur suggeriert. Die richtige Übersetzungwäre jedenfals "Platz". Auf diesen Plätzen sind ein paar Bänke, 'n Baum und 'ne Rutsche.  Die habe ich zu Lektürezwecken eifrig frequentiert (also die Plätze), was bei dem Wetter hier sehr schön war. Bis auf heute, wo ich nur über die Straße vorm Haus saß, um bei Regen schnell verschwinden zu können und trotzdem unrettbar von der plötzlich eintretenden Sintflut hinweg gefegt wurde. O_o 

Das Foto gibt die Sintflut nicht richtig wieder. Es wird jedenfalls demnächst auch hier kälter. Schade eigentlich.

Die Essenz des Ganzen ist jedenfalls: Ich bin praktisch nicht zu Hause. Ich gehe aus dem Haus, verbringe die Stunden irgendwo zwischen Parks, Mensa, Bibliothek und irgendwelchen Cafes und versuche, mein Zeugs dabei zu erledigen. Und das stresst gewaltig. Man ist ja wirklich von morgens bis abends weg und wuselt andauernd durch diese Bahnhöfe und Straßen und Tunnel und was weiß ich. Deswegen sind die Tage hier so schnell weg, obwohl man wie immer nicht die Hälfte von dem geschaft hat, was man wollte. Weil man nicht "zu Hause" ist und weil es nicht "gemütlich" ist. Nicht mal die Cafes, die natürlich Cafe-Ketten sind, überklimatisiert und auf kurz verweilende Gäste ausgelegt. Machen die Tokyoter das alle so? Der Blick in die Cafes sagt: ja. Das ist tödlich auf die Dauer, da bin ich mir sicher. 

Dienstag, 9. Oktober 2012

Japan! ..und zwar schneller als gedacht.

Bin ich also wieder hier. Vielleicht sollte ich für den geneigten Leser ein bisschen weiter ausholen: Aaaalso... wir schreiben das Jahr 2012 und es ist ein geschätztes Jahrhundert lang, weil es dazu genutzt werden musste, die *hust* lieeebe Masterarbeit zu schreiben. Die ist FERTIIIIIIIG! Zusammen mit der Erstellerin (Dreifach-Sinn ist beabsichtigt.) Doch halt: Eins fehlt zum Glück noch - natürlich Note und Zeugnis. Aber immerhin wurde am 3. September die Prüfung bestanden um dann sofort die fleißig verdienten Ferieeeeeen endlich zu beginnen! Also, um sich hurtig an die Bewerbung für das Doktorandenstudium zu machen, denn Stipendien-, Universitäts- und sonstige Deadlines lassen so ungern an sich kratzen. Also wurde mit nun wirklich allerletzter Kraft noch an der Bewerbung gezimmert und zwar fast bis zum wörtlich zu nehmenden letzten Tag, nämlich bis zum 2. Oktober 2012. 

Danach gab es Familienausflug nach Dresden und schon wurde ich zum Flieger gekutscht, der mich einen Tag später, am 5. Oktober 2012, sicher in Japan ablud. Wie es dazu kam? Nun, ich bin ja nun (fast - immerhin beworbener) Doktorand und brauche entsprechend Material! Sonst wird das ja in den nächsten zwei Jahren (O-Ton Professor) nix. 

Also bin ich brav aus dem Aeroflot-Flieger geklettert und bei hiesigen herbstlichen Temperaturen (sprich sengender Hitze) mit Sack und Pack zum Freshroom Tokyo getigert, wo ein kleines Zimmerchen auf mich wartete. Soweit so gut, aber...fehlte da nicht was? ^^°  Ohne Bettzeug machte sich das alles nich' so jut. Aber es war keine Zeit, sich darum zu kümmern: Der kühne Anti-Jetlag-Plan sah einen Besuch bei der Keio und ein Konzert vor, also musste ich mich sputen. Bei der Keio wollte ich nach meiner Bewerbung fragen, weil die Deadline am besagten 5. war, die Post es aber nicht nötig hatte, ordentlich zu arbeiten. Aber dort wusste man Bescheid, dass die Bewerbung kommt, und die Verspätung sei kein Problem. Schön. Bleibt nur zu hoffen, dass der DAAD auch so locker drauf ist, dort zählt zwar der Poststempel, aber das Einschreiben war nach 3 Tagen jedenfalls noch nicht da. -.-

