Sonntag, 19. April 2015

Noch mehr Sakura: Naka-Meguro und ein Ausflug zum Murayamakami-Damm

Hierzulande ist Sakura nun schon lange passé, aber damit ihr wettergeplagten Deutschländer euch auch noch mal ein Auge holen könnt, geht es weiter mit den schönsten Frühlingseindrücken aus Japanien. :)

Leider sieht man, dass im Unterschied zu Takadanobaba, die Sakura in Naka-Meguro zum Abend hin schon möchtig gelitten hatten. Die Blütendecke ist leider schon sehr licht gewesen. Trotzdem hatte das Fest ordentlich zulauf - Man konnte sich ja kaum eine Stelle erkämpfen, um menschenfreie Fotos zu machen.
 

Am Abend sah es aber trotzdem malerisch aus. :)

Danach ging es mit Freunden, die aus Österreich angereist waren, ins Warayaki-ya. Das ist ein Lokal, das für seine Küche aus Tosa, ein Teil des historischen Kyushu (Insel ganz im Süden Japans), bekannt ist.
In dem Lokal haben sie dann auch eine etwas besondere Zubereitungsart.

 Wir hatten ja fast befürchtet, dass es um unseren leckeren Fisch geschehen war...
Das Endergebnis konnte sich aber sehen lassen -  und hat wunderbar geschmeckt! Außen gegrillt, innnen noch roh, so muss das anscheinend sein. Wenn die Japaner so weiter ihren Thunfisch überfischen, kann das Lokal dann aber bald dicht machen...

Am 6. April holte das Wetter dann so richtig zum Hochstschlag aus - strahlender Sonnenschein, 20° C und ich hatte mit den anderen Doktorandem vom DIJ eine Fahrradtour geplant. Wir machten uns also auf nach Higashi-Koganai, was westlich von Shinjuku auf meiner Bahnlinie liegt und bereits als ländliche Vorortgegend von Tokyo zählt. Das ist auch der Grund, warum man an fast jeder Ecke Stadt-Fahrräder ausleihen kann, denn es ist das Fortbewegungsmittel erster Wahl.

Unser Ziel sollte der Mrayamakami Staudamm + See sein. Der Weg war denkbar einfach - folgen Sie ca. 15 km dem Spazierweg, wo alle anderen auch spazier-radeln, der zudem fast durchgängig von Sakura bedeckt wird. Herrlich! Aufgrund begrenzter Fotofreiheit gibt es nur wenig Fotoeindrücke:


 Der Higashi-Koganei-Park, durch den man durchfahren muss.

Kilometerweise unter dem Blütenmeer - da kann Neid aufkommen!
Ist das überhaupt Kirsche? Keine Ahnung, sieht jedenfalls auch sehr schön aus. :) 

 Der Stausee. Den Weg drumherum haben wir uns aber geschenkt.

   Und zu guter Letzt: Ein futuristisches Toilettenhäuschen. :D

Mittwoch, 15. April 2015

Sakuraaaaaa am Kandagawa, Takadanobaba

Jahaha, wer glaubt, dass es mit den Kischblütenbildern schon vorbei ist, der irrt! Ich hatte nämlich das Glück, dass die Blüte mit Ostern zusammen fiel und das DIJ an Ostern offiziell keine Arbeitsage hatte. Wir haben zwar Schlüssel, so dass wir jederzeit die Arbeitsräume benutzten dürfen, aber mal Ehrlich: Arbeit - Sakura, Arbeit - Sakura....Sakura! Die Entscheidung fiel jetzt nicht sooo schwer. :) Ich bin auch sehr froh gewesen, dass ich den Tipp bekommen hatte, es doch mal am Kandagawa-Fluss zu versuchen. Man kennt ja die üblichen Plätze - Ueno, Yoyogi, Shinjuku-Gyoen, Meguro... die Reiseführer erzählen alle dasselbe.

Oben seht ihr die einyige Straßenbahn Tokyos. 
 
Es gibt aber - nicht sprichwörtlich sondern tatsächlich - überall Sakura. Das ganze Land ist darauf ausgepflanzt, dass es im April in weißen Blütenstaub gehüllt wird.

Der Kandagawa war eine meiner besten Entscheidungen bisher. Der Kandagawa ist zumindest abschnittsweise ein unscheinbarer Fluß, an demn man lang gehen kann, um z.B. von der JR-Haltestelle Takadanobaba zur Waseda-Universität zu gelangen, wo ich demnächst auch wieder fleißig Bücher ausleihen werde. Den Ort kennen nur die einheimischen Rentner, so dass ich an einem schönen Vormittag fast allein die Blütenpracht bewundern konnte, die bereits die Mitte überschritten hatte. Als in Deutschland wohl gerade fieser Schnee-Regen hagelte, brach über Tokyo also der Sakura-Schnee herein, denn es fegte mächtig am Kanal entlang und damit tonnenweise Blätter von den Bäumen. Malerisch!

 
 
 
 Leider sieht man den Schnee auf den Fotos nicht.
 Wer im übrigen glaubt, dass wilde Wasser habe zu viele Strudel, der irrt - das ist alles Sakura-Schnee im Wasser.



