Freitag, 29. Juli 2011

Japan Revival

Mittwoch, 27. Juli 2011


Tadaima! Ich bin wieder da! Ich ist Franziskas Mum, Uta Steffen. Auch in diesem Jahr findet mein Urlaub beim Franzl in Japan statt und ich habe mir Verstärkung mitgebracht: Freundin, Sportkumpeline und Hausärztin der family. Das ist bei uns 3 in 1, nämlich Claudia.



Trotz Strahlenvorbehalten ihrer Familie ist sie wild entschlossen, mit uns Asien zu erkunden. Dabei lief alles glatt, obwohl wir gewarnt wurden, für Fra./Main sei eine Stunde Umsteigzeit zu wenig. Da wir durchtrainiert sind, haben wir den Flieger pünktlich erreicht und ab ging die Fuhre. Die elf Stunden waren fix weg, nur geschlafen haben wir nicht. Die Nacht wurde sozusagen eingespart. Nachdem wir ein halbes Stündchen auf unser Gepäck gewartet hatten, nahm uns Franziska am Flughafen in Empfang und hatte auch gleich einen Plan: Schlafen fällt aus. Wenn wir schon in Narita sind, dann sehen wir uns das mal gründlich an. Meist kommt es zu kurz, weil man entweder mit Gepäck das Flugzeug erreichen oder nach einem langen Flug ins Bett will. Uns konnte nix erschüttern, früh um Neun ist alles noch ganz ruhig, die Pilgerkarawanen erklimmen die Tempelstadt (größter Shingon-Sekten-Tempel Japans) ungeheuren Ausmaßes erst später. Tempel und Pagode sind von einem wunderschönen Park umgeben, die Hauptattraktion ist - wie immer - ganz oben und erst nach vielen Treppen zu erreichen. Im Inneren des Tempels sind große

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Buddha- und Dämonfiguren (groß = viel größer als ich), aber man darf dort nicht fotografieren. So müsst ihr euch mit Bildern von außen und vom Gelände begnügen.
Zur Belohnung und Erholung gab es hinterher das erste Mittagessen, ganz locker auf Kissen gelümmelt. Schließlich holten wir unsere Koffer vom Flughafen, fuhren reichlich zwei Stündchen nach Hiyoshi ins Studentenheim und bezogen unser Zimmer. Bevor wir richtig müde wurden, gab's eine kalte Dusche und wir waren fit zum Einkaufen. Auf dem Weg zum Supermarkt ein Wunder: Der Himmel klarte auf und wir sahen - blass, aber deutlich - in der Ferne den Fuji!
Claudia war damit bereits am ersten Tag gelungen, was mir den ganzen letzten Japanaufenthalt nicht vergönnt war! Wenn das kein guter Anfang ist!



Nach Einkauf, Abendbrot und einer kurzen Landungs- Mail waren wir zwei Urlauber völlig k.o. und fielen ins Bett. Trotz bleierner Hitze und Luftfeuchtigkeit von ca. (gefühlt) 90% glang uns ein mehrstündiger Schlaf.


Der Donnerstag war ein besonderer, schließlich hatte Claudia Geburtstag. Und wir hatten die Chance, ihr etwas zu schenken, was es wohl so schnell nicht wieder gibt - eine Fahrt mit der größten "Uhr" der Welt. Das gibt es nicht? In Yokohama schon! Nach einer halben Stunde fällt man am Landmark Tower aus der Bahn und ist gleich am Hafen. Ein Vergnügungspark mit Achterbahn (wurde einstimmig abgewählt) und Riesen-Riesenrad (wurde einstimmig angenommen) verschaffte uns das Vergnügen, die Stadt von oben zu sehen.


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Hier unten seht ihr die "Uhr" im Hintergrund.




Das Wetter war immer noch sehr diesig, aber die nähere Umgebung konnten wir uns ansehen. Das Rad dreht sich gemütlich, so dass auch Höhenängstlichen nicht schlecht wird. Aus 113 m Höhe kann man ganz schön wit gucken!