Danach ging es nach Takadanobaba, wobei mein Erfolg püntklich zu sein durch die Bahn torpediert wurde. Aber ich hab Kristin trotzdem gefunden und zusammen ging es zum Creature Creature Live, das wir gegen 10 glücklich und erledigt verließen. Da mein Bett noch nicht schlafbereit war, hab' ich mich für die Nacht kurzerhand bei Kristin + Freund einquartiert, was in einer Schlafensgehzeit von um 4 resultierte. @_@

Einigermaßen wach stand am 6. dann die Bewohnbarmachung meines Zimmers an. Die wurde am 7. komplettiert, weil mir eine gute Freundin, Akiko, zum Glück ein Set Decken und Kissen  etc. gebracht hat, so dass ich auch im November nicht frieren muss. Obendrauf gab es einen Mini-Plaste-SkyTree (Tokyos neuer höchster Turm) mit Beleuchtung als Geschenk, der dadurch immerhin seine Bleibeberechtigung durch Dienst als Nachtlampe erworben hat. ;D Mit Akiko ging es rund um den Bahnhof Tokyo spazieren, weil die Renovierung und der Ausbau des Bahnhofs (sprich: etlicher Kilometer über und unter Land rund um die Station) noch nicht abgeschlossen war, als ich das letzte Mal da war.

Meine neue Kamera kann Panorama-Bilder! *-*  Ihr seht den alten Bahnhof Tokyo auf dem späten 19. Jh., der jetzt renoviert zum Nationalschatz erhoben wurde.

Ich erinnere an dieser Stelle mal an einen Eintrag vom April 2009:
 Anschließend fing die Essenssuche-Odyssee an, mal wieder. Um den Palast herum gibt es aber auch gar nichts zum einkehren.
Dieses Problem soll niemals wieder jemand haben: Tokyo verfügt jetzt jedenfalls über einen Riesenkomplex an Läden und Fressbuden mehr. Man fragt sich, wo die Leute früher alle waren, denn es strömen Millionen durch die Gänge und es konnte noch nicht wirklich festgestellt werden, dass diese Massen an anderer Stelle fehlen.... Das Essensvergnügen wird also nur durch die obligatorischen Schlangen sprich Wartezeiten gehemmt, es scheint also fast, als wäre noch immer nicht genug Angebot da. 

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Die Kuppel im Eingangsbereich des Bahnhofs, *-* + Akiko

Es gibt eine weitere schockierende Neuigkeit: Bänke! Also, so zum sitzen. So am Gehweg. So..viele! Grandios! Ich muss dreingeschaut haben wie'n Osterei als ich davon hörte, jedenfalls hab ich die arme Akiko völlig durcheinander gebracht, als sie versuchte, mir davon zu berichten. Das Highlight des Ganzen: Auf etlichen Bänken sitzten bereits Dauergäste - Plastik-Figuren von berühmten Personen aus Kunst, Geschichte, Entertainmentwelt etc.

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l: leckeres Mittagessen; r: Sakamoto Ryoma darf natürlich nicht fehlen! (Habe meine BA-Arbeit über ihn geschrieben.)

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Auf unserem Rundgang habe ich so viele Cafés mit Sitzmöglichkeiten draußen gesehen wie noch nie. - Tokyo macht Werbung für Olympia 2020.
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So ist sogar mal ein Stelldichein mit Oguri Shun möglich. :) (Schauspieler) - Und auch das alte Japan darf natürlich nicht fehlen. Wenn es auch ein bisschen gequetscht wirkt. 



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Einwandfreies Stromsparen, das natürlich immer noch ausgerufen ist. - Und rechts seht ihr das Schaufenster von Hermes mit seinen neusten Krawatten-Kreationen.