Zwei Stunden später sah der Gehweg dann so aus. Ich hatte die begründete Befürchtung, dass ich am Abend in Naka-Meguro recht wenig angeleuchtete Sakura zu sehen bekommen würde. 

Im übrigens gibt's auch immer noh schöne Kamelien. :) 

Sonntag, 12. April 2015

Shinjuku-Gyoen in voller Pracht


Die Vergänglichkeit der Kirchschblüte hat einen festen Platz im japanischen Gefühl-Repertoir. Es gibt einen eigenen Ausdruck für dieses Gefühl - mono no aware - und es wird jedes Jahr mit einer Vielzahl von Specials zelebriert: Da gibt es eine handvoll neuer "Sakura"-Lieder, die die eh bereits unübersichtliche Liste im Karaoke-Verzeichnis unter "S" noch unübersichtlicher macht, da gibt es den Starbcuks Sakura-Latte und die unzähligen Sakura-Alles-was-ma-sich-vorstellen-kann Getränke, Snacks etc. pp. Trotzdem überrascht die Plötzlichkeit, mit der man von Sakura überfallen und verlassen wird jedes Mal aufs Neue. 

An einem Tag schaut man noch nach der frühen Kirsche, die sich stellenweise aus der Knospe traut, und am nächsten Tag macht es peng! und alle Kirschbäume sind weiß aufgeplustert. Da ist es für Reservierungen und Reisepläne längst zu spät und die Hälfte der Japaner ärgert sich grün, auf das falsche Wochenende für die Kyoto-Reise ausgewählt zu haben und muss darum bangen, ob noch ein paar Reste am Baum kleben werden, wenn sie ankommen.

Auch wir mussten uns schnell für ein schönes Plätzchen entscheiden und so landete ich wieder mal im Shinjuku-Gyoen, der Dank Alkoholverbot und Eintrittobulus immer noch recht viel Grünfläche zu bieten hat im Gegensatz zu manch anderem Ort.   
 


 Ja, ich war auch wirklich da.



 
Es war ein jedenfalls ein strahelnd schönes März-Ende, das genutzt werden wollte. Am 1. April war dann Stichtag für die Arbeit. Ich wohne ja recht nah an meiner Arbeitsstelle, was umgekehrt aber auch heißt, dass die Bahn brechend voll ist, wenn sie bei mir ankommt. Von der ellenlangen Schlange, die am Bahnsteig wartet, schaffen es zur Rush-Hour pro Zug so 5 Glückliche, einzusteigen. Dann muss man wieder warten, wobei es sich nicht um ein "Warten" im eigentlichen Sinne handelt, denn mal ehrlich, wenn der Zug alle 2 Minuten kommt, dann gilt das Wort nicht wirklich. 
Kurioserweise fühlt es sich trotzdem so an, weil einem ständig sugeriert wird, man hätte noch irgendwie schneller sein können - selbst gemachtes Elend! Denn an der Anzeige am Bahnsteig steht immer ganz brav "Zug hat 5 Minuten Verspätung", "Wegen Verzögerung im Betriebsablauf hat der Zug 3 Minuten Verspätung " usw. usw. Das heißt im Enfeffekt bloß, dass an jeder Haltestelle jemand seinen Hintern nicht allein in den Zug gepresst kriegt und das Nachhelfen des Schaffners kostet schließlich kostbare Zeit. Und wenn erst eine Tasche eingeklemmt ist, und die Türen wieder aufgehen und die Hälfte gleich mitrausfällt, weil die, die an der Tür stehen, nichts haben, um sich im Zug zu halten, dann kommt es eben zu Verspätungen, die nur für die bereits im Zug Befindlichen welche sind, weil alle anderen einfach nur eine Reihe von einfahrenden Zügen vor sich hat und damit beschäftigt ist, sich innerhalb eines persönlich gesteckten Zeitfensters in den Zug zu falten, damit man pünktlich auf Arbeit ist. Wie gut, dass ich keine feste Zeit habe, an die ich mich halten muss. :D Will ich jedoch gegen 10 Uhr im Institut sein, muss auch ich volle Züge in Kauf nehmen, aber da kann man dann schon wieder atmen. Die Motivation, früh mit der Arbeit zu beginnen, ist daher irgendwie denkbar gering. ;)

Ich habe einen großen Schreibtisch inkl. Arbeits-PC in einem Vierer-Zimmer, dass momentan auf vollständig bestetzt ist. Insgesamt gibt es 6 Doktoranten, mit denen man Mittagessen gehen kann. Trotzdem herrscht in der Arbeitszeit großes Schweigen, so dass man gut vorankommt. Ich bin also, was meinen Arbeitsfortschritt angeht, guter Dinge. :) 

Das einzige, was noch nicht so hinhaut, ist das Wetter. Das hat uns ziemlich veräppelt, denn momentan herrscht doch wieder eher äußerst frisch-trübes Frühlingswetter.