Danach war Chinatown angesagt, bevor wir mit einem ausführlichen Stadtgang zurück am Tower anlangten und der Meinung waren, wir hätten uns unser Abendbrot- Bemmchen wahrlich verdient.

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Wir schwebten wegen eines frischen Baquettes im Supermarkt ein, haben noch ein Waschmaschinchen abgeschmissen und ich habe die mitgebrachten Fotos
des letzten Vierteljahres gezeigt, um Franz auf den neuesten Stand familiärer Festivitäten zu bringen. Sie bekam außerdem genauestens erklärt, wie und mit welchem Ergebnis ihr Leipziger Zimmer renoviert wurde, damit sie wieder besser schlafen kann und sich keine Sorgen um ihre Poster machen muss. (T_______________T - Anm. F.) Alsdann: komatöser Schlaf.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Kawagoe

Hallo Leutschens! Mutti ist da. Endlich bin ich von Blog-Schreiben befreit, das wird ab dem nächsten Eintrag Muttis Aufgabe sein. :D

Aber zunächst erst noch das letzte berichtenswerte Ereignis von mir: Der Ausflug nach Kawagoe, am 16. Juli 2011.

(Die verdammten Hausarbeiten sind endlich alle geschrieben, ich habe FERIENNN!!!! - das kann man auch noch erwähnen :D)

Kawagoe wird auch Klein-Edo genannt, weil dort wirklich noch viel alte Tempelei und vor allem ein paar alte (bzw. restaurierte) Häuser herumstehen. Los ging es also in aller Herrgotts-Frühe, denn es ist schon ein bisschen Weg von Hiyoshi aus. Püntklich 9:30 fanden Nancy und ich uns dann auch am Bahnhof in Kawagoe ein, wo uns Yvo + Freunde schon erwarteten. Yvo ist eine Kommilitonin aus Halle und studiert gerade an der Musashi-Universität, deren Professor den Trip auch organisiert hat. Den Rest erzähl' ich euch in Bildern.

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Schreinchen Nr. 1 und eine Statue der Gottheit Kanon

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Eine Tafel mit Buddhas Füßen und eine Buddhafigur

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Der Toshogu-Schrein, der der Tokugawa-Familie (Shogun) gewidmet ist.

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Der Komplex war auch merklich größer und überall prangte das Wappen der Familie.

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Danach ging es zu einem weiteren Schrein-Komplex, dem Kawagoe Daishi Kita-in, zu dem dieses kleine Torii + Brücke sowie auch der Glockenturm gehörten.

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Das Wasserbecken war tpischerweise über und über mit diesen Talismanen bedeckt, auch wenn mir noch nie jemand sagen konnte, wer diese Zettelchen wofür und wann dort dranklebt.

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Das gehört auch alles zum Daishi-Kita-in.

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Das Innere eines Schreins + Pagode.

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Die 500 Rakan-Statuen. Rakan = erleuchteter Jünger Buddhas. Die Statuen snd berühmt für ihre vielfältigen Gesichtsausdrücke. Außerdem soll es Glück bringen, wenn man unter ihnen sein chinesisches Tierzeichen entdeckt. oben: Yvo und Alex haben den Ochsen, unten: Nancy und ich haben unseren Hasen gefunden. :)

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So sehen die Straßenzüge aus. Diese Ziegelbauweise für die Dächer ist typisch. Angeblich hat bei einem schweren Brand nur ein Haus das Feuer überstanden, nämlich das mit den schwarzen Ziegeln. Seitdem sind in Kawagoe viele Häuser so gebaut worden.

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Aber natürlich beschränken sich die alten Bauten auf hier und da. Daneben sind längst moderne Häuser zu sehen.

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Um 16:00 Uhr waren wir dann wieder auf dem Heimweg und ich hab' gemerkt, dass die letzten 2-3 Wochen, die ich mit Arbeiten Schreiben im Lernzimmer verbracht habe, echt nicht gut für Körper und Geist waren. @_@Diese Nacht habe ich jedenfalls trotz Hitze hervorzüglich geschlafen. :D

Mittwoch, 6. Juli 2011

Juni

Inzwischen hat es ein ganzer Monat geschafft ins Land zu schleichen, ohne, dass ich Zeit gehabt hätte, zu schreiben. ts, ts, ts..