Unter der Bahnbrücke von Yurakucho versteckt sich noch so ein Ort des ungenierten Füße-Hochhebens nach der Arbeit für die Businessmänner. Diese kleinen Kneipen gab es früher überall unter den Schienen, jetzt sind es aber weniger.

Samstag, 6. Oktober 2012

Bin wieder dahiere und seeeeehr müde. Alles Weitere morgen! *-*

Freitag, 30. März 2012

Abreise

19.03.2012

Zum letzten Mal gab es eine Runtze Toast mit Ahornsirup zum Frühstück und schon stand ich mit meinem 90 Liter- Rucksack, meinem Handgepäck-Rucksack und Franzens Läppi am Gleis und wartete auf die Bahn zum Flughafen. Einsteigen, fertig. Irgendwann hielt das Gefährt mitten in der japanischen Pampa und es ging nicht weiter. Leider kann ich euch nicht verraten, was gewesen ist, zum Verstehen der Durchsage reichten meine rudimentären Sprachkenntnisse leider nicht aus. (Anm. der Redaktion: Da wird auf den superschnellen Zug gewartet, der erst vorbeifahren muss und die Fensterscheiben zum wackeln bringt.^^) Mit einer Verspätung kam ich an, checkte am ServicePoint selber ein, hatte Probleme mit meiner Buchung, musste doch zum Schalter. Dort verkündete man mir, dass ich leider nur den Platz am Notausgang habe. Warum „leider“? Das sind die besten Plätze!!! (Man hat Beinfreiheit, die Getränke vor der Nase und die Snacks voll im Blick :)). Dann hieß es anstehen, anstehen, anstehen, Kontrolle, Schuhe aus (wie in Tempeln!!!), Schuhe an, Läppi aufklappen und wieder zuklappen (was soll man da verstecken?) und weiter zum Boarding. Ich hatte nicht einmal Zeit, um im Duty-Free-Shop zu shoppen! Man ist denen Umsatz verloren gegangen… Meine 270 Rest-¥ hätte ich noch auf den Kopf hauen können, aber nö, ich musste sie behalten.

Der Wind war steter Begleiter zu ebener Erde, er war es auch in der Luft. Lasst es mich so ausdrücken: Das Flugzeug lag unruhig in der Luft und das Lämpchen, man möge den Gurt umlegen, erlosch während des gesamten Fluges nicht und mehr als einmal mussten die Stewardessen Rückstände von verschütteten Getränken mit Papiertüchern zu Leibe rücken. In dem ganzen Hin und Her fiel das Lesen äußerst schwer, weswegen ich kurzzeitig das Boardkino beanspruchte und mir „Die Abenteuer von Tintin“ (Deutsch: Tim und Struppi) anschaute. Der Kinofilm ist nett gemacht, lebt von seinen Effekten und technischen Mitteln, die Story ist … hm, sagen wir Mittelmaß. „The Artist“ (immerhin hochgelobt und Oscargekrönt) lief leider nicht an…

In Paris Charles De Gaulle wiederholte sich das übliche Gehetze von Terminal zu Terminal, aber ich schaffte es auch diesmal. In Berlin klappte alles prima, der Bus zum Bahnhof kam, der Zug war wie immer unpünktlich, verspätet um 35 Minuten, nichts Neues, an das man sich gewöhnen müsste also, in FFO – man lese und staune – wartete sogar der Nachtbus! Mehr konnte nicht erwartet werden.

So, und damit ist’s nun vorbei. Ich geb‘ ja zu, ich hab‘ über‘s Wetter genörgelt – hat Franzen wahrscheinlich vergessen, ein schönes zu bestellen – aber sonst? Sonst, können wir das gerne wiederholen. Also… wenn ich wieder Geld hab‘… und bei schönem Wetter natürlich ;)

Zum Schluss. Also wirklich zum SCHLUSS gibbet noch ‘ne Reiseroute. Wäre am Anfang viiieeeelleicht sinnvoller gewesen, aber eben nur vielleicht.



