So langsam muss ich mal hinmachen mit den Erlebnissen vom Oktober. Ihr dürft euch also momentan über häufigere Berichterstattung freuen.
Der himmlische General zur rechten und die irdische Untergebene zur linken bewachen den Ort, der, wie man lernt, eine der ersten koreanischen Enklaven Japans ist. Mit der Vernichtung des Königkreichs Königreich Koguryeo (jap. Koma) vor ca. 1300 Jahren hatten ca. 1799 Menschen ihren Weg zum später nach Ihnen Koma benannten Fluß gefunden und niedergelassen. Heute ist das Nest eben ein Nest, wenn nicht an der Flußbiegung, wo früher Koreaner geackert haben, ein wunderbares Meer aus Spinnenlinien wachsen würde.
Am Ende kommt an einem Feld mit Vogelscheuchen heraus, die irgendwelche Grundschüler mühevoll gebastelt haben. Alles ist idyllisch, maleerisch, ruhig - und verdächtig grün.
Dabei heißen die Spinnenlinien ja extra ¨rosarot¨. Man macht den weiten Weg ja auch nicht, um 3 oder 4 zu sehen, nein, es sollen tausende sein, hunderttausende Blümchen, ein ganzes Feld voll in strahlender, roter Pracht! Man rühmt sich, es seien genau 500.000 - Stängelchen, oder was?!
Nix. Nada. Finito. Ratz, fatz niedergemäht von Regen und Wind. Außerdem war eben schon der 1. Oktober und weil die Blumen in der Tat kaum mehr als eine Woche schaffen, fand ich gerademal 1(!!!) Ftotaugliches Exemplar. Ist es nicht schön?
Dabei verhieß nur noch das Schild, wie schön es bis vor Kurzem noch gewesen war: Man sieht die Biegung des Flusses und das Blümchenfeld.
Das Internet verrät, was ich verpasst habe. So hätte es aussehen sollen:
(Quelle: "Lycoris radiata Ans1" by Ans from ja. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons )
Oder so:
(Quelle: Wikipedia Commons, 彼岸花(曼珠沙華)- 埼玉県日高市「巾着田」)
Tja, kaum war ich dreimal in Japan im September, schon kriege ich es wieder nicht hin, die Higanbana zu sehen. :( Bis zum nächsten Mal bin ich aber immerhin über die Hintergründe schlauer geworden.
Außerdem gibt es noch diese herzzerreißend tragische Geschichte zu berichten: Ein weiterer Name für die Blumen ist "manjusaka" (曼珠沙華), basierend auf einer chinesischen Legende über Elfen. Manju war die Elfe, die die Blüte der Lycoris schützte, Saka hatte sich um die Blätter zu bemühen. Da die Blume aber niemals Blätter und Blüte zur selben Zeit hat, konnten die beiden sich nie treffen. Eines Tages also beschlossen sie, trotzdem ein Treffen hinzubiegen. Natürlich waren die Götter sauer und betraften sie! Von daher sollten sie sich nie wieder treffen zu können. Hm...da waren die Götter ja sehr kreativ.
Auf dem Rückweg stolperte ich aber noch über dieses Schild, das unter den Kanji und der lateinischen Schrift auch eine koreanische Übersetzung hat. Es gab also auch einen Schrein.
Zunächst aber stieß ich auf einen gar nicht so kleinen Tempel, den Koma san Seiten-in shoraku-ji. Kurz Seiten-in. Er wurde von Koma no Jakou erbaut und nach dessen Tod zum Familientempel des nächsten residierenden Mönchs aus einer koreanischen Agelsfamilie gewesen zu sein. Er wurde in der Nara-Zeit (8 Jh.) gegründet.
Ja, auch hier macht die Moderne nicht halt. :)
Die Haupthalle
Innenansicht
Grab von Koma no Jakou, der aus Koguryeo (Korea) stammte und mit Familiennamen "König aus Koma" hieß, weil er ein im Exil lebender Nachkomme der Königsfamilie war.
Danach ging es noch zum Koma-Jinja. Hier ist das obligatorische Eingangs-Torii, das auf einen großen Schrein schließen lässt. Was haben die noch alles in Koma versteckt?^^
Händewaschen nicht vergessen!
Es kann aber mehr gewaschen werden, als nur Hände. Z.B. Autos. Müssen schließlich auch gegen alle Widrigkeiten des Autofahreralltags geweiht und mit allen heiligen Wasser gewaschen sein. Die Papier-Streifen markieren dabei den heiligen Bereich, in dem das Auto stehen muss.
Der Koma-Schrein selbst befindet sich allerdings gerade unter Generalüberholung. Auch der Schrein wurde im 8 Jhd. vom "König aus Koma" errichtet und ist auch heute noch Mittelpunkt für etliche Koreaner in der Gegend. Das japanisch-koreanische Freundschaftsfest packte gegen 15.00 Uhr am Nachmittag aber bereits ein. Die Freundschaft sah jetzt nicht sehr eng aus. Die meisten Japaner saßen wohl sowieso noch auf dem Blümchen-Fest, das viel näher am Bahnhof war...
Zu guter Letzt landete ich im einzigen Café des Ortes, dem Bio-Café Alishan. Dort konnte man bei schönstem Sonnenschein auf der Terasse sitzen und auf den Fluß schauen. Sehr schön! Und Altjapanisch-Hausaufgaben machen, gegen das Gewissen. ;P