Ich habe den vorherigen Post um ein paar Bilder bereichert. Wer also z.B. ein Bild von meinen Mitstudierenden sehen will, der klicke --> HIER. <--

Der Juni war ziemlich stressig und ich hatte viel zu tun, deswegen gibt's auch gar nich sooo viel zu berichten.

Am 15. Juni 2011, einem Mittwoch (da hab' ich keinen Unterricht) hat das Gemeindezentrum Mita no Ie beschlossen, einen Kochabend zu veranstalten. Da es im Zentrum selbst aber zu wenig Platz gibt, wurde kurzerhand ein kleines Lokal in Akasaka mit benutzbarer Küche gemietet und eine ganze Horde Shakaijin (arbeitende Wesen) eingeladen, sowie ausländische Studenten. Das versprach interessant zu werden, also sind Nancy und ich da hin. Es wurde eine Art egyptisches Curry gemacht und wir konnten uns mit den Leuten über Land und Leute und natürlich Arbeit in Japan unterhalten. Ich muss sagen, je häufiger ich im Mita no Ie bin, desto mehr wird klar, dass sich Japaner durchaus auch ihre Freiheiten nehmen. Auch wenn eine der Eingeladenen meinte, es sei gute 10 Jahre her, dass sie bei einem Treffen war, wo sie nicht die Mehrzahl der Leute vorher schon kannte. Es war jedenfalls eine bunte Mischung aus Normalverdienern und Bessersituierten, was das Ganze ziemlich interessant machte.

Ansonsten hab' ich es im Juni geschafft, ein paar alte Freunde und Bekannte zu treffen, so wie Linda und Tatsuya vom Gasshuku von vor 3 und 2 Jahren. :) Außerdem sind wir Hallenser auch öfter mit den neuen Doppelmaster-Studis Mittagessen gewesen.

Am 18. Juni "durfte" unser Kurs seine Forschungsergebnisse vorstellen, da unser Professor aus Halle angereist war. Wir haben uns gut geschlagen, dass kann ich mal äußrst selbstkritisch an dieser Stelle behaupten ;P, und wurden mit einer Runde Izakaya von unseren Professoren belohnt. :D

Danach kam auch schon das Highlight des Monats (22. Juni 2011): CATS! Aw, das war so toll! *schnurr* In Yokohama steht die Musical-Halle, in der nur Cats gespielt wird. Die Halle ist nicht so groß, so dass wir auch von den hintersten Plätzen gut sehen konnten. Das Musical ist ja an sich schon sher verspielt, aber die rotierbare Bühne und die Bühnenausstattung erlaubten es den Schauspielern, bei den Songs von allen Seiten angerannt zu kommen, zum Publikum zu gehen etc., das war schon cool. Am Ende kamen alle und haben den Zuschauern die Hände geschüttelt.


Kurze Werbung für das Musical

Wir sind mit Yurie hingegangen und danach noch beim Chinesen Essen gewesen. Da wollte man echt kaum nach Hause, zumal es der erste richtig richtig schöne warme Tag war, an dem es nicht so unerträglich schwül war.

Die nächten zwei Wochen habe ich verzweifelt versucht, einen 8000 Zeichen langen Aufsatz auf japanisch zu fabrizieren (10 PC-Seiten), was wohl auch der Grund war, aus dem der Juni eigentlich nur gefühlte 5 Tage lang gewesen sein konnte. Kaum war ich mit dem Elend fertig, stand auch schon der JLPT (Japanisch-Prüfug für Ausländer) an...