Nikko

Jetzt ist doch wieder mehr Zeit ins Land gegangen, als gedacht, aber das Warten hat ein Ende. Hier der letzte Reisebericht meiner Japantour 2012:

Da war es wieder, das von Franzen so oft beschworene mystische Wetter, das ich eher als mistig-nibulös bezeichnen würde. Aber egal, wir hatten Wetter, das ist ja schon mal was. Zusammen mit drei von Franzens Bekanntschaften aus dem Wohnheim stiegen wir in den Zug, der uns ohne Zwischenfälle, Verspätungen oder andere erwähnenswerte Vorkommnisse nach Nikko verbrachte. Kaum 10 Minuten aus dem Bahnhof heraus und nach 50 Metern zurückgelegtem Weg zum Ausflugsziel fing es zu regnen an und hörte an diesem Tag auch nicht wieder auf; nicht eine Regenpause, nicht einmal für 5 Minuten. Also stiefelten wir mit Kapuze ausgestattet und gezücktem Regenschirm weiter. Der „Nikko-World-Herritage-Pass“ für schlappe 3800 ¥ pro Person beinhaltete die Hin- und Rückfahrt von Asakusa aus und berechtigte außerdem zur Besichtigung der wichtigsten Tempel und Schreine, von denen es auch in Nikko eine nicht gerade kleine Anzahl gibt. Heilige Quellen, Bäume, Stelen nicht mit gerechnet, für die man aber auch keinen Eintritt löhnen muss, sondern mehr oder weniger darüber stolpert. Los ging es gleich mit einem Tempel in „Verpackung“, der die übliche Restaurierungszeit erreicht hatte.

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Wetter und Tempel

Nach ein wenig Stau an einer Reihe von kleineren Buddhastatuen mit anschließendem Verkaufsstand mit Talismanen waren wir wieder draußen. Wir, d.h. Franzen und ich. Wartend wurde mir wieder einmal klar, dass ich kein Gruppenmensch bin und lieber mein eigenes Tempo gehe. Nichts desto trotz blieb die Gruppe zusammen und erkundete weitere drei, vier Tempel. Die habt ihr nun schon mehrfach in anderen Nikko-Berichten gesehen, daher lassen wir das an dieser Stelle. Zu sagen gibt es bloß: Es lag SCHNEE.

Zum Schluss wollte ich unbedingt noch die Jizo-Statuen sehen, die in Reiseführern und Fotos immer so abgebildet werden, dass man einfach denken MUSS, sie säßen in endlosen Reihen an einem verlassenem Ort irgendwo tief im Wald. Die Gruppe entschloss sich erst was zu essen, anschließend zu den Jizos zu gehen und dann zum Zug zurück zu tigern. Gesagt und fast getan. Das Gaststädtchen war ulkig. An der Tür begrüßte ein Schild auf Englisch ausdrücklich auch alle Vegetarier, ausgewählte Speisen wurden auf Spanisch angepriesen. Der Innenraum mit drei Tischen – oder waren es doch noch vier? – war über und über mit Zettelchen, Postkarten, Kritzeleien gespickt und an Hand der Sprüche, Witze, Grüße konnte man erahnen, dass Nikko in den Japan-Reiseführern aller Sprachen dieser Erde mit drin ist :). Die resolute ältere Köchin/ Besitzerin/ Kellnerin nahm sich auch kurzerhand des nassen Haares unseres englischen Begleiters an und nachdem also nach einem 15-maligen „Daijobu“ (oder wie man das auch immer transkribiert…es heißt jedenfalls so viel wie „Daijobu?“ – „Geht‘ s so?/ Alles in Ordnung?“ und „Daijobu.“ – „ja, alles o.k.“) die Haare verstrubbelt aber etwas trockner wieder an ihren richtigen Platz und gewünschte Ordnung gebracht waren, war auch das Essen servierbereit.