Sonntag, 5. April 2015

Wohnen in Asagaya & Sakuraaa an der Sophia-Universität

Da ich nun also beschlossen hatte, dass ich meiner Höhle auf nimmer Wiedersehen den Rücken kehren würde, machte ich mich auf die Suche nach einer anderen Möglichkeit - so intensiv, dass Google mir wahrscheinlich noch das nächste halbe Jahr Wohnungs-Werbung schalten wird. -.- Aber zum 1.April, DEM Stichtag überhaupt in Japan, war nicht mehr viel zu holen. Da haben alle Austauschstudenten, Neu-Tokyoter und Aussziehende, die zum allgm. Arbeits- und Unistart in Japan in Tokyo eine Unterkunft brauchten, schon bei den guten Sachen zugeschlagen. 

Trotzdem bin ich letztendlich bei Fontana, einer eher unbekannteren Wohnungsvermittlung, fündig geworden. Der Haken an der Sache ist ja immer dies: Key-Money, Deposit, Rei-kin - in Übersetzung Schlüsselgeld in Höhe einer Monatsmiete, Kaution in Höhe einer Monatsmiete und Dankes-Geld in Höhe einer Monatsmiete, nicht erstattbar, versteht sich. Da kann sich keiner für 9 Monate eine Unterkunft leisten, zumal ohne Möbel. Daher gibt es Vermittlungen wie Sakura-House, Oak.House und eben Fontana, die zu übertriebenen Mietpreisen immerhin grundmöglierte Behasungen zur Verfügung stellen, wofür aber eben alle anderen Gelder wegfallen.

Ich wone jetzt am Bahnhof Asagaya.Das ist auf der Chuo-Linie, 10 Minuten mit den Express von Shinjuku, 15 Minuten bis Yotsuya, wo das Institut ist. Die Lage ist also eigentlich perfekt, zumal ich keine 2 Minuten vom Bahnhof weg wohne.Trotzdem höre ich kaum etwas und meine Gasse ist so verwinkelt, dass man auch keinen Straßenlärm hat. 
 Da in die Nische geht's rein.
So sah' es dann direkt beim Einzug aus. Noch recht trostlos, aber man sieht immerhin etwas Tageslicht, auch wenn es nun nicht direkt ein Kristallpalast ist.
 Diese ausziehbaren Stangen, die man überall dazwischenspannen kann, sind die Rettung hier, weil man ja nirgendwo Nägel in diese Pappwände machen darf.
 Eingangsbereich mit Waschmaschine.
 Nochmal der Eingangsbereich
 Rechts geht dann das Bad ab - im Prinzip dasselbe Model wie früher im Wohnheim, nur dass überall noch 20 cm fehlen. Aber es reicht.
 Meine Küche. Süß, nicht. Zum Glück habe ich keine großen Ambitionen.
 Mna beachte dieses Tolle Gestell, das extra dazu gedacht ist, dass man über der Spüle eine Arbeitsfläche einrichten kann.
 Kühlschrank und Mikrowelle sind auch da.
 Der Einbauschrank, der praktischerweise zu beiden Seiten aufgeht.
 Innen gibt es aber nur eine Kleiderstande und ein Brett. Da muss man dann individuell mit Kisten und Hängedingern und sonstwas eine Einteilung hinbasteln.
 Einen kleinen Arbeitstisch gibt's auch und ein Abstell-Tischchen.
 Mein Bett und mein neu erstandenes Regal, das genau in die komische Wandnische passt.
 Zum Glück ist der An- und Verkauf gleich nebenan. Daher hab ich mir diesen coolen Rollschrank auch noch geleistet. So ohne Abstell- und Einräumfläche ist halt doch etwas mistig. Trotz der Rollen hat der Schrank aber dieses Billig-Parkett-Imitat zerschramt. Ich fürchte, das gibt Kautions-Abzug. :( 

Aber so kann man doch ganz gut leben, zumal ich nur einen direkten Nachbarn habe und gegenüber ein Sushi-Laden ist. Dadurch fallen die dünnen Wände und die fehlende Isolierung (nicht zuletzt dank Türspalt, dem ich noch mit irgendwas beikommen muss, bevor die Karkalaken munter lustig durch mein Zimer spazieren) nicht so sehr auf. Nichts machen kann man natürlich gegen den immer gegenwärtigen Klimaanlagen-Lärm und den Wind, der sich bei mir immer gleich nach Orkan anhört. ^^°
 Das ist mein neuer Arbeitsweg. Direkt an der Sophia-Universität, auf deren Campus das DIJ irgendwie angesiedelt ist, gibt es einen Sakura-Weg.


 Die Blüte kam ganz plötzlich. Es war wettertechnisch zwar sonnig, aber noch recht kalt, da haben die Japaner gegen 10 Uhr schon die Fußwege mit blauen Planen besetzt. An einem Donnerstag. Da kennen die sonst so arbeitsamen Arbeitsbienen nix - wenn es Kirschblüte gibt, dann muss halt ein Betreibsausflug oder sonstwas her, damit man die Pracht bei entsprechendem Alkoholkonsum genießen kann.