..weswegen ich mir am Tag zuvor erstmal einen freien Tag gegönnt habe. Ich war am Freitag zuvor (24. Juni 2011) mit Kommilitonin Jacqueline (die auf ihr 'J' und das 'c' vor dem 'q' viel Wert legt. =D) spazieren gehen, weil ich kurzerhand meinen absolut sinnlosen Kanji-Unterricht geschmissen hab. An dem Tag sind wir zum Tokyo Tower spaziert und haben uns den Zojoji-Schrein angeschaut, als uns ein Ausstellungsplakat entgegenlachte. In besagte Ausstellung sind wir dann also am 2. Juli (Samstag) auch gegangen. Es waren Schätze des Zojoji ausgestellt, nämlich "The Five Hundred Arhats" von Kano Kazunobu aus dem 19. Jh. Wir haben zwar nicht 500, sondern 100 Bildrollen gesehen, aber das war mehr als genug. Mehrere Zyklen stellten das alltägliche Leben & die Lehre der Arhats, buddhistische Himmel & Hölle, geographische Vorstellungen, Land und Leute in einem unglaublichen Detailreichtum dar. Der ab und an sichtbare Versuch, westliche Kunstformen, wie z.B. Schattengebung, einzubeziehen, war wirklich sehenswert.

(ADrhat = rel. Titel für einen vollendeten buddh. Heiligen, der vollständig Gier, Hass und Verblendung abgelegt hat und der die 10 Fesseln abgelegt hat. Er wird durch das Erreichen des Nirvana nicht mehr wiedergeboren. Sanskrit für „Der/Die Würdige“)

Tja, war auch besser, dass ich den Tag voll genutzt habe, sonst hätte ich mich im Nachhinein geärgert. Der JLPT war eigentlich immer ein ziemlich einfacher Test, im Sinne von: lerne das ganze Übungsbuch auswenig und du wirst bestehen. Aber inzwischen sind selbst die Japaner auf den Trichter gekommen, dass man damit die echten Japanisch-Kenntnisse eher weniger gut prüfen kann. Seit letztem Jahr haben sie den Test einfach gemeiner gemacht. Aber von vorn: Erstmal wurden wir, vorbildlich durch Schilder haltende Männchen geleitet, durch halb Yokohama die Hügel hinauf geschickt. Bei ca. 33°C ohne Wolken ein Garant für anschließende Leistungsfähigkeit, keine Frage. Angekommen wurden wir minütlich mit Hinweisen vollgelabert, die alle vorbildlich vom Zettel abgelesen werden mussten. Stimmt unsere Püfungsnummer? Sitzen wir am richtigen Platz? Sind nur Bleistift und Radiergrummi draußen? Ist der Radiergummi ohne Hülle? Bleistiftminen-Packungen dürfen nicht auf dem Tisch liegen! Taschentücher auch nicht! Sitzen wir am richtigen Platz? Sitzen wir WIRKLICH am richtigen Platz? Man solle vorher auf Toilette gehen. Wer nicht auf dem richtigen Platz sitzt, möge die Hand heben = Psychoterror!!

Und dann kam der Test. -.- Vokabeln = Was ist das? Grammatik = Was IST das? Leseverständnis = Was wollt ihr von mir?? Ehh... Naja, Vokabeln sind von jeher mein Schwachpunkt, aber Grammatik war wirklich oberfies. Es waren weniger richtig/falsch Fragen, sonder viel mehr: Wenn du Japaner wärst, wie würdest du es ausdrücken müssen? (Vorbedingung 1: Denk nicht daran, dass das je nach Situation anders lösbar wäre / Vorbedingung 2: Denk überhaupt nicht daran, dass es im Leben "Sitationen" gibt / Vorbedingung 3: Den Fall, dass Japaner sich dabei nicht einig sein könnten, denken wir uns jetzt mal weg / Vorbedingung 4. Lass das Denken einfach sein...)... himmlisch. Leider fehlten mir für die Fragen dann doch die Schlitzaugen. Und Leseverständnis wartete mit einer Reihe hochphilosophischer Texte nach dem Sinn des Seins und des Lebens allgemein auf und sollte dann zusammengefasst werden a la: Der Autor des Textes drückt aus, dass a) .............. oder b)....... . Ja Moment mal, sprechen tut er jetzt eignetlich von beidem...aber war die Hauptaussage nicht was ganz Anderes? Ö_ö. Naja, auf das Ergebnis bin ich jedenfalls gespannt.