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Gaststättchen

Dieses hat geschmeckt, obwohl ich mit meinen Gyoza (hab‘ immer noch nicht gefragt, wie man die „richtig“ schreibt, es sind jedenfalls die gefüllten Teigtaschen – von denen ich immer noch weiß, wie man sie schreibt: „T-E-I-G-T-A-S-C-H-E-N“) wieder nur belächelt wurde. Ich würde zu wenig essen. Hey! Drei Mahlzeiten am Tag und das mehr oder weniger regelmäßig – das hab‘ ich sonst höchst selten! Mampf, mampf… die Zeit verging. Es blieb eine Stunde, um die Jizos aufzusuchen und es machten sich auch tatsächlich alle im strammen Tempo auf den Weg. Zwei blieben schon etwas zurück und als wir den Weg nicht gleich auf Anhieb fanden, strich auch die dritte im Bunde die Segel, und alle drei kehrten schon zum Bahnhof zurück, um den Zug nicht zu verpassen. Na ja, auch verständlich, schließlich mussten alle drei nicht nur nach Asakusa, sondern noch weiter und Tokyo ist – wie jetzt hinreichend bekannt sein dürfte – groß und die Entfernungen entsprechend. Blieben Franzen und ich übrig. Wir fanden die Jizos und nun weiß ich wenigstens, dass die Bilder von langen Reihen tief im Wald verborgener Jizos geschummelt sind - auf den Winkel des Objektivs kommt es an :). Auf einem eisüberzogenem Pfad und vorbei an einer Schlammpiste, die sich an einen Parkplatz mit Klohäuschen anschlossen, trafen wir die Jizos an. Alle in Reihe aber bei weitem nicht unendlich viele und der tiefe Wald entpuppte sich als Stückchen grünen Berghanges. Egal, nun kann ich wenigsten ruhig geschlafen, ich hab’s gesehen.


... und der Beweis, auf den Winkel kommt es an :)

Nun hatten wir noch etwas Zeit ehe unser Zügele abfahren sollte, es regnete und es frischte auf (nicht dass es an diesem Tag warm gewesen wäre, aber es wurde eben noch kälter). Ein Schokolädchen mit einem Stückelchen von einem Küchelchen waren jetzt angebracht. Nun ist Nikko ein Ort, ähnlich wie Kamakura in der Nähe von Yokohama (siehe Bericht 2009) mit bergigem Gelände, waldbewachsen und Flüsschen nebenan mit Tempeln und Schreinen zwischendrin.

unsere erste Tempelanlage

Kleine Gaststättchen und Souvenierlädchen gesellten sich erst später dazu, was dazu führt, dass mit der Schließzeit der Tempelanlagen um 17:00 im Städtchen die Bürgersteige hochgeklappt werden. Nun, unser Zug ging aber erst kurz nach 18:00… Wir fanden immerhin ein Cafe, das noch offen hatte und waren die einzigen, für die der "Warm-Wind-Macher" eingeschaltet wurde. Die Tasse heißer Schokolade konnte richtig genossen werden, weil richtig gut, der Preis musste eher mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und bezahlt werden :). Der Kuchen hat auch geschmeckt… und weil kein Zitronenkuchen mehr da war, mussten wir mit Schoko Vorlieb nehmen. Was kann man denn gegen Schokokuchen einwenden? Genau: NICHTS! Lecker. Aber die Ladeninhaberin war untröstlich erließ und 100 ¥ bei der Endrechnung und schenkte und zudem noch 6 selbstgefertigte winzige Origami-Kraniche. Wie faltet man die denn bitte? Mit Lupe und Pinzette?!

Zurück im Hostel wurden Sachen sortiert, umsortiert, einsortiert und aussortiert. Mein Rucksack füllte sich, wurde praller, barst aber nicht. Gut, dass wir schon weitere 10 Kilo Bücher und Schuhe mit der Post verschickt hatten.

Sonntag, 18. März 2012

Nikko in noch mehr Regen

Durchnässt und mit klammen Socken sind wir heute gegen 21:00 (Ortszeit) aus Nikko zurückgekehrt. Da der Abend so mit eher kurz ausfällt und ich noch packen muss - und nicht nur meine Klamotten - wird der Blogeintrag für heute erst während des Rückfluges geschrieben und in FFO ins Netz gestellt. Ihr habt aber sicherlich schon erraten, dass es wieder einmal ununterbrochen geregnet hat - der Urlaub endet somit so, wie er angefangen hat und war trotzdem schön!

