Hier hab ich mal um ein Foto gebeten. Im nächsten Augenblick war ich dann mit zehn aufgeregten Taiwanesischen Omas auf 'nem Foto. 😆
Ankunft war aber erstmal abends. Leider bin ich zu unfähig für gute Fotos in der Dunkelheit, daher muss ich euch den Achi-Schrein vorenthalten bis auf diese Uhr mit Tierkreiszeichen, die ihr im Bild oben links seht. Jetzt wisst ihr also, ich war zur Stunde der halben Ratte dort. Alles klar? 😉
(Ratte ist 23:00-1:00 Uhr. Es war aber 22:00 Uhr laut Zeitstempel des Fotoapparats. Sommerzeit? Hat Japan nicht... 🤔)
Im Übrigen gibt es zumindest in den Städten noch eine staatliche Anzahl an Telefonzellen und Briefkästen.
Kurashiki ist eine Händlerstadt aus der Edo-Zeit (1600-1868). Der Name bedeutet etwa „Ansammlung von Lagerhäusern“. Die Kura genannten Gebäude sind zwar nicht nur dort zu finden, aber die schiere Anzahl ist wohl einzigartig.
Als wichtiges Handelszentrum unter direkter Kontrolle des Shogunats diente die Stadt als Sammelpunkt für allerlei Ware, z.B. Reis und Textilien. Dank des Flusses konnten die Boote die Waren direkt zu den Lagerhäusern transportieren.
Mein Frühstück bestand aus Toast mit Aufstrich; Der Rikscha- Fahrer machte noch Aufwärmübungen für den Tag. Es ist Hortensienzeit und Figürchen gibt's immer.
Prägend für die Entwicklung der Stadt wurde das Unternehmen Kurabo, von Ōhara Kōshirō 1889 als eine der modernsten Spinnereien der Zeit errichtet, direkt am Platz der ehemaligen Shogunats-Verwaltung. Heute Ivy-Square genannt, kann man da kunsthandwerkliche Erzeugnisse kaufen.
Der Platz ließ sich aber schwer fotofieren, sieht schon schöner aus. Auch das kleine Bild ganz oben rechts gehört dazu. (Weil "Ivy" heißt "Efeu".)
An die Textilgeschichte der Stadt erinnert v.a. Jeansstoff, der in allen Formen an Mann und Frau gebracht werden. Wer sich von oben bis unten in Denim kleiden will, muss nach Kurashiki.
Etliche alte Straßenzüge, die zwar komplett dem Tourismus gewidmet sind, aber keine reine Museumsstadt, bieten einen herrlichen Anblick.
Da es am Tag die ganze Zeit geschifft hatte, ging ich kurzerhand ins Ukiyo-e Holzschnitt-Museum. Hauptperson ist Utagawa Kuniyoshi (Nein, nicht der mit den 53 Ansichten von Edo, die bei uns an der Tür kleben, das ist Utagawa Hiroshige. Nein, nicht der mit der Welle, das ist Katsushika Hokusai.)
Kuniyoshi hat v.a. Erzählungen illustriert, von Samurai, Schsuspielern, Geistern. Mal keine Landschaften, sehr nett . Und, wer entdeckt die Katzen? Nein, nicht die Figur rechts, die einen Garten verschönert. Links das Bild. Tipp: Guckt mal genauer auf die Totenschädel.
Kuniyoshi hat seltenerweise auch viele starke Frauenportraita geschaffen, wie hier das von Tomoe Gozen, einer Kriegerin des 11.Jh., die im epische Gempei-Krieg (also, wortwörtlich gemeint, ist auch ein klassisches Epos jap. Literatur, Heike-monogatari) mitgemischt haben soll und entsprechend besungen wird.
Als nächstes war Regenpause (also, Pause vom Regen) angesagt. So unter'm Schirm ließ sich lecker ein Chashuu-don verspeisen (Schweinefleisch auf Reis). Und ich war trotz Regen nicht die einzige draußen! Denn auch den Japanern ist im klima-gefrierten Laden nämlich kalt! Ham'se so gesagt. So nämich!
Sage keiner, Japaner können kein Business. Die schaffen es, lizenzierte Marken zu lokalisieren. Hier also Snoopy, der weltberühmte Hund, in Schokoladenform, natürlich auch mit Spezialausgaben, die es nur in Kurashiki gibt.
Naja, es piselte und nieselte dem Abend entgegen, ich schlich durch die Geschäfte.
Z.B. eins nur für washi-Tape (Papierklebeband mit Muster), das wohl in Kurashiki erfunden worden ist. Wozu so ein altes Auto so dienen kann. 🤭
Am nächsten Morgen hatte ich es nicht eilig, gab es sich endlich wieder blauen Himmel. Das übliche Toast-Frühstück wurde durch einen Kakao-Vormittsgssnack ergänzt. Man sieht es in Bild unten nicht so gut, aber der ganze Stolz der Besitzerin war der Tisch, der vor 150 Jahren aus einem Baum geschnitzt worden war. (Die Glasplatte liegt drauf.) Die Oma zeigte mir sichtlich stolz ihre Schätze, während sie mich 5mal danach fragte, woher ich komme. Das war also meine gute Tat für den Tag.
Nach einer kleinen Maleinlage ging es dann weiter Richtung Kobe.
Aber die Katze mit der Angel ist auch schön
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