Auf das eher ernüchternde Erlebnis folgte ein weiterer Ausstellungsbesuch, weil Lena kostenlos Karten bekommen hatte. Sagen wir: Modern + französisch. Jajaja...hm..(vor dem Neger-Michellinmänchen aus Plaste) Jaja.. Äh..ja. (vor der Kloschüssel)...öh..? (vor dem Videofilm mit..öh Wolken oder so). Aber da es so schrekclich modern und gar nicht ehrbietig war, fühlten wir uns leicht ungebremmst und haben die Austellung durch Interpretationen diverser Werke bereichert. Könnte dem einem oder anderem Mitbesucher einen Zacken zu lebhaft hergegangen sein, aber... :D So wars dann wenigstens noch lustig.

Und was mache ich jetzt: Zerfließen! Seit 2-3 Wochen ist es in einem fort unerträglich heiß und es gibt nichts, dass man dagegen tun könnte! Weder Wind noch gelegentliche Regenschauer kühlen auch nur ein bisschen und in meinem Zimmer staut sich die Wärme unerträglich. Das war beim letzten Mal besser, als ich im Erdgeschoss gewohnt habe, da ging das irgendwie, aber zwei Stockwärke höher ist es einfach nur zum flüchten. Und genau das werd' ich jetzt auch tun: Raus nach Tamagawa mit den Büchern unterm Arm und dann macht Wissenschaft doch auch wieder Spaß! :D

Mittwoch, 8. Juni 2011

Mita no Ie Lebensweisheiten + Oktoberfest im Mai

Am Monatg, dem 23. Mai, waren Nancy und ich im Mita no Ie. Das ist ein Gemeindehaus oder so ähnlich. Ich war auch 2008/2009 schon ein paar Mal dort, weil immer montags lustige Runden veranstaltet werden. Üblicherweise sind ca. 10 Mann da, wobei sich die Zahl der Ausländer zu der der Japaner dieses Jahr erstaunlich die Waage hält. Es geht zum einen darum, dass man sein Japanisch/English an den Mann bringt, und zum anderen darum, bestimmte Sachen zu diskutieren und zu erfahren. Das Thema dieses Montags fand besonderen Anklang: Mit ca. 30 Mann war es doch recht eng. Es ging um Freiwilligenarbeit im Erdbeben-Gebiet. Vier Studenten und der eine Leiter des Mita no Ie haben uns erzählt, wie sie im Norden Japans unterwegs waren für ein paar Tage, und untergebracht in Zelten und versorgt durch Militär-Futter hauptsächlich Aufräumarbeiten erledigt haben. Laden-Sauber machen, Müll räumen, Brücke von Angeschwemmten befreien. Man sah den Leuten an, dass sie sichtlich bewegt waren - zum einen durch die schiere Unmöglichkeit der Aufgabe, dieses Gebiet jemals wieder herzustellen (allein das Räumen wird wohl noch Jahre beanspruchen) - zum einen durch die kleinen sichtbaren Erfolge, die man in ein, zwei Tagen Helferarbeit durchaus erzielen kann.

Eine neuseeländische Studentin und der Leiter des Mita no Ie haben beispielsweise in ca. 2 Tagen geholfen, einen kleinen Laden vom Dreck zu befreien und einigermaßen wiedeherzustellen, so dass die Betreiber wieder eine Perspektive sahen, ihren Laden neu eröffnen zu können. Ein weiterer Vortragender war Hobby-Taucher und hat erzählt, dass sein Freund seinen Taucherausrüstungs-Laden in Osaka (glaub ich) für ein Jahr geschlossen hat, um oben zu helfen, vermüllte Flüsse wieder frei zu räumen. Auch der Salaryman verlegt seine Tauchwochenenden jetzt alle nach Miyagi um dort den Flussboden von angeschwemmten Fischernetzen und sonstigem Kram zu befreien. Die selbstgeschossenen Bilder der Leute waren jedenfalls äußerst eindrucksvoll. (Für 'ne genauere Beschreibung: Nancy hat sich länger über den Abend ausglassen. )

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Lustiger Abend mit Shuheis Freunden + ein Beispiel leckerer japanischer Küche: Fritierter Tofu

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l: Auch die Party mit Shuhei: Damit ihr mein Gesichts nich so shcnell vergesst. ^_~ r: beim Italiener mit Yurie + den Haribo-Bächren, die sie von Nancy bekommen hat.