Samstag, 17. März 2012

Regen in Tokyo

Hallihallo Allerseits!
Da hat er uns wieder - der Regen. Es ist grau, nass-kalt und ziemlich ungemütlich. Zudem funktioniert der Airconditioner (Klimaanlage) nicht so wie er sollte, denn es kommt nur kühle Luft herunter gelüftet. Demzufolge versuchen wir diesen Tag innerhalb von irgendwelchen vier Wänden mit einem Dach darüber zu verbringen. Was dabei heraus kommt? Heute abend wird sich sicherlich Zeit finden, darüber noch ein paar Zeilen in den Computer zu hacken, bevor es heute früh ins Bett geht. Morgen wartet schließlich Nikko - auch wenn die Wetteraussichten nicht gerade frühlingshaft ausfallen.


Der Tag mit dem Schneemann ist unser Sonntag!

(Fortsetzung: nach 22:39)

Wie Pläne eben so sind, schnell gefasst und genaus so schnell wieder verworfen. Schließlich musste unbedingt noch ein Mutti-Beweis-Photo her, aus dem ersichtlich ist, dass es den Azaleen noch zu kalt ist und sie noch nicht blühen. Also bin ich im Regen los - es hätte ja aufhören können - und fühlte mich auf der sonst so vollgestopften Ginza völlig alleine. Außer der riesig langen Warteschlange vor dem neueröffnetem Geschäft von "Uni Qlo" waren nicht viele unterwegs, um auf der am Wochenende autofreien Ginzameile zu shoppen.


Ginza bei trübem Wetter

Vorbei am Hibiya-Park, einem angeblich deutschen Park (mit Palme in der Mitte, alles klar), dem ersten europäischen Parkanlage in Japan überhaupt, marschierte ich mit Schirm bewaffnet zum Kaiserpalast. Dort bin ich mit anderen Touris in der Gartenanlage um die drei einzigen blühenden Kirschbäme geschlichen, da alles andere noch im Winterschlaf steckt.

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Das Wetter macht auch vor einem Palast nicht halt. Das einzige was blüht - ich bin KEIN Experte, aber ich denke, es sind Kamelien (??? Bin für Korrekturvorschläge offen)
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... auch Kamelien (???) ... Kirschblüten (!!!)
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Vielleicht werden daraus ja Azaleen (???) ... Mistwetter

Die Wachmänner werden sich auch gefragt haben, warum zum Henker die Ausländer gerade bei diesem Hundewetter in den Gärten spazieren gehen müssen. Mir war das auch nicht klar, als ich pittschnass (trotz Regenschirm!) meinen durchgeweichten Rucksack inspizierte und die nassen Geldscheine behutsam von einander löste, um sie einzelen in Taschentüchertütchen verpackt wieder im nassen Rucksack zu verstauen. Zum Glück ist mein Pass in einer Schutzhülle eingeschlgen!!! Mein Handy scheint es allerdings weniger gut vertagen zu haben; mal sehen, was es sagt, wenn es getrocknet ist...


Zum Glück hatte ich schon letzte Woche den Wunsch geäußert ins Musical zu gehen. Für den läppischen Preis von nur 25 € MUSS man die Gelegenheit nutzen. Und so verregnet wie dieser Tag war und ist, versprach das Shiki Theathre Haru ein trockenes Ambiente für den Rest des Tages. Was soll ich sagen? Ich habe zwar kein Wort verstanden, aber geklungen hat es super: Auch Japaner haben tolle Stimmen! Die fehlenden Sprachkenntnisse vielen nicht so sehr in Gewicht, da "Der König der Löwen" mir seit Kindertagen bekannt ist und ich von Erinnerungen aus Speilkassettentagen zehren konnte. Zudem MUSS einfach klar gesagt werden, dass allein die Kostümierungen und Ideenvielfalt bei der Bühnenkonstruktion einen Besuch lohnen. Eines steht fest, würde ich in Japan leben, ich würde öffters in Musical gehen! (Bitte auf Pfeil klicken!)


Super!