Die weitere Woche war intensiv mit Arbeit gespickt, schließlich hatten Nancy und ich am WE mal wieder Einiges vor: Oktoberfest in Hibiya. Saufen geht schließlich immer! Leider hatte die Woche der Monsun angefangen: Es goss erst aus Eimern, dann aus Wannen und schließlich wusste man überhaupt nicht mehr, wie um Himmels Willen über eine so lange Zeit ständig nur Regen runterkommen kann! Am Samstag, dem 28. Mai, hat Shuhei (vom Gasshuku) das Treffen dann zum Glück auch in eine Bar mit deutschem Essen verlegt. Das Treffen war sehr lustig, Shuhei hatte seine Shakaijin-Freunde (=bereits arbeitende Bevölkerung) mitgebracht. Man darf echt nich' umrechnen, was solche Abende kosten (und wie immer haben Studenten den ermäßigten Preis gezahlt), aber lustig war es alle mal! Der Abend wurde dann mit Karaoke in Hiyoshi abgerundet, Samstag nach 11 Uhr ist it Lernen schließlich eh nix mehr. :) Allerdings mussten wir uns zusammenreißen: Sonntag stand trotz Regens Oktoberfest an, denn es war der letzte mögliche Tag. Tapfer standen Yvonne (aus Halle), Jumpei (Austausch-Student aus Halle) + Freunde im strömenden Regen und versuchten, alle Kleidungszipfel unter dem Schirm zu verstecken. Ich muss sagen, ich war äußerst erfolgreich! - bis ich unter dem verdammten Bierzelt saß und der angesammelte Regen vom Zeltdach-Rand plötzlich mit einem lauten Platsch meinen Rücken 'runterlief. -.- Die Japaner jedenfalls ließen sich vom Regen auch nich' abhalten und saßen tapfer auch auf den Bänken, die nicht unter dem Zelt waren. Ich hab mich an meine teuer erstandenen Kreppelchen gehalten und war damit dann trotz nasser Klamotten sehr glücklich. :D

Nancy & Yvo auf dem verregneten Fest.
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Noch mehr Regen und Jumpei + Freund, die sich unter Schirmen davor verstecken

Typisch japanischer Service: Armes Mensch, der die wunderbare Aufgabe hatte, Tische wie rechts im Bild mit 'nem Schrubber von Wasser zu befrieien. Wer weiß, wenn man seinen hintern schnell genug platzierte, schaffte man es vlt. tatsächlich, kaum naß zu werden. Von unten, zumindest. XD

Damit war die Woche rum, aber die nächste war auch recht verplant. Am Montag (30. Mai 2011) folgte ein weiterer netter Abend im Mita no Ie . Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, trifft man in dem Haus doch immer auf Japaner, die beweisen, dass das Land nicht so schwarz/weiß ist, wie es oft den Anschein hat. Diesmal gab es einen Vortrag von Shun Mizobuchi, einem Businessman-turned-Musical star. Zurzeit auch erst 25, erzählte er wie er auf Druck seiner Eltern nach kleineren Ausflügen in die Musical-Welt während der Uni erst einmal anständig auf Job-Suche gegangen ist und schließlich bei einem von Japans größten Geldinstituten, Marubeni, anfing zu arbeiten. Er blieb dort 2 Jahre und verdiente nicht schlecht Geld, aber letztendlich beschloss er trotzdem, seinen Traum zu verfolgen und sich im Musical-Business zu versuchen. Er meinte, es laufe gut für ihn, auch wenn das Gehalt natürlich nicht zu den Pluspunkten seines jetzigen Lebens zähle. Aber während er erzählte und unsere Fragen beantwortete, merkte man einfach, dass das ein Mensch war, der glaubte, trotz seiner gerade mal 25 Jahre seinen Platz im Leben gefunden zu haben. Naja, da kann ich momentan nur neidisch sein. :D Am Ende sang er 3 Lieder und ich dachte, mir müssten bald die Trommelfelle platzen. O_ö Das Mita no Ie ist jetzt wirklich nicht groß, ein netter Wohnzimmerraum halt, aber der Mann brachte es beim Singen auf eine Lautstärke, die war Ehrfurcht einflößend.

Shun beim Vortrag. Auf der PPT stehen seine Mottos, die er uns wärmstens empfohlen hat: "konkyo naki jishin" (grenzenloses Selbstvertrauen, ohne das auf etwas stützen zu können/ dafür einen Grund angeben zu können) und "nantoka naru" (wird schon werden - irgendwie). Rechts im Bild (also, auch im Bild) eine seiner lustigeren Rollen.

Am Mittwoch, dem 1. Juni, trafen Nancy und ich Yurie, die mit Nancy auf die Sophia Universität gegangen war und die letztes Jahr Weihnachten nach Halle und Leipzig gekommen war. :D Wir haben lecker gegessen und uns ausgemacht, wann wir zu CATS gehen würden. Yay! ...

l: Vorbildlich wie immer. um die heiße Pfanne herum warnt ein Papierrand, dass sie...heiß ist.
r: Koda-Sensei (Lehrer) lässt sich Bier einschenken. Typisch japanisch: Dass man sich nicht selbst einschenken darf + dass das Bierglas so klein ist.


Am Freitag, dem 3. Juni, feierten die Germanisten diesmal die Willkommensparty für alle ihre Master-Studenten und Doktoranten, von denen es dann doch erstaunlich viele gab.

l: Nancy, ganz rechts: Akiiro, der nächsten jahr nach Halle gehen wird

Als Student hat man wirklich einiges zu tun, am Semesteranfang. Es sollte nämlich nicht unsere letzte Willkommensparty bleiben: Am Montag, dem 6. Juni, war dann die Party unseres Kurses. *-* Kimura-sensei hat uns quasi eingeladen (der Betrag, den wir blechen mussten, war eigentlich zu gering um es überhaupt zu erwähnen) und wir konnten unsere Kursteilnehmer ein wenig besser kennen lernen. Was ich nicht erwartet hätte: Wir haben eine im Kurs, Noriko, die hat nach etlichen Jahren Arbeit beschlossen, nochmal zur Uni zu gehen und ist damit deutlich die älteste im kurs. Was wir letztend erfahren haben: Als ide ihren ersten Heim-Pc kaufte, hat sie angefangen zu arbeiten. Das war in dem jahr, als der Großteil des Kurses, einschließlich meiner Wenigkeit, geboren wurde.

vorne l - hinten l.: *-*. Shin, Noriko, v.r-h.r: Jacqueline, Suu



v.l: Noriko, Chou, Kimura-sensei, Jacquline, Lena
2.R.v.l.: ?, *-*, Kawamura, Nancy, Shin, Suu

Hab ich was vergessen? ...achja, am Samstag davor bin ich mit einem Freund mal die Gegend ums Wohnheim erkunden gegangen. Ein Jahr reicht halt doch nicht, um alle Ecken kenne zu lernen, hinter dem Wohnheim gibt es sogar einen Streifen grün mit Sitzbänken! Ich war ganz von en Socken...

r: Ajisai, Hortensien

Naja, allen, die sich jetzt fragen: Ja, lernt die überhaupt noch was?, die sollen noch beruhigt werden. *-* Natürlich lerne ich noch mehr als genug. -.- Aber mal ehrlich: anstatt tagelang im wohnheim vorm Rechner rumzuhängen, nur um effektiv trotzdem nicht mehr als 3 h ordentlicher Arbeit am Tag rauszukriegen, kann ich mich auch durch fröhliches Außer-Haus-Gehen so unter Druck setzten, dass ich an den verbleibenden Tagen auch tatsächlich konzentriert was zu Stande bringe. Das ist endlich mal eine Strategie, die funktioniert! :D


Zum Abschluss was Lustiges aus der Welt der Kanji: Auch Japaner haben nicht immer Zeit/Lust, alle ihre komischen Striche zu pinseln. Was macht Student also, wenn er den recht komplizierten Namen unserer Uni (Keio) pinseln muss?


Hübsch, oder? *-*